Was ging bei Architekt in Schmitz Katze?

Laura Wolfert

Hipster statt Hip-Hop-Heads, dafür ein sympathischer Protagonist mit einer Botschaft an die fudder-Leser - am Donnerstagabend trat Rapper Architekt in Schmitz Katze auf:



Die Stage

Wo sind die Kontrolleure und die drängenden Fans, die wie bei dem Kool Savas-Support vor zwei Jahren in die erste Reihe wollen? Irgendwie verschwunden. Lediglich die alten Sessel und vier Jungs leisten einem Gesellschaft. Dabei ist es schon 19 Uhr.

Wo normalerweise gechillt, geraucht und das Bierchen weggekippt wird, herrscht absolute Leere. Wie in einem alten Westernfilm, wo ein Steppenläufer leise durch die Wüste fegt, ist da nur Miguel, der die Getränke hin und her transportiert.

Um Punkt 20 Uhr ist dann endlich Einlass. Die Bühne ist schlicht mit dem Schmitz Katze-Logo an der Wand und einem Architekt-Musik-Plakat vor dem DJ-Pult geschmückt. Ganz klar: Heute liegt der Fokus nur auf der Musik! Durch den Support mit Dray Durch, Waldo the Funk und MC Prisma scheinen die wenigen Leute anfangs etwas verunsichert zu sein. Zwei Mädels holen die Gäste von draußen mit vollem Elan rein, was den Rappern zu Gute kommt.

Nachdem die erste Hand zum Beat mitwippt, ist das Eis gebrochen. Auch Architekt, der zwischen den Leuten hin und her schlendert, scheint erleichtert zu sein. Nach einer Stunde Aufheizen kommt er dann endlich auf die Stage. Von der ersten Minute an gibt der Rapper alles, ist voll dabei und lockt selbst die letzten Langweiler von draußen direkt vor die Bühne.

Die Crowd

Ein Typ, der sein Kopftuch immer wieder nachzieht, weil seine Lockenmähne durch das Headbangen nicht standhält, das Mädchen, das direkt vor der Bühne im Hip-Hop Stil zum Beat mittanzt, oder die anderen Jungs, die grölend den Text vorrappen: Im Endeffekt sind sie dann doch alle voll dabei.

Irgendwie schon familiär, die kleine Meute. Man hat sich mit fast jedem unterhalten und jeder feiert Architekt wie einen Rapgott! Trotzdem fehlen Baggy-Pants, NY-Caps und protzige Goldkettchen. Die echten Hip-Hop-Heads sind daheimgeblieben, einige Hipster haben sie ersetzt.



Track-Check

Ohne Backup rappen und das ganze ohne einen Hänger, Pause, nachzulassen und über eine Stunde: Das soll Architekt erst mal einer nachmachen! "Wenn ihr Vollgas gebt, werde ich das auch!", kündigt er an - und gibt Vollgas.

Die Anlage ist voll aufgedreht, einen Ticken zu laut, weil alle ziemlich nah an der Bühne sein können. Der Bass ist so stark, dass man sich durch den wankenden Boden zwangsläufig bewegen muss. Das passt aber: Die Crowd ist energiegeladen, die Musik impulsiv.

Architekt spielt sein neues Album "Architekt Hits 2015". Vor allem auf seinen Song "Insel" lässt sich die Crowd ein - seiner Tochter gewidmet. Wie bei fast jedem Konzert werden auch hier passend zu "Schlaflied" die Feuerzeuge und Handys hochgehalten. Eine idyllische Stimmung kommt auf, dann geht der Rapper hinter die Bühne und kommt als MC Zuhälter zurück - sein ehemaliges Alter-Ego. Mehr als drei alte Songs will er so aber nicht spielen: "Wir sind heute für das neue Album da!"

Fail

So richtig "fail" ist eigentlich nichts. Dem ein oder anderen waren es ein paar Beleidigungen zu viel, aber das gehört nun mal dazu. Und dass es relativ leer ist, findet auch keiner schlecht - im Gegenteil, es ist dafür umso vertrauter.

Geil

Ein Lacher: Architekt will ein Machtwort gegen Alkohol und Drogen sprechen. Währenddessen nippt das Publikum am Decker-Bier oder zieht am Joint - der ganze Raum riecht nach Gras.

Architekts Musik ist gut, er selbst als Person aber noch besser. Bevor er die Bühne betritt, setzt er sich draußen zu den Leuten, merkt an, er sei sehr nervös, eben auch nur ein Mensch. Sogar nach dem Konzert ist er für seine Fans fast eine Stunde ganz privat da. Sehr sympathisch.

Sekundenschlaf

Wenn die Jungs und die zwei netten, aufgedrehten Mädels mich nicht auf Trab gehalten hätten, wäre ich vor dem Konzert auf dem gemütlichen Sessel draußen definitiv eingeschlafen! Gott sei Dank war es nur die Ruhe vor dem Sturm!

Kassensturz

Das Vorverkauf-Ticket für 13 Euro ist geschenkt! Die Getränke an der Bar nicht, denn die sind wie in einer Diskothek üblich, sehr teuer. Wer sein Taxigeld bis nach dem Konzert noch nicht verprasst hat, kann die letzten 20 Euro in eine Vinyl-Platte, ein T-Shirt oder eine CD stecken.

An der Theke

Must-Have des Abends und in den meisten Händen wiederzufinden: Das neue Freiburger 1-Liter-Decker-Bier. Schmeckt ziemlich gut, sieht kultig aus und macht auch nach dem Konzert noch seine Runde.

Schwitzfaktor

Da ist jeder für sich selbst verantwortlich. Es geht heiß her, aber wie auf jedem Konzert gibt es natürlich die ein, zwei Helden, die nicht verstehen, was das mit dem Handwippen soll und dass man tanzen kann! Selbst unser Locken-Joey kann nicht jeden am Rand ermutigen, sich weiter in Richtung Bühne zu begeben.

Eure 20 Sekunden Ruhm

Jeder an diesem Abend hat die Chance auf längeren Augenkontakt, ein persönliches Gespräch, Autogramm oder ein Selfie. Auch Euch soll das nicht vorenthalten bleiben. So lässt Architekt nochmal persönlich eine kleine Botschaft da:



Flirtalarm

Die Jungs sind in der Überzahl und am Ende etwas angeheitert. Natürlich wird da mit den wenigen Mädchen etwas geflirtet, diskutiert, wer auf wessen Schoß sitzen darf und wer bei wem noch mitgehen will - aber auch bei den Jungs untereinander! Am Ende stellt man fest: Es gibt wesentlich bessere Anmachsprüche als "Na Praline, Bock auf ne Füllung?"

Pauschalurteil

Ein perfekter Abend um Leute kennenzulernen, vorzuglühen und seinem "Idol" etwas näherzukommen! Anfangs hätte ich nicht gedacht, dass das Konzert so gut verlaufen wird - und in einer so netten, charmanten Runde endet.