Klimaschutz

Was diese vier südbadischen Aktivisten zu Fridays for Future motiviert

Charlot Behrens, Gina Kutkat & Anika Maldacker

Am 15. März wollen junge Klima-Aktivsten wieder in Freiburg auf die Straße gehen. Fudder hat vier südbadische Aktivisten gefragt, was sie motiviert – und wie sie auf Vorwürfe von Erwachsenen reagieren.

Sie sind jung und sie haben die Nase voll von Erwachsenen, die nur reden, und nichts tun: Die Fridays-for-Future-Demos haben eine neue Generation von Umweltschützern erschaffen, die Taten sehen wollen. Wir haben vier von ihnen befragt: Katrin Engler aus Lörrach, Enrico Schandl aus Lahr, Jana Schwab aus Offenburg und Jesko Treiber aus Freiburg.


Katrin Engler: "Über den Vorwurf, wir wären zu jung, kann ich nur lachen"

Katrin Engler
Katrin Engler, 17, lebt in Lörrach und besucht das Kant-Gymnasium in Weil am Rhein. Sie hat die Fridays-for-Future-Demo in Lörrach ins Leben gerufen und ist dort auch Mitglied der Grünen Jugend.

"Mein Horrorszenario ist, dass irgendwann alles am Ende ist, nur weil eine Generation nichts getan hat, als es noch möglich war. Das und die vielen Instagram-Beiträge zu Fridays for Future haben mich motiviert, aktiv zu werden, und mit einem Freund die Demo in Lörrach ins Leben zu rufen. Obwohl die Reaktionen anfangs negativ waren, haben wir viel Hilfe bekommen. Auch von der bundesweiten Gruppe von Fridays for Future.

Mein liebster Plakat-Spruch auf der Demo: ’The climate is getting hotter than my girlfriend.’ Ich mag Plakate mit Humor. Außerdem hat es mich berührt, als sich eine ältere Dame bei uns bedankt hat. Vor allem, weil uns andere Erwachsene belächelt hatten. Es gibt mehr Verständnis für unser Engagement, aber es gibt noch viele, die sagen, dass wir die Dinge nicht ändern können und in die Schule gehen sollen. Sie verstehen nicht, dass wir gerade deswegen auf die Straße gehen: Weil es Dinge gibt, die wir nicht ändern können und bei denen wir Aktion von der Regierung verlangen. Über den Vorwurf, wir wären zu jung, kann ich nur lachen.

Die letzten Jahre wurde kritisiert, die Jugend interessiere sich nicht für Politik. Jetzt tun wir was, wollen etwas verändern und es ist trotzdem nicht recht. Mittlerweile haben wir eine WhatsApp-Gruppe mit vier Organisatoren und drei weitere mit etwa 500 Mitgliedern."

Enrico Schandl: "Ich habe das Gefühl, Fridays for Future rockt gerade alles"

Enrico Schandl
Enrico Schandl, 22, wohnt in Lahr und macht an den Paritätischen Schulen für Soziale Berufe in Offenburg eine Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher. Er ist Delegierter des Lahrer Organisationsteams von Fridays for Future.

"Als Kind wollte ich Bundeskanzler oder Papst werden – ich bin schon lange politisch interessiert. Mit 18 bin ich den Grünen beigetreten. Umweltschutz und linkes Denken haben meine Erziehung geprägt. Ich möchte, dass Politiker Eier in der Hose zeigen und endlich was tun. Ich finde, unsere Bewegung rockt gerade alles. Dank Greta Thunberg gehen Leute auf der ganzen Welt auf die Straße. Weil es um unsere Zukunft geht. Fridays for Future könnte die größte Demobewegung aller Zeiten werden.



Zugegeben: Momentan liegt mir die Umweltpolitik mehr am Herzen als meine Ausbildung. Meine Eltern finden es cool, aber sie sagen auch, ich soll nicht übertreiben und an meine Schule denken. Ich entgegne ihnen, dass man ja eine Ausbildung braucht, wenn man Politiker werden will. Das beruhigt sie dann schnell wieder. Es wird immer wichtiger, dass man was zum Klimaschutz tut. Es geht uns ja nicht besser: Es wird heißer, das Wetter seltsamer, der Wasserspiegel steigt an einer Stelle und sinkt an anderer, die Luft wird ekliger. Deswegen demonstriere ich und organisiere die Demos in Lahr, an der letzten nahmen 300 Schülerinnen und Schüler teil.

Ich sorge für Stimmung, motiviere die Leute und rufe Parolen wie ’Wir sind hier und wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut’ und ’Hopp Hopp Hopp, Kohlestopp.’ Ich habe auch eine Rede gehalten, vor der ich gezittert habe, aber das Gefühl danach war richtig gut, weil Leute zu mir kamen und sagten ’Boah Rico, richtig geil’."

