Streit

Warum verbietet das Freiburger Keidel-Bad Burkinis?

Daniel Laufer

Das Freiburger Keidel-Bad verbietet seinen Besucherinnen Burkinis. Der Betreiber des Thermalbads spricht von hygienischen Problemen, eine Besucherin von Diskriminierung.

"Sie dürfen mit Straßenkleidung nicht ins Wasser." Die Bademeisterin sei an den Beckenrand getreten und habe sie angesprochen. Abir Al Kilani berichtet von dem Vorfall am Pfingstmontag. Seit Jahren geht die 53-Jährige ins Keidel-Bad, seit Jahren trägt sie dabei einen Burkini. An der Kasse hielt das Personal zeitgleich Kilanis ägyptische Freundin auf. Sie durfte gar nicht erst ins Wasser – aus demselben Grund.

"Man weiß, wie ein Burkini getragen wird. Dass da eben auch mal Unterwäsche drunter ist."Oliver Heintz, Geschäftsleiter des Keidel-Bads

Im Dezember hat das Keidel-Bad seine Badeordnung geändert. Unterzeichnet hat sie auch Geschäftsleiter Oliver Heintz. Er sagt, Besucher hätten sich beschwert. "Man weiß, wie ein Burkini getragen wird. Dass da eben auch mal Unterwäsche drunter ist. In der Branche ist das bekannt. Außerdem wird mit Burkinis mehr Wasser aus dem Beckenbereich getragen."

Frauen, die muslimisch aussähen, würden nun an der Kasse angesprochen. Wer bereits im Becken sei, dürfe immerhin noch fertig baden. "Man fährt hier keinen Radikalkurs, sondern versucht das mehr über Aufklärung zu machen."

Anderswo sind Burkinis erlaubt

Dass es auch andere Möglichkeiten gibt, mit Burkinis umzugehen, zeigt zum Beispiel das Thermalbad Aukammtal in Wiesbaden. Laut Badeordnung sind sie dort explizit erlaubt. "Wir haben das aufgenommen, um Beschwerden von anderen Gästen vorzubeugen", sagt Betriebsleiter Thomas Baum. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Burkini-Trägerinnen bei der Hygiene keinen Unterschied zu anderen Badegästen machen."

Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen hat eine Musterbadeordnung herausgegeben. Die sieht vor: Burkinis gelten als Badekleidung – solange sie aus dem gleichen Stoff sind wie etwa Badeanzüge, in der Regel Polyester und Elastan.

Gute Gründe, Burkinis zu verbieten, gebe es für Badbetreiber nicht. "Ich habe noch von keinem gehört, der gesagt hat: Mensch, das ist ja blöd mit diesen Burkinis – die haben alle noch was drunter!", sagt Joachim Heuser, Sprecher des Verbandes. Und selbst wenn doch jemand mit der Unterwäsche ins Becken gehe: "Die Wasseraufbereitung in deutschen Bädern ist so hervorragend, dass das kein Problem sein sollte."

Auch von dem Argument, durch Burkinis werde zu viel Wasser aus dem Becken getragen, hält Heuser nichts. "Pro Badegast muss der Betreiber 30 Liter Frischwasser hinzuführen. Diese Menge wird der Gast aber kaum raustragen können."

"Ich fühle mich diskriminiert!"Abir Al Kilani
Für Heuser ist die Sache klar: Wer Burkinis verbietet, schließt religiöse Frauen muslimischen Glaubens aus. "Sie sollen aber auch Schwimmen lernen können, das gehört zur Integration." Keidel-Bad-Geschäftsleiter Oliver Heintz verteidigt sich. "Es geht nicht um ausländerfeindliche Dinge oder Diskriminierung."

"Ich fühle mich aber diskriminiert!", sagt Abir Al Kilani. "Es ist meine persönliche Entscheidung, ob ich meinen Körper zeigen will oder nicht. Das darf niemanden stören." Kilani ist in Palästina und Jordanien aufgewachsen. In Deutschland lebt sie seit 21 Jahren, hat auch die deutsche Staatsbürgerschaft. "Wenn ich mich in meinem Land nicht frei fühle: Wo soll ich dann hingehen?"

Betreiberfirma des Keidel-Bads ist die Freiburger Stadtbau GmbH, eine Tochtergesellschaft der Stadt. Rathaussprecher Toni Klein verteidigt die umstrittene Badeordnung. "Wenn der Betreiber eines Bades sagt, dass ein Verzicht auf Burkinis aus hygienischen und ökologischen Gründen sinnvoll ist, sieht die Stadtverwaltung darin keine Diskriminierung."

Auf BZ-Anfrage lässt der für das Thema Migration zuständige Bürgermeister Ulrich von Kirchbach knapp ausrichten: "Die Bäder haben Regeln und Vorschriften, die alle Besucherinnen und Besucher einhalten müssen. Wo ein Burkini erlaubt ist, kann er gerne getragen werden."

Widersprüchliche Regeln in Stadtbau-Bädern?

Es gibt tatsächlich Orte in Freiburg, an denen Burkinis erlaubt sind. Etwa im Strandbad, im Lorettobad oder im Westbad, grundsätzlich in allen Bädern, die von der Regio Bäder GmbH betrieben werden. Die gehört der Freiburger Stadtbau und hat denselben Geschäftsleiter wie das Keidel-Bad: Oliver Heintz. Warum sollten Burkinis in den Hallen- und Freibädern erlaubt sein, im Thermalbad aber nicht? Heintz’ Erklärung: "Wenn wir von Hygiene reden, spielt natürlich auch die Wassertemperatur eine Rolle."

Doch die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen widerspricht ihm auch hier. "Die Wassertemperatur spielt bei der Hygiene aus unserer Sicht keine Rolle", sagt Sprecher Heuser. In einem Bad in Konstanz wurde vor etwa drei Jahren einer muslimischen Frau verboten, einen Burkini zu tragen. Sie drohte, dagegen zu klagen. Am Ende schaffte der Gemeinderat das Burkini-Verbot ab.

Zuvor hatte der Betreiber, ähnlich wie in Freiburg ein Tochterunternehmen der Stadt, ein kulturwissenschaftliches Gutachten in Auftrag gegeben. Dessen Verfasser Özkan Ezli schrieb: Der Burkini ermögliche "mehr Partizipation" und "Kontakte unterschiedlicher Lebensauffassungen". Ob in Konstanz, in Wiesbaden oder in Freiburg: Es gibt nur sehr wenige Frauen, die im Burkini baden. "Wir haben da nicht so die Nachfrage", sagt Heintz. Von wie vielen er wisse? "Vielleicht drei."