Was EHC-Legende Petr Mares zu seinem Rauswurf sagt

Daniel Laufer

Der EHC Freiburg will den Vertrag von Nachwuchstrainer Petr Mares nach dieser Saison nicht verlängern. Er sei den Anforderungen nicht gewachsen, heißt es. Kinder, Eltern und Fans protestieren gegen die Entscheidung. Jetzt spricht Mares im fudder-Interview:



Anfang Februar hat der EHC Freiburg bekannt gegeben, dass er Deinen Vertrag als Nachwuchstrainer nicht verlängern wird. Der Verein begründet das mit einem neuen Ausbildungskonzept des Verbands - dem sogenannten "Fünf-Sterne-Programm". Kinder, Eltern und Fans haben darauf protestiert. Was passiert jetzt?

Petr Mares: Ich weiß es nicht. Seit dem Gespräch Ende Januar konnte ich mit dem Vorstand nicht reden. Damals bat Werner Karlin mich in sein Büro zu kommen. Dort teilte er mir mit, mein Vertrag würde nicht verlängert.

Er sagte, ich sei zu lange in Freiburg und solle mich anderswo weiterentwickeln. Damit hatte ich nicht gerechnet - im Gegenteil: Ich war schockiert! Erst eine Woche später hieß es, dass mit dem Fünf-Sterne-Programm etwas nicht stimmen soll.

Du wusstest von diesem Programm.

Sicher, es gilt diese Saison bereits. Im Sommer hat der Deutsche Eishockey-Bund es vorgestellt. Ich habe also auch entsprechend gearbeitet, wie vom Verband gefordert jedes einzelne Training dokumentiert und im Dezember all meine Spieler bewertet. Mehr war für mich als Trainer nicht vorgesehen. Das habe ich dem Vorstand auch mitgeteilt.

Hat der Verein Dich während der Saison gebeten, etwas an deiner Arbeitsweise zu verändern?

Nein, eben nicht. Wenn dir keiner was sagt, denkst du, dass du deine Sache richtig machst. Und ich habe sie richtig gemacht! Wenn Vertreter des DEB in Freiburg waren, haben sie meine Dokumentationen kopiert und mitgenommen. Schlechtes über meine Arbeit gesagt haben sie nie.

Als Spieler warst du bei den EHC-Fans beliebt, hast aber im Verein auch immer mal wieder angeeckt. Gab es in dieser Saison Streit?

Definitiv nicht. Aber ich sage meine Meinung, wie ich das auch als Spieler gemacht habe. Wenn ich denke, dass etwas für den Verein oder die Kinder das beste ist, dann kämpfe ich auch dafür. Dass es nun heißt, ich würde schlechte Arbeit machen, kann ich nicht akzeptieren.

Vor zwei Wochen habe ich mit den Schülern zum ersten Mal seit zwei Jahren verloren. Letztes Jahr wurden wir Baden-Württemberg-Meister und sind in die Bundesliga aufgestiegen. Mit der Jugend das gleiche. Und was die U12 angeht: Die Eltern kommen zu mir und sagen, ich hätte aus den Kindern so viel in einem Jahr gemacht wie andere in drei!

Ich trainiere auch den Sohn von Rawil Khaidarow. Das ist ein Trainerkollege. Der sagt, er glaube nicht, dass er das besser hingekriegt hätte.

Jetzt ist ein Junge seit zwei Wochen nicht mehr im Training, weil ich gesagt habe, er muss in der Schule besser werden. Das gab es die Jahre davor vielleicht nicht. Aber auch wenn es die U12 ist: Erst kommt die Schule! Ich bin für die Kinder da.

Du hast viele Jahre beim EHC gespielt, mittlerweile hängt deine Trikotnummer unterm Hallendach. Was machst Du, wenn der Vorstand bei seiner Entscheidung bleibt?

Ich werde mich selbstverständlich irgendwo anders bewerben. Eishockey ist mein Leben. Ich liebe es, zu sehen, welche Fortschritte die Kinder machen. Wenn ich den Unterschied sehe zwischen Saisonbeginn und Saisonende, wie jetzt bei der U12, dann weiß ich: Du machst etwas Gutes.

Mehr als tausend Menschen fordern mit einer Facebook-Seite, dass Du als Nachwuchstrainer weitermachen kannst. Darunter Kinder und Eltern, auch Spieler der ersten Mannschaft wie Niko Linsenmaier. Neulich haben wütende Fans im Stadion ein Transparent hochgehalten: "Petr Mares für die Jugend!"

Dass so viele Kinder und Eltern hinter mir stehen, hat mich überrascht. Auch wie viele vor kurzem zum Elternabend gekommen sind. Dafür muss ich mich bedanken. Es gibt natürlich in jedem Job ein, zwei Leute, mit denen man nicht klarkommt. Aber das ist OK, damit muss ich leben.

Jetzt stellt der Vorstand das so dar, als hätte ich bei diesem Fünf-Sterne-Programm verwaltungstechnisch irgendwas nicht hingekriegt. Eltern haben sogar angeboten, mitzuhelfen und Arbeit zu übernehmen, die mir der Verein nicht zutraut!

Viele ehemalige Spieler haben mir geschrieben, aber eben auch aktuelle haben gesagt, dass sie das alles nicht verstehen. Die sind ja immer vor uns auf dem Eis. Da gibt es auch welche, die mich Fragen, was sie besser machen können, wenn's bei ihnen mal nicht läuft. Ich bin auch für die da - obwohl ich damit eigentlich nichts zu tun habe.

Bleibst Du, wenn der Verein seine Meinung ändert?

Natürlich. Alleine wegen der Kinder und Eltern, die sich so für mich einsetzen.

Zur Person



Als EHC-Spieler war Petr Mares eine Legende. Sein Trikot hängt unter dem Hallendach, der Verein vergibt seine Nummer nicht mehr. Seit seinem Karriereende arbeitet der heute 36-Jährige als Nachwuchstrainer.

Mehr dazu:

[Foto 1: Michael Bamberger, Foto 2: Patrick Seeger]