Was Du tun kannst, wenn Du Probleme im Studium hast

Maike Sommer

Was kann ich tun, wenn mir mein Studium nicht gefällt? Muss ich wirlich Praktika machen? Was bringen Zusatzveranstaltungen? Friedrich Arndt, Leiter der Zentralen Studienberatung, beantwortet auf fudder Fragen zu Problemen im Studium.

Was kann ich tun, wenn mir mein Studienfach nicht gefällt ?

Friedrich Arndt: Eine wichtige erste Information ist, dass dies bei vielen der Fall ist. Um ein Fach zu wechseln muss man die jeweiligen Fristen beachten. Außerhalb dieser Fristen kann man ein neues Studium meistens nur zum Wintersemester beginnen. In der Zwischenzeit können die Studierenden entweder Dinge machen, die viele auch nach dem Abitur machen: Praktika, jobben, Freiwilligenarbeit, Work and Travel und so weiter. Oder man belegt weiter Seminare aus seinem Studiengang, die man interessant findet, bis man sich für etwas Neues bewerben kann.

Studenten, die sich unsicher sind, wie es weiter gehen soll, finden Hilfe in der Studienberatung. Sowohl formale Fakten als auch die eigene Motivationslage können in einem Gespräch gemeinsam geklärt werden. Ein Gegenüber, der erfahrene Fragen stellt und im Prozess unterstützt, ist meistens hilfreich. Für Studienzweifler gibt es in der Zentralen Studienberatung und beim SWFR spezielle Workshops. Selbst in höheren Semestern kann ein Abbruch sinnvoll sein, wenn der Leidensdruck zu hoch ist.

Allerdings erschwert BaföG spätere Studienabbrüche. Je nach Leidenssituation ist es sinnvoll, dass Studium zu beenden und sich anschließend nach Alternativen umzuschauen. Möglich ist auch ein Zweitstudium. Dafür fallen allerdings in Baden-Württemberg Studiengebühren an und die Zulassungshürden sind hoch.

Was können Studierende machen, wenn sie zwar ihr Studienfach mögen, sich in der Stadt allerdings nicht wohlfühlen?

Wenn man die Stadt wechseln und im gleichen Fach bleiben möchte ist es wichtig, mit dem neuen Studienort und den Studiengangskoordinatoren oder Studienfachberatern frühzeitig in Kontakt zu treten. Man sollte klären wie viele der bereits erbrachten Studienleistungen anerkannt werden. Mit diesem Anerkennungsdokument kann sich der Student auf ein höheres Fachsemester bewerben und hat in der Regel bessere Zulassungschancen. Es gibt viele Studiengänge, die in höheren Fachsemestern nicht mehr zulassungsbeschränkt sind. In überlaufenen Fächern mit zentraler Studienplatzvergabe muss man dagegen Glück haben oder einen Tauschpartner finden.

An wen kann ich mich bei Problemen im Studium wenden?

Ein guter erster Ansprechpartner sind wir hier in der Zentralen Studienberatung. Studierende können mit sämtlichen Fragen zu uns kommen. Wenn wir selbst nicht weiterwissen, können wir die Studierenden in der Regel an die richtigen Ansprechpartner vermitteln. Wenn es um Schwierigkeiten beim Lernen oder mit der Arbeitsorganisation geht, können wir ihnen neues Handwerkszeug und Tipps mitgeben. Das SWFR zum Beispiel bietet Workshops und Seminare zu Zeit - und Geldmanagement an.

Geht es um eine ernstzunehmende Prüfungsangst können wir Ratsuchende weiter vermitteln. Sind die Fragen fachspezifischer sind die jeweiligen Fachbereichsleiter oder Studiengangkoordinatoren gute Ansprechpartner. Neben den offiziellen Stellen ist auch der Austausch mit Kommilitonen wichtig. Es hilft zu wissen, dass man mit seinen Fragen nicht alleine ist, und vielleicht haben die anderen auch noch passende Tipps parat.
Wie wichtig sind Praktika während des Studiums?

