Was du schon immer übers Holbeinpferd wissen wolltest

Marina Korn

Um wie viele Farbschichten ist das Holbeinpferd in den vergangenen Jahren dicker geworden? Wer wäre verantwortlich, es zu restaurieren? Ist es eigentlich erlaubt, es zu bemalen? Und: Wem gehört das Pferdle überhaupt? Fragen über Fragen, denen fudder-Autorin Marina Korn nachgegangen ist:



Beginnen wir mit Historie: 1936 erschuf der Überlinger Bildhauer Werner Gürtner die Plastik aus Beton. Seit 1940 gehört es der Stadt Freiburg; verantwortlich ist das Garten- und Tiefbauamt.

Bei seiner Geburt war das Fohlen 1,90 Meter hoch, 1,90 Meter lang und wog eine Tonne. Wie dick es war, ist nicht bekannt - damals kam keiner auf die Idee, seinen Bauch zu vermessen. Heute hat es einen Bauchumfang von 122,5 Zentimetern; nach Messungen des Garten- und Tiefbauamtes wächst dieser durch die neuen Farbschichten jährlich um etwa drei Millimeter.

Auf den vielen Fotos, die über die Jahrzehnte vom Pferdle geschossen wurden, ist im Vergleich ganz deutlich festzustellen, dass es über die Jahre ordentlich zugelegt hat. Am deutlichsten wird die Gewichtzunahme an den Beinen, die nun mindestens doppelt so dick sind, an den Augen, die früher ausgehöhlt waren und nun Glubschaugen gleichen und am Geschlechtsteil, das gar nicht mehr zu sehen ist. Noch mehr schadet seiner Männlichkeit, dass die verhärteten Farbtropfen am Bauch nun aussehen wie Zitzen. Auch der Anus ist verschwunden.

Offiziell gilt jese Bemalung als Sachbeschädigung

Seit 1981 wird das Holbeinpferd regelmäßig bemalt. Angefangen hat alles in den 1970ern, als ein besorgter Bürger aus dem Viertel die mit Kritzeleien beschmierte Plastik weiß strich und es dann irgendwann zwei mutige Jungs in einer Nacht- und Nebelaktion zum Zebra umgestalteten. Die letzte "Abschminke", wie die Stadt Freiburg die Reinigung nennt, fand 1998 statt. Damals fuhr eine alte Dame das Pferdle mit dem Auto an, weshalb es abmontiert und restauriert werden musste. Um die Lücke auf der Verkehrsinsel zu füllen, stand dort vorübergehend eine Kuh aus Pappmaschee, die auf ihren Hinterbeinen stand und ein Schild mit der Aufschrift "Urlaubsvertretung" in den Klauen hielt. Da das Holbeinpferd aber seither mindestens einmal im Monat umbemalt wird, macht sich die Stadt nicht mehr die Mühe, es zu restaurieren.

Erlaubt ist es trotzdem nicht, die Plastik umzugestalten. Offiziell gilt jede Bemalung als Sachbeschädigung, und jeder Bemaler, der bei der Tat von der Polizei erwischt wird, muss mit einer Anzeige rechnen. "Es ist die subversive Art der Kunst im öffentlichen Raum, die nicht um Genehmigung fragt, sondern einfach ihre gute Idee umsetzt", sagt Kulturamtsleiter Achim Könneke. "Als Kulturamt Freiburg sagen wir auch: Klar, spannend wird das Holbeinpferdchen erst durch diese subversive Street-Art, die, wenn sie denn intelligent und künstlerisch gut ist, auf jeden Fall eine Bereicherung für die Stadt ist."

Fakt ist: Das ansonsten nur niedliche Kunstwerk bekommt erst durch seine anonymen Umgestaltungen eine Aussage - ob es nun in der Trikolore gegen Frankreichs Atompolitik demonstriert, im SC-Trikot seine Mannschaft anfeuert oder jemandem zum Geburtstag oder zur Hochzeit gratuliert.

"Es ist der Jojo-Effekt"

Da es sich bei der Restaurierung des Fohlens eher um eine Schönheitsoperation handeln würde als um eine Notwendigkeit, und da der Stadt für die Pflege und Unterhaltung der städtischen Kunstwerke ohnehin wenige Mittel zur Verfügung stehen, ist eine baldige Reinigung des Pferdchens vorerst nicht in Sicht. Nach Kulturamtsleider Könneke würde bei dieser Diät nämlich wahrscheinlich genau das Gleiche passieren, wie bei jeder anderen Diät: "Es ist der Jojo-Effekt, es hält nicht lange, es nützt nicht viel. Das Fohlen wird ganz schnell wieder Fett ansetzten."

Außerdem würde so eine Reinigung schnell mehrere Hundert Euro kosten, da man das Holbeinpferd erst einmal in eine Werkstatt bringen müsste. Dort würde dann entwerder ein Wasserstrahl- oder ein Trockeneisverfahren in Frage kömmen. "Noch schöner wäre es, für diese Verschlankungskur des Fohlens, würden sich die Bürger ebenso engagieren wie für die farbliche Umgestaltung", so Könneke. "Dann würde es der Stadt natürlich viel leichter fallen."

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Fotogalerie: Matthias Wolpert

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