Was bringen Evaluationen?

Aljoscha Harmsen

Dass das Elite-Prädikat der Albert-Ludwigs-Universität zu einer hohen Qualität der Lehre verpflichtet, versteht sich von selbst. Was aber tut das Rektorat dafür? Evaluationen zum Beispiel. Wie sie funktionieren und was sie bewirken sollen, hat Aljoscha erfragt.



"Evaluation gibt es nicht erst seit der Einführung der Studiengebühren", sagt Felix Wittenzellner, bis vor kurzem für den u-AStA in der Senatskommission Qualitätssicherung/Qualitätsmanagement tätig. "Allerdings haben sich die Bemühungen seitdem verstärkt." Während lange Zeit Evaluationen auf Lehrveranstaltungen und Fachbereiche begrenzt waren, gibt es nun neue Ansätze.


So fand vor kurzem ein universitätsweites Studien-Qualitätsmonitoring statt, eine online-Befragung bei allen erreichbaren Studierenden. "Das war ein Pilotprojekt, mit dem wir feststellen wollten, wie die Studenten die Studienbedingungen an der Uni einschätzen", erklärt Iris Teicher, Mitarbeiterin in der Abteilung Qualitätsmanagement der zentralen Verwaltung.



"Die UB-Öffnungszeiten wurden kritisiert, und es gibt manchmal zu wenige  funktionierende Kopierer," sagt Teicher. "Aber für immerhin 96 Prozent ist die Uni Freiburg insgesamt ihre Traum-Uni." Geplant sei, diese gesamtuniversitäre Befragung regelmäßig durchzuführen.

Die Ergebnisse des Studien-Qualitätsmonitorings finden, laut Teicher, auch Berücksichtigung bei der Verteilung der Studiengebühren. "An dieser Stelle ist die Evaluation direkt mit den Mitteln verbunden, Mängel zu beheben."

Eine andere Form der Evaluation, die Teicher gerade auswertet, besteht in Stellungnahmen der Fakultäten. "Jede Fakultät ist verpflichtet, eine Stellungnahme über Defizite und entsprechende Verbesserungsvorschläge zu schreiben." Die Mängel, die hier auffallen, werden aufgelistet und dem 12er-Rat vorgelegt, der aus je einem Mitglied der elf Fakultäten und einem Vertreter des AStA besteht. Er berät aufgrund dieser Evalutionsauswertungen über die Verteilung der Studiengebühren mit dem Rektorat.



"Die Qualität dieser Stellungnahmen ist sehr unterschiedlich. Das hängt auch damit zusammen, dass die Evaluationssysteme unterschiedlich ausgereift sind." Das bisher überzeugendste Evaluationssystem gibt es an der Medizinischen Fakultät. Dort existiert eine eigens dafür eingerichtete Kommission, die die Ergebnisse der Evaluation als kleines Heft gedruckt veröffentlicht.

Die Evaluationsbeauftragte der medizinischen Fakultät Silke Biller erklärt das Konzept: "Wir evaluieren auf zwei Ebenen. Auf der einen Ebene werden die Lehrveranstaltungen evaluiert, wenn sie zu Ende sind, auf der anderen Ebene begleitet die Evaluation jede einzelne Sitzung einer Veranstaltung."

Diese zweite Ebene sei sehr effektiv, aber aufwändig. "Effektiv macht sie, dass die Studenten nicht in der letzten Sitzung evaluieren und dann die Veranstaltung nie wieder besuchen, sondern dass sie die Veranstaltung, zu der sie nächste Woche wieder gehen, verbessern können. Etwa die Hälfte der Fächer wendet sie bei Veranstaltungen an, die dadurch aber im Folgesemester auch tatsächlich deutlich besser werden. Zusätzlich verleiht die Fachschaft Preise für besonders gute Fächer."



Rund zehn Jahre Evaluationserfahrung geben den Medizinern mittlerweile Routine. Sie waren auch die Gruppe, die sich am stärksten am Studien-Qualitätsmonitoring beteiligt hat.

Neben diesen Einflussmöglichkeiten auf die Lehre gibt es für motivierte Dozenten auch selbst Chancen, etwas für die Qualität ihrer eigenen Veranstaltungen zu tun: Mit einem Besuch im Hochschuldidaktikzentrum (HDZ) der Uni. "Die Teilnahme für die Dozenten ist freiwillig, aber sie können bei uns nicht nur an Fortbildungsveranstaltungen teilnehmen", weiß Silke Weiß, Mitarbeiterin des HDZ (Bild unten). "Wir betreuen Lehrende, erarbeiten mit ihnen Fragebögen zur Evaluation, Studiengang-Konzepte oder helfen ihnen, den Arbeitsaufwand für ECTS-Punkte einzuschätzen.



Erfolge, die durch Evaluation und andere Maßnahmen entstehen, sind zum Beispiel spürbare Verbesserungen beim Lehrangebot, in der Seminargestaltung oder eine höhere Anzahl an Tutoraten. Letztlich entscheidet jedoch das Rektorat darüber, wo die Studiengebühren eingesetzt werden und es liegt in dessen Belieben, die Stimme der Studenten zu hören und einfließen zu lassen oder nicht.

"Den Studenten muss in Zukunft bei der Entscheidung über den Einsatz von Studiengebühren ein Mitentscheidungsrecht zugesprochen werden, nicht nur eine beratende Stimme", sagt Felix Wittenzellner. Er hofft, dass sich grundsätzlich die Möglichkeiten, die Universität mitzugestalten, verbessern. "Ich halte eine systematische Erhebung der studentischen Position für dringend notwendig, besonders auch vor dem Ziel einer verfassten Studierendenschaft."