Definitiv wichtig. Mit Praktika kann man die eigene berufliche Orientierung überprüfen und erste Kontakte in der Arbeitswelt knüpfen. Man bekommt Einblicke in verschiedene Tätigkeiten und kann feststellen, was zu einem passt. Viele machen Praktika nur für den Lebenslauf. Laut den Mitarbeitern des Personalbereichs ist es sogar eher ungünstiger, Praktika wie Trophäen anzuhäufen, als keine zu machen. Wenn Sie sich in sämtliche berufliche Richtungen ausbreiten fehlen Profile und Ziele. Wenn man erklären kann, dass man vielseitig interessiert ist oder sich beruflich orientieren musste, können viele Praktika auch positiv sein. Wichtig ist, dass man sich selbst darüber im Klaren ist, warum man ein bestimmtes Praktikum macht und welche Ziele man damit verfolgt.

Lohnt es sich, für ein Praktikum ein Urlaubsemester zu nehmen?

Viele Unternehmen stellen Praktikanten erst ab drei Monaten oder länger ein. Solche längeren Praktika sind effektiver und erfahrungsreicher. Viele Studierende haben einen großen Zeitdruck, ihr Studium möglichst schnell zu beenden. Dabei ist für den Arbeitsmarkt nicht das Alter, sondern die Kenntnisse entscheidend sowie das Wissen darüber, was man selbst kann. Im Studium sollte man herauszufinden, was einen interessiert, worin man gut ist und wo man beruflich mal hin möchte.

Natürlich könnte man sich nach dem Bachelor auch als Scheinstudent einschreiben um Praktika zu machen, aber dass wird von Hochschulen verständlicherweise nicht gerne gesehen. Ich würde das nicht pauschal jedem raten, aber wenn es für einen selbst richtig und anders nicht realisierbar ist, ist auch dies eine Option. Viele Unternehmen setzen den Studentenstatus sogar voraus.

Wo können sich Studierende über Praktika und Berufsmöglichkeiten informieren?

Erstens kann man selbst recherchieren und sich initiativ bewerben. Zweitens kann man in der Praktikumsbörse der Uni suchen, die ist online verfügbar und nach Fächern sortiert. Manche Institute haben eigene Börsen, für fachspezifische Praktika kann man beim Studiengangskoordinator nachfragen. Diese haben häufig Unternehmenskontakte. Drittens kann man sich bei der Bundesagentur für Arbeit beraten lassen. Sie hat ein eigenes Hochschulteam, das im Service Center Studium in der Sedanstraße sitzt. Sowohl zur Berufsorientierung als auch zu Praktikumsfragen kann man Gespräche in Anspruch nehmen, außerdem hat die Agentur ebenfalls einen Pool mit interessierten Unternehmen. Viertens gibt es im Internet auch öffentliche Praktikumsbörsen, die nicht speziell örtlich gebunden sind.

Was bringen Zusatzveranstaltungen wirklich und sollten Studierende viele oder wenige belegen?

Es hängt davon ab, was einem Spaß macht. Die Zusatzveranstaltungen müssen natürlich individuell und zum Studium passen. Ich würde empfehlen sich diese Angebote zumindest mal anzuschauen. Im Studium soll man nicht nur Fachwissen erwerben, es ist auch eine Phase, in der man sich als Person entwickeln kann. Wachsen kann man nur, wenn man neue Eindrücke und Erfahrungen sammelt.

Man kann neue Sprachkenntnisse erwerben oder von Fachbereichen lernen, die man nicht studiert. Informieren kann man sich über Zusatzveranstaltungen in Infobroschüren, zum Beispiel "Wegweiser Studienstart" oder "hier studieren" vom SWFR, beide sind online verfügbar. Es lohnt sich auch, Infokanälen in Sozialen Medien zu folgen, wie zum Beispiel dem Account der Uni, des SWFR oder dem Studium Generale auf Facebook.

Zur Person

Dr. Friedrich Arndt war Lehrbeauftragter am Seminar für Wissenschaftliche Politik und ist inzwischen Leiter der Zentralen Studienberatung an der Uni Freiburg.

Im ersten Teil unseres Interview haben wir über Dinge gesprochen, die man sich normalerweise nicht traut, einen Dozenten zu fragen. Im zweiten Teil, der in einigen Tagen erscheint, geht es allgemeiner um Probleme im Studium – und wie man mit ihnen umgehen kann.

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