Warum schließt das Basler Presswerk?

Bernhard Amelung

Die Partyreihe "Gelbes Billett" im Basler Presswerk gehört mit gutem Booking und Industriecharme zu den Ausgehhighlights der Regio. Ende des Jahres soll das Presswerk schließen. Warum? Presswerkchef Andreas Dinten gibt uns Antworten, dazu liefern wir die letzten Termine vom "Billett".



Andreas, das Presswerk schließt Ende des Jahres. Warum?

Wir haben uns von Anfang an einen Zeithorizont von zehn Jahren fürs Presswerk gesetzt, auch wenn das zu Beginn im Jahr 2001 noch völlig utopisch erschien. Nun ist es so weit. Wir wollten unsere Vision von Club und Techno verwirklichen und das ist uns gelungen. Man soll dann aufhören, wenn es am schönsten ist.

Es wird auch kolportiert, dass Anwohner, die sich nachts über Lärm aus dem Presswerk beschwert hätten, mitverantwortlich seien für die Schließung. Stimmt das?

Nein. Unsere lieben Anwohner waren im Großen und Ganzen sehr tolerant. Bis auf zwei, die aber nicht im Verhältnis standen zu den anderen 38 Anwohnern. Mit diesen beiden gab es einige Diskussionen. Wir konnten sie aber immer wieder besänftigen. Manchmal braucht es eine gewisse Aufmerksamkeit gegenüber vereinsamten Seelen.

Die Veranstaltungsreihe „Gelbes Billett“ hat sich über die Jahre hinweg zu einer Top-Adresse in Sachen elektronischer Clubmusik entwickelt. Was bedeutet ihr Ende aus deiner Sicht für die Kultur- und Feierlandschaft der Stadt Basel?

Oh, danke! Wir denken, das Angebot in Basel ist inzwischen so groß, dass es hinsichtlich guter Musik und internationalen Künstlern an nichts fehlen wird. Einzig: Es war immer diese elektrisierende Intensität, die für uns die Seele des Clubs ausgemacht hat. Die monatliche Dosis davon wird uns auf jeden Fall fehlen.



Was sagen die Kulturpolitiker dazu?

Nichts.

Welche Unterstützung hat das Presswerk und das „Gelbe Billett“ durch die Kulturpolitik erfahren?

Keine.

Wie hat sich das „Gelbe Billett“ im Laufe der Zeit gewandelt? Was ist der Unterschied zu früher?

Das Publikum wandelte sich. In zehn Jahren haben wir rund drei Generationen an Clubgängern durchgemacht. Als das Presswerk losging, war der damalig werdende Clubgänger zehn Jahre alt. Heute, mit 20 Jahren, darf er endlich auch zu uns zum Tanzen kommen.

Wie entwickelten sich die Besucherzahlen?

Bereits bei der ersten Elektronik-Nacht erschienen 149 Leute, bald stieg die Besucherzahl auf mehr als 600. Das sollte die Regel werden. Andere Clubs und Konzertreihen in der Region kamen und gingen, das Presswerk und unser Label «Gelbes Billett» blieben.



Warum?

Ein Grund für den Erfolg ist die Struktur: Wir besorgen alles selber, vom Getränkeeinkauf über Reparaturen und Putzarbeiten bis zum Programm. Der Club wurde zur Vollzeit-Aufgabe, wir steckten unsere ganze Leidenschaft rein und wurden in den vergangenen Jahren dafür belohnt, indem wir unsere ursprünglichen Berufe aufgaben und mit dem Presswerk unseren Unterhalt verdienen konnten. Langweilig wurde es uns bis heute nicht: Wir nahmen vom Empfang bis zum Interieur und der Musikanlage immer wieder Verbesserungen vor, verhandelten mit Anwohnern und Agenturen. Zugleich wichen wir nie von unserem Konzept ab: Ein Anlass pro Monat soll es sein, bewusst programmiert, mit ausgesuchter, tanzbarer, elektronischer Musik.

Mit welchen Gefühlen verabschiedet ihr euch?

Von jetzt an bringt uns jede Party dem Ende einen Schritt näher, da kommt sicher der eine oder andere wehmütige Augenblick auf uns zu. Wir wollen aber noch einmal unvergessliche Tanznächte realisieren und die letzten Presswerk-Monate genießen. Was danach kommt, planen wir erst, wenn es soweit ist.

Die letzten Presswerk Dates

 
  • Samstag, 25. September 2010 mit Gaiser (live) (M_nus), Herzschwester (Basel), Chris Air
  • Samstag, 30. Oktober 2010 mit Chris Tietjen (Cocoon)
  • Samstag, 27. November 2010 mit u.a. Ray Okpara (Deep Vibes, Oslo, Cécille)

Mehr dazu: