Was Freiburger Muslime über den Papstbesuch denken

Elisabeth Kimmerle

Auch wenn man es in diesen Tagen in der Stadt nicht unbedingt merkt: laut Einwohnermelderegister sind 61,4% der Freiburger nicht katholisch. Eli hat sich zur Mittagszeit an einen der Tische vor dem Islamischen Zentrum gesetzt, und nachgefragt, was Freiburger Muslime über den Besuch von Benedikt XVI. denken.


Mittagszeit.
In dem Lokal beim Islamischen Zentrum läuft das Geschäft seinen gewohnten Gang: Küchengeklapper, türkische und deutsche Wortfetzen und abgenagte Hähnchenschenkel. Alte Männer diskutieren bei Schwarztee, Umzugshelfer und Angestellte vom Universitätsklinikum machen Mittagspause und vor der Glastheke stehen die Leute Schlange für einen Yufka.


Draußen vor dem unscheinbaren lindgrünen Haus, das hinter Bäumen versteckt an der Breisacherstraße liegt, ist von der Aufregung um den Papstbesuch nichts zu spüren. Von den Polizisten, die seit Beginn der Woche durch die Innenstadt patrouillieren, keine Spur. Lokman Dogan (Bild rechts) hat sich einen türkischen Tee bestellt und beobachtet das träge Treiben in den frühen Mittagsstunden. „Hier scheint alles ganz normal zu sein“, stellt er fest und zieht an seiner Zigarette.

Dass der Papst nach Freiburg kommt, kümmert den 41-Jährigen wenig. „Für die Christen ist der Papst ein wegweisender religiöser Führer, deshalb respektiere ich diejenigen, die ihn unterstützen“, sagt er aber. Dem pflichtet sein Tischnachbar Mahmut Sen (Bild unten links) bei: Wenn es um Religion gehe, respektiere er alles, weil Religion Frieden schaffe.

Der 35-jährige Freiburger findet es wichtig, dass die Menschen an irgendetwas glauben, denn nur so erlange das Leben einen Sinn. Frei nach dem Motto: Beten und beten lassen. Nur ein Punkt stößt bei ihm auf Kritik: „Wenn es stimmt, dass für den Papstbesuch wirklich 35 Millionen Euro ausgegeben wurden, dann finde ich das schon übertrieben. Es gibt so viele bedürftige Menschen auf der Welt, die das Geld besser brauchen könnten“, sagt er.

Das sieht Ferruh Yildiz (Bild unten rechts) ähnlich. „Klar ist der Papstbesuch für Nichtgläubige ein Ärgernis, wenn man sich überlegt, ob es wirklich notwendig ist, soviel Geld rauszuschmeißen“, räumt er ein, „aber für die Katholiken ist es eine große Ehre, dass ihr Oberhaupt nach Freiburg kommt. Viele freuen sich schon wochenlang darauf.“ Dafür akzeptiert der Autohändler auch, dass er sich zwei Tage lang nur eingeschränkt in seiner Stadt bewegen kann.

Vor dem kleinen Laden um die Ecke plaudert Cevat Akcay mit seinem Mitarbeiter. Das Mittagsgeschäft läuft langsam an, die Gläubigen, die das Freitagsgebet verrichten, werden erst in einigen Stunden kommen. Vom Papstbesuch bleibt Cevat Akcay unbeeindruckt. „Was soll ich dazu sagen?“, fragt er. Natürlich habe er nichts dagegen, aber für ihn persönlich sei es egal, dass der Papst kommt. Der 43-Jährige wird an diesem Freitag das für die Muslime wichtigste Gebet der Woche verrichten, wie jede Woche.

Ein ganz gewöhnliches Wochenende versprechen die kommenden zwei Tage dennoch nicht zu werden. Straßensperren für Autos, Sicherheitskontrollen, Menschenaufläufe und frühere Ladenschlusszeiten: Ob man den Papstbesuch befürwortet oder nicht, an dem Rummel um den weißhaarigen Würdenträger kommt an diesem Wochenende wohl kein Freiburger vorbei.

Die Männer vom Islamischen Zentrum haben sich darauf eingestellt und bleiben wohl zuhause. „Ich werde versuchen, soviel Sport wie möglich zu machen, oder vielleicht einen Spaziergang mit meiner Familie“, sagt Mahmut Sen. „Was bleibt mir auch anderes übrig, das Auto muss ich ja stehen lassen“, fügt er hinzu und grinst stoisch.

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