Ride of Silence

Warum Radfahrer in Freiburg bald schweigend durch die Stadt fahren

Felix Klingel

Mit einer Schweigefahrt, dem Ride of Silence, wollen Radfahrer in Freiburg den getöteten Fahrradfahrern gedenken. Außerdem wollen sie auf die Verkehrssituation in Freiburg aufmerksam machen. fudder hat mit Teilnehmer Lukas gesprochen.

Lukas, um was geht es beim Ride of Silence?

Wir machen eine Schweigefahrt für alle Fahrradfahrer, die im Straßenverkehr getötet wurden. In Freiburg fahren wir dabei insgesamt drei Ghost Bikes an. Zwei davon stehen bereits in Freiburg, ein weiteres wollen wir noch aufstellen.

Was sind Ghost Bikes?

Das sind normale Fahrräder, die weiß angemalt und an Orten angekettet sind, an denen tödliche Unfälle mit Fahrradfahrern geschehen sind. Eines steht bei der Schnewlinbrücke, ein weiteres draußen bei Ikea an der Hermann-Mitsch-Straße. Und das dritte wollen wir in Gundelfingen beim Real aufstellen. Dort ist dieses Jahr ein Radfahrer von einer Straßenbahn tödlich verletzt worden.

Was ist deine Motivation, beim Ride of Silence mitzufahren?

Einerseits geht es darum, den verstorbenen Radfahrern zu gedenken. Andererseits will ich auf die eigentlich immer noch schlechten Zustände der Radinfrastruktur in Freiburg aufmerksam machen. Je öfter so eine große Gruppe unterwegs ist, umso mehr Aufmerksamkeit bekommt das Thema. Darum bin ich auch schon öfter bei der Fahrradaktion Critical Mass mitgefahren.
Critical Mass nennt sich eine weltweite Bewegung, die auf die Belange der Fahrradfahrer aufmerksam machen will. Mit einer großen Massen an Radlern soll die Sichtbarkeit für den Radverkehr erhöht werden. In Deutschland können mehr als 15 Radfahrer nach der Straßenverkehrsordnung einen geschlossenen Verband bilden. Es gilt dann keine Radfahrwegbenutzungspflicht mehr, dafür gelten die Straßenregeln wie für ein einzelnes Fahrzeug. Ein solcher Konvoi darf etwa auch bei Rot über die Ampel fahren, solange der Anfang des Konvois noch bei Grün gefahren ist.



Wo sind die Problemstellen für Fahrradfahrer in Freiburg?

Ein Beispiel ist der Radweg FRB1. Der war wegen des Umbaus an der Kronenbrücke ja lange unterbrochen, dann sechs Monate offen und jetzt schon wieder unterbrochen, weil am Stauwehr gebaut wird. Und das mit einer riesengroßen Umleitung – das macht keinen Sinn. Oder an der Schnewlinbrücke, dort wird der Fahrradstreifen vom Bahnhof her kommend 80 Zentimeter schmal direkt an einer vierspurigen Schnellstraße. Für Leute mit Kinderwagen am Fahrrad der absolute Horror. Ebenso problematisch ist etwa die Stefan-Meier-Straße. Dort verläuft der Radweg in der "Dooring-Zone", also an parkenden Autos vorbei, wo die Gefahr groß ist, in eine sich öffnende Autotür zu fahren.

Was sind die Reaktionen der Autofahrer, wenn ihr im Fahrrad-Konvoi bei der Critical Mass durch die Stadt fahrt?

Das kommt darauf an. Ganz am Anfang waren es noch relativ kleine Gruppen, also zwischen 30 und 50 Radler. Das stieß meist noch auf Unverständnis und es war ein ziemliches Gehupe. Seitdem jetzt die Fridays-for-Future-Leute mitfahren bis zu 180 Leute. Das ist sicher nervig für Autofahrer, aber hupen traut sich dann keiner mehr.
Was: Ride of Silence
Wann: Mittwoch, den 15. Mai, 18 Uhr
Wo: Startpunkt ist am Stadttheater Freiburg

Die Fahrt dauert ungefähr eine Stunde und läuft entlang der Ghostbikes, die in Freiburg aufgestellt sind. Der Ride of Silence ist ein weltweiter Aktionstag, der in vielen Städten stattfindet.

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