Was der Leiter des Uni-Bauamts zu diesen 6 wilden UB-Gerüchten sagt

Marius Buhl

Die UB sei viel dunkler als geplant, der Tunnel zur Fahrradtiefgarage zu schmal, die Schließfächer habe man schlicht vergessen: Studierende erzählen sich die wildesten Gerüchte. fudder hat sie dem Uni-Bauamtsleiter Karl-Heinz Bühler vorgelegt. Der hat sich schlapp gelacht:



Gerücht Nummer 1: "Die Unibibliothek läuft oben spitz zu. Die Planer haben vergessen, das einzuberechnen - und erst am Ende gemerkt, dass die Gesamtfläche dadurch kleiner wird."

Karl-Heinz Bühler: (lacht) Das ist natürlich Quatsch. Wir haben schon vor langer Zeit den Flächenbedarf errechnet und diese von den Stuttgarter Ministerien für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) und für Finanzen und Wirtschaft (MFW) genehmigen lassen.

Gerücht Nummer 2: "Ursprünglich sollten an den Außenwänden der UB die Bücherregale stehen. Dann hat man gemerkt, dass die Wände schräg sind und deshalb ungeeignet. Nun stehen die Regale in der Mitte, wo zu wenig für sie Platz ist."


(lacht) Das ist absurd. Wir wissen natürlich schon immer, dass die Außenwände schräg sind, das ist ja der Entwurf des Architekten, da gab es schon zu Beginn Gipsmodelle. Es war daher natürlich nie geplant, die Regale an die Außenwände zu stellen. Dort wo das Tageslicht ist, müssen die Lesetische hin. In der Mitte dagegen, wo es dunkler ist, haben wir die Regale geplant - und im ersten Untergeschoss. Dort stehen 700.000 Bücher zur Leihe bereit.

Gerücht Nummer 3: "Die UB hat ungewöhnliche Glaswände. Die lassen nur einen gewissen Teil des Farbspektrums des Lichts durch, was auf den Computerbildschirmen zu Unlesbarkeit führt."


(lacht) Ich bewundere die Kreativität der Gerüchteverbreiter. Auch dieses halte ich für unsinnig. Das Licht, das hier herein fällt, ist ganz normales Licht, keine Sorge. Und wenn da doch was dran wäre: Dann kann der Studierende einfach den Blendschutz an den Fenstern herabziehen - und licht-ungestört am Laptop arbeiten.

Gerücht Nummer 4: "Die Planer haben die Schließfächer vergessen!"


Bühler:
(lacht) Oh, das ist gut. Mal ehrlich: Die Unibibliothek ist ein hochkomplexes Gebäude. Es gibt 7000 Kontrollpunkte, die ständig Luft und Raumklima untersuchen und eigenständig regulieren. Die Außenarbeiten sind wegen des Gefälles sehr komplex, es gibt automatische Buchtransportbänder. Die Schließfächer waren von Anfang an eingeplant - und inzwischen eingebaut.

Gerücht Nummer 5: "Die Fassade ist viel dunkler geworden als geplant"


Das stimmt nicht. Die Fassade ist so wie sie eben ist. Von Anfang an war sie gläsern geplant. Glas wirkt von außen betrachtet immer dunkler als von innen. Für die Verwirrung um die UB-Farbe hat aber auch eine etwas verkorkste Computersimulation zu Beginn des Projekts geführt, die dann überall zu sehen war - auch in den Zeitungen. Die war deutlich heller. Nun heißt es: Sie ist dunkler als geplant. Richtig wäre: Das Simulationsbild war zu hell - und wurde zu schnell verbreitet.

Gerücht Nummer 6: "Die Rampe zur Fahrradtiefgarage ist zu schmal"


Das kann ich nicht bestätigen. Sicher ist die Abfahrt recht schmal. Aber ob sie konkret zu schmal ist, muss die Praxis zeigen. Ich frage mich, ob Studierende mit dem Fahrrad überhaupt nach oben fahren werden - oder eher schieben. Sicher ist: Im großen Pulk kommt man nicht hinunter - das war aber auch nicht so geplant.

Woher kommen diese Gerüchte?

Es wird natürlich viel geredet, besonders bei einem städtebaulich so wichtigen Objekt wie der neuen UB. Zusätzlich sind die Menschen etwas sensationslustig. Oder wie ihr Journalisten vielleicht sagen würdet: "Only bad news are good news". Man freut sich, schlauer gewesen zu sein als die Planer. Man freut sich, unter der Hand etwas erfahren zu haben, erzählt es leicht verfälscht weiter und zack: ein Gerücht.

Zusätzlich greifen viele der Gerüchtestreuer Einzelaspekte heraus - und kritisieren anhand derer die neue UB. Wenn man sie aber als Ganzes sieht, dann hat sie eine Funktion - und die wird sie ganz prächtig erfüllen. Nicht umsonst waren alle, denen ich bisher die UB von innen gezeigt habe, äußerst begeistert. Ein anderes Problem, das wir aber nicht nur hier bei uns, sondern auch bei der Elbphilharmonie in Hamburg oder dem BER in Berlin haben, ist die frühe Berichterstattung der Presse. Da werden bereits zu Baubeginn Fragen gestellt wie: "Wird es teurer werden?" "Wird es rechtzeitig fertig?" Dabei ist das Bauen keine fest planbare Sache, man muss zu jeder Zeit optimieren. Oder wie ich gerne sage: "Bauen ist ein Prozess!"

Zur Person

Karl-Heinz Bühler ist der Leiter des Universitäts-Bauamts. Als solcher ist er für den Umbau der Universitätsbibliothek Freiburg verantwortlich.

Mehr dazu:

[Foto: Collage - Rita Eggstein/Marius Buhl]