Konzertkritik

Was ging bei ... Alina im Jazzhaus?

Louisa Flach

Die gebürtige Schwarzwälderin aus Waldshut-Tiengen macht auf ihrer Deutschland-Tour Halt in Freiburg: Keine Überraschung, dass der Kompass der Wahlberlinerin sie in ihre Heimat führt, wo sie ihr akustisches Programm auch im Jazzhaus vorstellt.

First Impression

Zunächst fällt eine sparsam ausgestattete Bühne auf. Ein Keyboard, ein Hocker, mehr ist nicht zu sehen. Verhalten betritt der Keyboarder den Schauplatz, setzt sich und beginnt zu spielen. Die ersten Konzertbesucher strecken schon nervös die Köpfe aus den Reihen... kommt Alina überhaupt noch? Nach einigen Minuten macht sich Erleichterung breit, auch die Sängerin erscheint unter tosendem Applaus im Jazzhaus. Es werden keine großen Reden geschwungen, direkt wird der erste Song des Abends angespielt.

Die Crowd

Im Publikum sind alle Altersklassen vertreten, auffällig vor allen Dingen zwei Kinder, die sich im Laufe des Abends als besonders textsichere Fans erweisen und ihrer Begeisterung lauthals kundtun. Die meisten Konzertbesucher haben alle Hände voll zu tun – von Bionade bis Bier - und lassen es sich sichtbar gut gehen. Voller Motivation klatscht das Publikum von Anfang bis zum Ende mit, singt "die Einzige" sogar ohne Alinas Unterstützung mit.

Die Songs

Alina beginnt ihr Konzert mit dem Song "Kompass". Sie beschreibt darin ihren inneren Wegweiser, der ihr immer zuverlässig den Weg in Richtung Heimat zeige. Das Lied widmet sie ihrer Mutter, die das Konzert von der letzten Reihe aus mitverfolgt.
Ein Keyboard und eine wuchtige Stimme mit Wiedererkennungswert reichen der Sängerin aus, um Songs wie "Herzstreik", "Titan" oder "Kind sein" zu einem Erlebnis zu machen.

Die Message bleibt bei aller Melancholie und Nostalgie trotzdem stets positiv und zukunftsgerichtet. Mit breitem Grinsen steht sie auf der Bühne und tanzt fröhlich umher. Alinas Fazit des Abends: Lasst den Kopf nicht hängen und gebt nicht auf!

Alina – die deutsche Adele?

Eine häufig diskutierte Frage, die sich nicht endgültig beantworten lässt. Alina gibt ihrer Musik eine ganz persönliche Note. Sie erzählt nicht nur in den Songs, sondern auch zwischen den Stücken humorvoll von ihrem eigenen Werdegang, von Höhen und auch Tiefen. Der Eindruck, dass sie in ihren Texten erlebte Begebenheiten ehrlich verarbeitet, verfestigt sich im Laufe des Abends immer mehr.
Besonders in der akustischen Ausführung bekommt man einen guten Eindruck von Alinas Stimmgewalt und wird als Zuhörer mitgenommen auf eine Reise von ganz verhaltenem Summen bis hin zum großen Knall.

Schwitzfaktor

Von körperlicher Anstrengung kann, ausgenommen von Händen und Stimmbändern, eindeutig nicht die Rede sein. Obwohl die Besucher während des Konzerts auf ihren Stühlen sitzen bleiben, gibt es zum Schluss über mehrere Minuten hinweg Standing Ovation. Mitgenickt und mitgewippt wird durchgehend fleißig. Insgesamt hat das Konzert eher angenehme Wohnzimmer-Atmosphäre, die einlädt, gemütlich Alinas Stimme zu folgen, ob man ihre Songs schon zuvor gehört hat oder nicht.

Pauschalurteil

Ein bisschen mehr als 25 Euro sind abschließend eine Investition, die sich sicher lohnt, wenn man die Möglichkeit bekommt, die sympathische Schwarzwälderin live zu erleben. Authentisch in jeder Silbe ist Alina eine Sängerin, die es mit ihren Songtexten und ihrer Stimme vermag, die Aufmerksamkeit der Konzertbesucher auf sich zu ziehen und zu begeistern.

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