Jana Schwab: "Wir haben nur eine Erde, es gibt keinen Plan B"

Jana Schwab
Jana Schwab, 17, lebt in Willstätt und besucht die 11. Klasse der Klosterschule Offenburg. Sie ist Pressesprecherin der Offenburger Fridays-for-Future-Ortsgruppe. Sie ist Mitglied der Linksjugend Ortenau und kandidiert bei der Kommunalwahl.

"Der schönste Moment bei Fridays for Future war für mich am 18. Januar auf dem Schulhof. Es war der erste große Streik in Offenburg und unser Schulleiter hatte am Vormittag durchgesagt, dass unentschuldigtes Fehlen bestraft werden kann. Ich dachte, niemand kommt. Aber als ich auf den Pausenhof trat, warteten 50 Schülerinnen und Schüler, am Ende waren wir 500. Das war unglaublich. Wir sind zwischen zehn und 15 Leute, die sich in Offenburg bei Fridays for Future hauptsächlich engagieren. Ohne die sozialen Netzwerke würde die Bewegung nicht existieren. Die sozialen Medien helfen uns, schnell zu reagieren.

Greta Thunbergs Rede auf der Klimakonferenz in Polen hat mich sehr beeindruckt. Wir haben nur eine Erde, es gibt keinen Plan B. Wenn wir unsere Umwelt zerstören, betrifft das uns Menschen. Ich verstehe nicht, wieso so wenig für Klimaschutz getan wird. Tun wir nichts, erleben wir eine Katastrophe. Schon jetzt sehen wir, wie der Klimawandel Menschen zur Flucht treibt.

Die heftigen Reaktionen auf den Streik kann ich mir nur so erklären, dass die Leute Angst vor Veränderungen haben. Meine Eltern unterstützen mich. Vielleicht habe ich als 17-Jährige nicht so viel Erfahrung wie ältere Menschen gesammelt, aber ich muss nicht alles verstehen, um streiken zu gehen. Ich verstehe nicht, wieso Profite vor der Umwelt stehen. Ein Streik-Schild gefiel mir. Darauf stand: ’Wenn die Welt eine Bank wäre, hättet ihr sie längst gerettet’."

Jesko Treiber: "Wir sind weit entfernt von einer nachhaltigen Gesellschaft"

Jesko Treiber
Jesko Treiber, 19, lebt in Freiburg und besucht die Waldorfschule St. Georgen. Er hat die Freiburger Fridays-For-Future-Demo mitorganisiert, die deutschlandweit durch die Medien ging. Der Vorsitzende des Schülerrats ist Mitglied der Grünen und tritt bei der Kommunalwahl an.

"Als ich gehört habe, dass sich eine Fridays-for-Future-Gruppe in Freiburg bildet, war ich sofort dabei. Eine WhatsApp-Gruppe zur Organisation war der erste Schritt. Dann haben wir uns einmal die Woche getroffen, um alles zu planen. Das ist ein großer Zeitaufwand, aber macht Spaß! Bei der letzten Demo in Freiburg wurde mir bewusst, wie viele Leute wir sind und in Hamburg habe ich Greta Thunberg live gesehen und gehört. Das sind tolle Erlebnisse, die motivieren.

Außerdem motiviert mich die Angst vor der Zukunft. Wir sind weit entfernt von einer nachhaltigen Gesellschaft. Jeder hat zwar seinen ökologischen Fußabdruck, den er beeinflussen kann, aber 30 Prozent sind der staatlichen Infrastruktur geschuldet. Da kann man so nachhaltig leben wie man will, unter diese 30 Prozent Sockelbetrag kommt man nicht, ohne dass der Staat etwas ändert. Dafür und für die Einhaltung der Klimaziele gehen wir auf die Straße.

Die Reaktionen in Freiburg nehme ich positiv wahr. Es gab im Vorlauf unseres letzten Streiks Probleme mit den Schulen, aber die Konsequenzen hielten sich in Grenzen. Der Vorwurf, dass einige nur zu den Demos gehen, um Schule zu schwänzen, ist lächerlich. Fast alle Schulen haben Konsequenzen angekündigt. Das zeigt, dass wir etwas in Kauf nehmen. Wer Schule schwänzen will, kann das auch an jedem anderen Tag machen."


Fridays for Future

Die internationale Bewegung Fridays for Future engagiert sich für den Klimaschutz. In den vergangenen Monaten haben junge Menschen weltweit angefangen, freitags auf die Straße zu gehen, anstatt Schule oder Uni zu besuchen. Die Klima-Aktivisten fordern eine bessere Klimapolitik. Ihr Streik soll zeigen, dass Bildung sinnlos wird, wenn der Klimawandel weiter fortschreitet. Die 16-jährige Greta Thunberg aus Schweden ist ein Vorbild der Streikenden. Sie bestreikte im vergangenen Jahr drei Wochen lang ihre Schule. Jetzt demonstriert auch Greta nur noch freitags – etwa Anfang des Monats mit Schülerinnen und Schülern in Hamburg. Sie will ihren Protest so lange fortsetzen, bis Schweden seine Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaschutzabkommen erfüllt.

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