Was die Ditib macht, damit mehr muslimische Jugendliche wählen gehen

Sara Feickert

"Ich gehe wählen, weil mir meine Zukunft nicht egal ist" - mit diesem und anderen Slogans werben muslimische Jugendliche der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion für mehr Wahlbeteiligung unter ihnen. Warum das nötig ist und was sie sich von der Politik erhoffen, hat uns Ayse Aykan erklärt, die Vorsitzende des Landesjugendverbands.



Mit einem Werbespot und Informationen zur Bundestagswahl versuchen Ayse Aykan und andere muslimische Jugendliche des Landesjugendverbands der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (kurz Ditib) auf ihr Wahlrecht aufmerksam zu machen. Die Wahlbeteiligung muslimischer Jugendlicher soll dadurch positiv beeinflusst werden. "Wir hoffen, Jugendliche und junge Erwachsene so gut zu erreichen."


Durch ihr Netzwerk könnte es für die Ditib einfacher als für die Politik selbst sein, muslimische Jugendliche zum Wählen zu motivieren. "Generell bleibt aber zu hoffen, dass die Politik sich mehr für uns einsetzt, dass endlich mit und nicht mehr über uns geredet wird", sagt Ayse Aykan. Die 22-Jährige studiert BWL und Non-Profit-Management an der Uni Freiburg und ist Vorsitzende des Landesjugendverbands.

"Vor zwei Jahren war es an der Zeit, in unserer Freiburger Gemeinde etwas für Jugendliche zu tun", erzählt sie. "Seitdem haben wir viele Angebote in verschiedenen Bereichen. Unter anderem im Sport, in der Musik, Kunst und Bildung." Bei ihrer letzten Aktion gehe es hauptsächlich darum, die Jugendlichen zum Wählen zu motivieren, die Inhalte der Parteien seien nicht von Bedeutung. Es wird nur motiviert, nicht informiert – "das ist Parteiensache", so Ayse Aykan. Die Aktion wurde aber auch gestartet, um zu zeigen, dass der Islam mitten in und ein Teil der Gesellschaft ist. 

Ihre Freizeit verbringt Ayse Aykan vor allem mit gemeinnützigen Projekten. Schon in der Schulzeit am Kepler-Gymnasium war sie für ihr Engagement bekannt. "Das Bedürfnis, sich sozial zu engagieren, entwickelt man ja sehr früh. Ich war schon in der Schule Klassensprecherin, Schulsprecherin und in viele weitere Projekte involviert", sagt sie. 

Zur Ditib kam sie durch ihre Eltern. Als Muslima war sie dort, um ihre Religion zu praktizieren und an Gemeinschaftsprojekten teilzunehmen. Vergangenes Jahr wählte der Ditib Jugendverband Baden sie zur Vorsitzenden; seitdem engagiert sie sich dort noch stärker. 

Die Ditib ist der Dachverband, dazu gehören über 904 Vereine, unter anderem Moschee- und Sportvereine. Diese Vereine sind wiederum unterteilt in Landesverbände. Der Landesverband Baden hat 2012 den Landesjugendverband (LJV) gegründet, der sich nun für muslimische Jugendliche einsetzt und engagiert. Mit gesellschaftspolitischen Aktionen wie dem Wahlwerbespot  schaffen sie unter dem Motto "Aktive Jugend gestaltet starke Zukunft" einen Raum für gemeinschaftliche Aktionen und Mitbestimmung. Desweiteren dient der LJV Baden den Jugendlichen als Anlaufstelle bei Fragen und Problemen.

In Baden gibt es 62 Jugendgruppen mit insgesamt 25.000 Jugendlichen, die durch den LJV auf Landesebene repräsentiert werden. Verbunden sind sich die Jugendlichen in erster Linie durch ihre Religion, drum herum werden Reisen und Bildungsangebote, musikalische Aktionen und kreative Wettbewerbe organisiert.

Wen würden die muslimischen Jugendlichen wählen? Tendenzen würde es da keine mehr geben, sagt Ayse Aykan. Die Parteien haben sich ihrer Meinung nach integrationspolitisch alle stärker engagiert und können dadurch ein größeres Wahlspektrum erzielen. "Früher konnte man unter Muslimen laut Statistiken mal von einer rot-grünen Tendenz sprechen, heute kann man das nicht mehr unbedingt sagen", sagt sie. "Aber eines ist sicher: Die Wahlbeteiligung unter unseren Jugendlichen wird dieses Jahr hoch sein."

Zur Person

 

Ayse Aykan
, 22, engagiert sich seit zwei Jahren beim Landesjugendverband der Ditib in Freiburg und Umgebung. Sie wurde 2012 zur Vorsitzenden der Jugendgruppe gewählt und hilft dieses Jahr insbesondere, für mehr Wahlbeteiligung unter muslimischen Jugendlichen zu werben.

Mehr dazu:

[Bild 1: Ayse Aykan; Bild 2: fudder.de]