Warum stinken Ginkgobäume?

Anna-Lena Zehendner

Er ist Baum des Jahrtausends. Einst wurde er von holländischen Seefahrern nach Europa gebracht. Seine Blätter sehen aus wie kleine, grüne Herzen. Doch der Ginkgobaum stinkt auch zur Zeit wieder penetrant nach Erbrochenem. Warum?



Mein allmorgendlicher Arbeitsweg führt an der Deutschen Bank vorbei. Fast immer, wenn ich dort an der Ampel am Rotteckring stehe, stinkt es nach Erbrochenem. Lange hatte ich das Klientel aus dem Colombipark unter Verdacht. Vielleicht hatten sie die Stelle vor der Deutschen Bank gezielt als ihre "Entleerungs-Area" auserwählt?


Irgendwann erzählte mir aber jemand, dass Ginkgobäume für den üblen Geruch verantwortlich seien. Tatsächlich ist die Deutsche Bank umgeben von den chinesischen Ziergewächsen. Ich schämte mich für meine dümmlichen Verdächtigungen.

Aber warum riechen diese Bäume nach Kotze? "Es sind nur die weiblichen Ginkos, die so riechen", sagt Stephan Windhorst von der Stadtgärtnerei Freiburg. "Daher werden sie eigentlich gar nicht in Europa verkauft. Aber ab und zu schmuggelt sich eben doch eine weibliche Pflanze dazwischen."



Genauer gesagt sind es die kleinen, mirabellenähnlichen Früchte der weiblichen Ginkgos. Sie geben während ihrer Reifung, die im Herbst abgeschlossen ist, einen Geruch nach Buttersäure – oder eben Erbrochenem – ab.



Es muss sich also ein Weibchen in die Ginkgoreihe vor der Deutschen Bank geschmuggelt haben. Immerhin können Ginkgos bis zu 1000 Jahre und älter werden. Übrigens, wo steht Eurer Meinung nach Freiburgs übelstriechender Ginkgo? Favorit der fudder-Redaktion: An der Günterstalstraße, gegenüber der Sparkasse.

[Fotos: Anna-Lena Zehendner, Carolin Buchheim]

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