Was Freiburger tun müssen, wenn sie ein fremdes Fahrrad finden

Simone Höhl

Ein Mann findet vor seinem Haus fremde Fahrräder. Einfach liegen lassen? Will er nicht. Irgendwo abstellen? Darf er nicht. Zur Polizei bringen? Die ist nicht zuständig. Gar nicht so leicht:



Was tun, wenn eines Tages zwei fremde Fahrräder im Vorgarten liegen? Ein Freiburger meldete das vermutliche Diebesgut der Polizei. Die überprüfte die Räder, die aber nicht als gestohlen gemeldet waren, und riet, sie von der Stadtverwaltung abholen zu lassen. Die aber teilte dem Mann mit, dass sie dazu nicht verpflichtet ist, vielmehr seien Fundräder vom Finder abzuliefern. Das war ihm nicht möglich, die Räder standen bald woanders.


Der Fall wirft die Frage auf, wie so ein Rad jemals wieder zu seinem rechtmäßigen Besitzer kommen soll. Für die Polizei gibt es bei herrenlosen Rädern zwei Optionen, sagte Polizeisprecherin Yasmin Bohrer am Mittwoch. Option eins: Das Rad ist geklaut, was die Polizei feststellen kann, wenn der Bestohlene bei einer Anzeige die Rahmennummer oder unverwechselbare Kennzeichen angegeben hat, Farbe und Marke genügen nicht.

"Wenn wir einen Anhaltspunkt haben, nehmen wir's mit und verständigen den rechtmäßigen Besitzer." Option zwei: Das Rad lässt sich keinem Diebstahl zuordnen. "Dann ist es eine Fundsache und die Stadt zuständig." Zeitweise habe die Polizei auch mal Fundräder mitgenommen. "Aber dafür haben wir keine Kapazitäten."

Abliefern ist Bürgerpflicht

Die hat auch das Rathaus nicht, erklärte Sprecherin Edith Lamersdorf. "Einen Abholservice für Fundfahrräder gibt es nicht, dafür ist das Fundbüro nicht ausgestattet." Der Grund: Finder stehen nach dem bürgerlichen Gesetzbuch in der Pflicht. Bis vor zwei Jahren sei die Polizei relativ kulant gewesen.

Das Fundbüro versucht auch, den Bürgern ihre Pflicht mit dem Hinweis zu versüßen, dass ihnen das Rad gehört, wenn sich nach einem halben Jahr kein Besitzer im Fundbüro gemeldet hat. Doch das überzeugt nicht jeden.

Einfach an die Straße stellen?

Einfach an die Straße "oder sonst wohin" stellen dürften Finder ein Fundrad nicht, sagte Lamersdorf. Nach der Gehwegreinigungssatzung sei der Gehweg vor dem Grundstück sauber zu halten, nach der Müllverordnung wildes Entsorgen eine Ordnungswidrigkeit – auch wenn es gar nicht das eigene Rad ist: "Im Moment ist der Finder im Besitz des Rades, auch wenn's nicht sein Eigentum ist", erklärt die Rathaussprecherin und setzt nach: "Das ist leider so."

Sie bittet um Verständnis und darum, sich in die Lage der Bestohlenen hineinzuversetzen, die so die Chance hätten, ihr Fahrrad wieder zu finden. "Bürgerpflicht heißt, auch mal etwas zu tun, was nicht so toll ist. Wie zum Beispiel auch Steuern zahlen."

Fahrradpass:

Die Polizei appelliert an Fahrradeigentümer, die Rahmennummer zu notieren, die steht oft unterm Tretlager. Den Fahrradpass der Polizei gibt’s – auch als App – hier.

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[Foto: Thomas Kunz]