Tierschutz

Warum sich diese Freiburger einmal im Monat vor dem Schlachthof von Tieren verabschieden

Gina Kutkat

Am Freitagmorgen haben rund 30 Mitglieder der Tierrechtsorganisation Freiburg Animal Save vor dem Schlachthof Freiburg eine fünfstündige Mahnwache gehalten. Dort hielten sie Transporter an, um sich von den Tieren zu verabschieden.

"Keinen Hass den Fahrern – wir sind hier für die Tiere". Die Mitglieder von Freiburg Animal Save tragen Schilder und Warnwesten. Sie haben sich am Freitagmorgen zum zweiten Mal in der Tullastraße vor dem Schlachthof versammelt, um ein Vigil abzuhalten. Dabei handelt es sich um eine Mahnwache, mit der gegen das Schachten und den Fleischkonsum demonstriert wird.


Ein Transporter rollt um 9 Uhr an, er bringt Kühe aus Mulhouse zum Schlachten. Die Tierschützer sprechen mit dem Fahrer und dieser öffnet kurz darauf die Beschläge an der LKW-Außenseite. Mehrere Kühe strecken ihre Schnauzen hinaus. Rund zwei Minuten haben die Demonstrierenden nun Zeit, sich den Tieren zu nähern sowie Foto- und Videoaufnahmen zu machen – dann fährt der Fahrer weiter Richtung Schlachthaus.

Die Auflagen für die angemeldete Aktion sind hoch

Der Protest läuft friedlich und mit Genehmigung ab, das ist den Organisatoren das Wichtigste. "Wir möchten niemanden anfeinden und vor allem die Tiere nicht stressen", sagt Karin Käfer aus dem Orga-Team von Freiburg Animal Save. Wie alle anderen Mitglieder ist sie überzeugte Veganerin und an diesem Morgen seit 5.45 Uhr hier.

Etwa alle Minute rollt ein Transporter an, der neue Tiere abliefert. "Es geht darum, Haltung zu zeigen und andere Leute dazu zu bringen, genauer hinzusehen", sagt Käfer. Zum Konzept der Schlachthof-Mahnwache gehört außerdem, die Tiere im Innenraum zu fotografieren und die Aufnahmen in den sozialen Medien zu teilen. "Damit die Leute merken, das so etwas auch vor ihrer Haustür, hier in Freiburg passiert", sagt Käfer.

"Wenn etwas passiert, stehen weitere Vigils auf der Kippe" Karin Käfer, Animal Save

Die Auflagen für ihre angemeldete Demonstration sind hoch und die Mahnwache wird von mehreren Polizisten begleitet. "Wir dürfen zum Beispiel nicht in den Innenraum der Transporter greifen", sagt Käfer. Die Sicherheit der Mitglieder stehe im Vordergrund, "denn wenn etwas passiert, stehen weitere Vigils auf der Kippe."

Die Ortsgruppe Freiburg Animal Save hat sich im April 2018 gegründet, es handelt sich dabei um die regionale Gruppe des weltweit aktiven Netzwerks "The Save Movement". Neben 330 Regionalgruppen in Kanada, USA, Großbritannien, Australien, Asien und Südafrika sind in Deutschland 16 Save-Gruppen aktiv.

Die Veranstalter wollen Bewusstsein schaffen für die Notlage der Tiere

Anabel Bieg ist zum ersten Mal bei einer Mahnwache dabei. "Es ist einfach etwas komplett anderes, die Tiere kurz vor ihrem Tod noch live zu sehen", sagt die 20-jährige angehende Studentin. Sie lebt seit einem Jahr vegan und interessiert sich schon lange für Themen wie Tierrecht und Ökologie. "Den Tieren in die Augen zu schauen und zu wissen, dass sie bald bei jemandem auf dem Teller liegen, ist sehr komisch."

Freiburg Animal Save möchte mit den monatlichen Mahnwachen ein öffentliches Bewusstsein schaffen und auf die Notlage der Tiere hinweisen. "Außerdem stehen wir den Tieren in ihren letzten Minuten mit Liebe zur Seite", so Käfer. "Wenn wir nur eine Person dazu bringen, ihren Fleischkonsum zu überdenken, ist das ein gutes Ergebnis."