fudder-Interview

Was beim Studiengang "Elektronische Komposition" auf dem Lehrplan steht

Stefan Mertlik

Der Komponist Alexander Grebtschenko und die Lehrbeauftragte Marie-Luise Calvero sprechen über das Fach Elektronische Komposition an der Hochschule für Musik – denn sie werden es unterrichten.

Kann man im neuen Studiengang lernen, wie man der nächste Sven Väth oder der nächste Karlheinz Stockhausen wird?

Grebtschenko: Wir legen sehr viel Wert auf eine persönliche Betreuung. Das heißt, was man werden will, ist jedem freigestellt. Es gibt keine ästhetische Richtung, in die wir nicht gehen. Die einzige Bedingung ist, dass es gut ist. Unsere Software- und Hardware-Ausstattung ist auf dem neusten Stand der Technik. Jede Idee ist hier also umsetzbar.
Calvero: Wir wollen die Ideen aber nicht nur mit elektronischen Elementen verbinden, sondern auch mit Menschen. Dadurch soll beispielsweise kinetische Kunst entstehen.

Wie sieht der Lehrplan für Elektronische Kompositionen aus?

Grebtschenko: Es müssen verschiedene Voraussetzungen wie die Grundlagen der Akustik, Programmieren oder die ästhetische Bildung erfüllt werden. Neben dieser künstlerischen Grundlagenforschung geht es aber auch um die Realisation. Das muss nicht zwingend ergebnisorientiert sein, aber wir arbeiten sehr realitätsnah.

"Wenn man Notenlesen nicht kann, bleiben einem viele Türen verschlossen." Alexander Grebtschenko

Wo sehen Sie Ihre Absolventinnen und Absolventen nach dem Studium?

Calvero: Es gibt viele Wege nach dem Studium. Ich mache zum Beispiel nebenher noch Live-Aufnahmen und helfe anderen Komponisten bei der Umsetzung von Klanginstallationen.
Grebtschenko: Wer einen Kompositionsstudiengang macht, weiß schon sehr genau, dass er Komponist werden will. Es geht letztlich aber auch ums Geldverdienen, weshalb viele Abgänger in die Produktion gehen. Mittlerweile werden viele Leute gesucht, die Noten lesen und Programmieren können.

Viele berühmte Elektromusiker können keine Noten lesen – oder sagen das zumindest. Ist das ein Hindernis für den Einstieg in den Studiengang?

Grebtschenko: Bestimmte Dinge sind und sollen eine Voraussetzung bleiben. Dazu gehört auch das Notenlesen. Wenn man das nicht kann, bleiben einem viele Türen verschlossen. Eigentlich wäre es undenkbar, dass jemand, der keine Noten lesen kann, hier studiert. Ich schaue mir aber alle Bewerber an und lasse mich natürlich auch von Außergewöhnlichem überzeugen.
Alexander Grebtschenko, Jahrgang 1975, ist seit 2014 Lehrbeauftragter im Fach Elektronische Musik an der Hochschule für Musik Freiburg – und seit 2019 auch Dozent für Elektronische Komposition.
Marie-Luise Calvero, Jahrgang 1990, ist seit 2019 Lehrbeauftragte im Fach Elektronische Komposition an der Hochschule für Musik Freiburg. 2017 machte sie ihren Abschluss in Freiburg im Fach Filmmusik.