"Was auch geschieht": Der (fast) vergessene SC-Fansong

Jan Wittenbrink

"Tief im Süden isch unser Platz": Das kann jeder mitsingen, der regelmäßig zum SC geht. Das Freiburger Stadion-Musikprogramm bilden "SC Freiburg vor", Badnerlied und Zombie Nation. Schon länger nicht mehr zu hören ist dagegen "Was auch geschieht" von "Blister". Dabei hat die Emmendinger Band 2006 den SC-Fansong-Cup gewonnen. Grund genug, fünf Jahre später mal nachzufragen, was aus Blister und ihrem SC-Song geworden ist.

Ja, doch, es muss diese Zeiten wohl gegeben haben. Zeiten, in denen es sicher nicht die Aussicht auf schönen Fußball war, die die SC-Fans ins Stadion trieb. Sang-und klanglos stieg Freiburg aus der Bundesliga ab, verlor 22 mal, im Pokal setzte es eine 0:7-Heimniederlage gegen Bayern München.


Vielleicht haben die Jungs von „Blister“ nach dem letzten Spieltag der Saison 2004/05 die Abschlusstabelle in der Hand gehalten und über die Leidensfähigkeit der Freiburger Fans sinniert. Wieder mal abgestiegen, wieder mal eine ungewisse Zukunft in der zweiten Liga vor Augen. Was soll's, seinem Verein bleibt man treu. Was auch geschieht. Und zur Not: Dreht man die Tabelle einfach um.

„Wenn wir mal nicht oben stehen, kann man die Tabelle drehen.“ „Und tut's auch manchmal weh – für uns ist das okay.“ Womöglich waren es Zeilen wie diese, die „Was auch geschieht“ im Frühjahr 2006 den Fansong-Cup des SC Freiburg gewinnen ließen. Steckte den Fans die Abstiegssaison noch in den Knochen? „Uns war wichtig, den Zusammenhalt der Fans auszudrücken, die zum SC stehen, egal was geschieht“, sagt Steffen Lüdecke, Saxophonist bei Blister. „Unser Song ist gerade auch dann passend, wenn's mal nicht so läuft."

Blister - Was auch geschieht

Quelle: YouTube
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Eine Bereicherung für das Unterhaltungsprogramm aus den Lautsprechern wünschte sich der SC Freiburg, als er vor über fünf Jahren Bands aus der Region dazu aufrief, Beiträge zum Fansong-Cup einzuschicken. Fan-Nostalgie, verpackt in ein paar Minuten Musik. Die neunköpfige Ska-Band „Blister“ aus Emmendingen ließ sich das nicht zwei mal sagen. Selbst häufig im Stadion anzutreffen, schrieben die Musiker einen neuen Text für einen alten Song, arrangierten diesen am Computer um. Der Sound: Getragene Bläsermelodie, Offbeat-Rhythmen. Das klingt nach Sommer.

Dreisamstadion, Sonne, Ska: Vielleicht war es ja auch diese Kombination, die Blister zum Sieg verholfen hat. Der Text stieß nämlich unter den Fans nicht nur auf Gegenliebe. „Manchen hat es wohl nicht gefallen, dass er eher die schmerzvollen Fan-Momente thematisiert“, sagt Steffen Lüdecke. Unter den Stadionbesuchern stieß der Wettbewerb ganz generell nicht auf großes Interesse. „Von 12 000 Zuschauern haben nur ein paar Hundert abgestimmt. Entschieden wurde der Cup im Internetvoting.“ Am Ende machte der Ska-Song aus Emmendingen jedenfalls das Rennen, wurde von nun an vor und nach dem Spiel gespielt.

Schlagzeuger Christoph Roth war in der Saison 2010/11 nur einmal im Stadion. Seinen Song hat er nicht gehört. Aus den Lautsprechern tönt seit 2008 die Stimme von Mo Idrissou, dazu gibt es Bilder der hüpfenden und radfahrenden Profis. „Es ist natürlich schade, dass unser Lied nicht mehr gespielt wird“, sagt Christoph. Er kann aber nachvollziehen, dass „SC Freiburg vor“ besser ankommt. „Der ist wunderbar: Schnell, lässt sich gut mitsingen, dazu Heiko Butscher am Schlagzeug.“

Auch die Dialekt-Komponente gefällt ihm, „das haben wir vielleicht versäumt“. Der Kontakt zum SC sei mittlerweile abgebrochen, was auch daran liege, dass dort heute ganz andere Leute das Sagen hätten als noch 2006. Das erklärt wohl auch, warum erst ein aufwendiger Contest veranstaltet wurde, um dann nur 2 Jahre später einen eigenen Song zu produzieren. „Das Ganze hat für uns dann doch etwas sang- und klanglos geendet.“

SC Freiburg vor, immer wieder vor!

Quelle: YouTube
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Ursprünglich sollte "Was auch geschieht"zum festen Programmpunkt des Stadionnachmittags werden; zudem war geplant, passende Fanschals mit der Aufschrift „Was auch geschieht“ ins Sortiment aufzunehmen. Vertraglich wurde der Band bis auf eine gewisse Beteiligung an CD-Verkäufen aber nichts zugesichert.

Gelohnt hat sich die Teilnahme trotzdem. Steffen muss grinsen, wenn er an den Cup zurückdenkt. „Ich wollte schon immer mal auf dem Spielfeld einen Pokal in die Höhe stemmen!“ Auch auf der SC-Ersatzbank zu sitzen oder vor Tausenden Fans im Stadion zu spielen sei eine Erfahrung gewesen. Ein Erinnerungsstück hat die Band noch zuhause: Ein von Achim Stocker unterschriebener Vertrag.

Blister spielen heute nur noch selten zusammen, neun Mitglieder sind nicht leicht unter einen Hut zu kriegen. Ihren Fansong haben sie auch erst einmal live gespielt, als Zugabe. „Er gefällt uns aber nach wie vor gut“, sagt Steffen. Wer weiß: Vielleicht findet „Was auch geschieht“ ja nochmal den Weg zurück ins Dreisamstadion. Spätestens dann, wenn man die Tabelle mal wieder am liebsten einfach umdrehen würde.

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  [Bild: Blister, 2006]