Warum überhaupt promovieren? 5 Antworten eines Freiburger Doktoranden

Manuel Lorenz

Seit Guttenberg fragt sich alle Welt: Warum überhaupt promovieren? Bessere Berufschancen? Sozialprestige? Spaß an der Freude? Wir haben den Freiburger Doktoranden Werner Schäfke gefragt, warum er eine Dissertation schreibt.

Wolltest du schon immer promovieren?


Als ich als 10-Jähriger mit meinem Vater in Venedig war, fragte ich ihn, ob wir in die Bibliothek aus dem dritten Teil von Indiana Jones gehen könnten. Er antwortete, da käme man nur als Forscher rein. Von da an war mir klar, was ich mal werden wollte.

Dass ich mir überhaupt recht früh Gedanken über so was gemacht habe, liegt einerseits wahrscheinlich daran, dass ich aus einer Akademikerfamilie komme. Leider ist das bei den meisten Doktoranden so – ich würde mir wünschen, dass auch Menschen mit einem anderen Bildungshintergrund sich dies zutrauen würden. Andererseits hatte ich durch Filme wie Indiana Jones oder Zurück in die Zukunft schon immer ein sehr heroisiertes Bild des Wissenschaftlers.

Wenn du auf einer Party erwähnst, dass du im Fach Skandinavistik promovierst: Wie sind da die Reaktionen?

Entweder: Skandina-waaas? Wenn ich dann aber ein bisschen erzähle, finden’s alle immer ganz schön und interessant und wundern sich, dass man so was überhaupt studieren kann. Mit der Zeit habe ich mir auch eine möglichst prägnante Antwort zurechtgelegt: Skandinavistik ist Anglistik nur mit skandinavischen Sprachen. Manchmal wird dann noch nachgefragt, manchmal nicht – das hängt ganz von meinem Gegenüber ab.

Womit genau beschäftigst du dich in deiner Doktorarbeit?

Ich untersuche die Werte und Verhaltensnormen in mittelalterlichen isländischen Ritterromanen. Bei den Romanen beziehungsweise. Sagas handelt es sich um die Bósa saga, die Samsons saga fagra und die Ectors saga. Dabei bediene ich mich der strukturalen Textanalyse, das heißt: eine auf Aussagenlogik beruhende Art der Textanalyse.

Wie sieht ein ganz normaler Tag in deinem Leben aus?

Als Stipendiat habe ich außer meiner Dissertation keine konkreten Arbeitsverpflichtungen. Ich versuche halt irgendwie möglichst acht Stunden am Tag daran zu sitzen. Prinzipiell plane ich aber jeden Tag neu – wodurch man vollständig das Gefühl von Arbeit- vs. Freizeit verliert. Man lebt in einer Art Forscher-Bohème, einem Wissenschafts-Limbus. Ich kann meinen Arbeitsrhythmus selbst bestimmen, wodurch ich für Außenstehende extrem faul wirke. Dabei arbeite ich genauso viel wie alle anderen, nur eben etwas später bzw. verschoben, was halt gesellschaftlich nicht akzeptiert ist.

Nach dem Aufstehen fahre ich meinen Computer hoch, mache mir Kaffee und setze mich sofort an die Arbeit. Entweder lese ich dann, oder ich schreibe – das passiert bei mir immer phasenweise, das heißt: Mal lese ich ein paar Tage oder Wochen lang, dann schreibe ich wieder. Durch die zeitliche Flexibilität kann ich aber auch mal Freunde in anderen Städten besuchen oder einfach mal zwei, drei Tage nichts tun. Tagsüber treffe ich mich zwischendurch gerne mit Kollegen auf einen Kaffee.

Die klassische Frage: Und was machst du dann damit?

Allgemein muss gesagt werden, dass der Doktorgrad für viele Karrieren ja eher hinderlich ist. Man bekommt durch ihn nicht unbedingt mehr Berufsmöglichkeiten, mehr Geld oder höhere Posten. Andererseits öffnet er einem halt Türen, die sonst verschlossen blieben, zum Beispiel im Wissenschaftsmanagement. In der Skandinavistik sind die Aussichten ungefähr dieselben wie in allen anderen Geisteswissenschaften – wobei die Skandinavistik als Nischenfach vielleicht noch ein wenig heraussteht. Skandinavisten kommen nachher zum Beispiel gut in der freien Wirtschaft unter; was mich selbst angeht, strebe ich eine Uni-Karriere an.

Zur Person

Werner Schäfke, 27, ist seit 2008 Stipendiat im Promotionskolleg "Lern- und Lebensräume: Kloster, Hof, Universität. Komparatistische Mediävistik 500–1600" der Universität Freiburg. Der (Arbeits-)Titel seiner Doktorarbeit im Fach Skandinavistik lautet: „Wertesysteme und Raumsemantik in den isländischen Märchen- und Abenteuersagas“.

   

Werner Schäfke - 1. Platz beim 2. Freiburger Science Slam - 17.01.2011

Quelle: YouTube
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Mehr dazu:

[Bild: Werner Schäfke]