Warum Partys und Konzerte kosten, was sie kosten

Jan Wittenbrink

Die Freiburger Konzert- und Partyszene wird zur Zeit heißer diskutiert denn je. Wie ist es, in Freiburg Konzerte zu spielen, Konzerte zu veranstalten oder Partys zu organisieren? Wir möchten Bands, DJs und Veranstalter aus Freiburg und Region zu Wort kommen lassen, um der hiesigen Szene auf den Zahn zu fühlen. Heute: Vier Veranstalter erklären, was für Kosten in einer Party beziehungsweise einem Konzert stecken.

"Partys kosten auch immer mehr!" - "Warum ist das Konzert eigentlich so teuer, die Band kennt doch keiner!" Party- und Konzertbesucher haben oft wenig Verständnis für teure Eintrittspreise. Wir haben vier Veranstalter aus Freiburg und Umgebung gefragt, was es bedeutet, eine Party oder ein Konzert auf die Beine zu stellen und welche Kosten wirklich darin stecken. Außerdem erinnern sie sich, welche ihrer Veranstaltungen ein voller Erfolg war und welche eher nicht.  


Damian Domin vom Universal D.O.G. (Lahr)

 


"Eine Kalkulation sieht ganz grob so aus: Der Künstler XY kostet zum Beispiel 10.000 Euro netto, dazu kommt eine Booking-Gebühr von 0 bis 20 Prozent. Die Reisekosten können 100 Euro betragen, wenn der Künstler aus Frankfurt kommt, aber auch 2500 Euro, wenn er aus den USA kommt und fünf Leute mitbringt.

Dazu kommt der lokale Transport zwischen Hotel und Veranstaltungsort, und der Preis für das Hotel selbst, je nach Klasse und Personenzahl, zwischen 70 und 250 Euro. Das Catering kostet bei zehn Personen zwischen 250 und 400 Euro. Sonderwünsche des Künstlers wie PlayStation, Vaseline oder Kaugummis müssen auch beachtet werden.

Ein wichtiger Punkt ist die Werbung. Ihre Gestaltung kostet zwischen 50 und 180 Euro, der Druck von 5000 Flyern mindestens 50 Euro, von 250 Plakaten mindestens 180 Euro. Das Verteilen der Flyer kostet auch noch mal 250 Euro. Das Plakatieren muss für 150 bis 300 Euro genehmigt werden. Hinzu kommt Radiowerbung für mindestens 300 Euro. Anzeigen in Zeitungen und Magazinen können bis zu 800 Euro kosten.

Dann muss GEMA-Gebühr gezahlt werden: Diese hängt vom Abendkassenpreis und der Quadratmeterzahl ab und kann mehrere hundert Euro betragen. Die Kosten für PA und Technik können zwischen 200 und 4000 Euro betragen. Hohe Kosten entstehen immer dann, wenn Technik gefordert wird, die nicht im Haus ist.

Es kommt auch immer wieder zu Anschaffungen, weil jeder DJ und jede Band die neusten Produkte haben will. Kalkuliert wird immer netto: Manche Künstler rechnen mit 7, andere mit 19 Prozent. Es ist auch so, dass zum Beispiel von 20 Euro Vorverkaufspreis aufgrund von Gebühren nur circa 17 Euro beim Veranstalter bleiben.

Die ganze Kalkulation hat schon oft nicht funktioniert, meistens dann, wenn es das erste Mal nachts sehr warm wurde und fast immer beim ersten Schnee oder Glatteis. Aber Gott sei Dank kam es auch schon vor, dass es besonders gut funktioniert hat. Es ist aber wirklich wie Roulette ... Faktoren sind zum Beispiel Wetter, Künstler, Location, Preis und das Gesamtkonzept."

Christoph Gersch (DJ Funkmessiah)

 


"Die Freiburger würden am liebsten einen Superstar-DJ oder Musiker sehen und dafür maximal 3 Euro ausgeben – Freibier wäre auch nicht schlecht. Nee, Spaß beiseite: Mir ist schon klar, dass der Otto Normalpartybesucher nicht weiß, was alles so an Kosten hinter einer Party oder einem Konzert stecken.

Eine Party verursacht schon enorme Kosten wie zum Beispiel DJ-Gagen, Hotels, Flüge oder Bahntickets, Werbung (Print und Online), Saalmieten, Technik (Ton und Licht) und so weiter. Für Konzerte muss man außerdem oft noch zusätzliche Technik mieten, die GEMA-Gebühr wird teurer und vor allem bestehen Bands meist aus mehreren Mitgliedern, die alle ein Flug- oder Bahnticket, Zimmer sowie Essen und Trinken brauchen.

Wen ich buche, entscheide ich meistens aus dem Bauch heraus. Die Ideen hierzu habe ich manchmal im Auto, unter der Dusche - ganz unterschiedlich. Im Prinzip sind das dann auch Bookings aus Leidenschaft, weil ich die DJss oder Musiker selber gerne sehen und hören will - wobei es hierbei natürlich schon Grenzen gibt.

Man hat ja oft auch Vorgaben, wie zum Beispiel das Fassungsvermögen eines Clubs, an die man sich halten muss. Je kleiner der Laden, desto mehr Eintritt pro Person muss man für ein teures Booking nehmen, da man die Kosten ja durch weniger Gäste teilen kann. Die Diskussion über die Eintrittspreise habe ich früher oft persönlich genommen. Mittlerweile denke ich, dass man für qualitativ hochwertige Veranstaltungen auch einen angemessenen Eintrittspreis verlangen kann.

Wann meine Kalkulation mal nicht funktioniert hat? Damals, bei DJ Marc Hype aus Berlin im Mon Minou (jetzt Harmonie-Keller). Da war der Laden zwar gut gefüllt, aber wir sind trotzdem mit einem geringen Minus aus der Veranstaltung rausgegangen. Sowas gibt's halt auch mal. Ich denke, das Problem lag daran, dass ich die Location nicht gut genug kannte und somit nicht genau wusste, welche und wie viele Leute da rein gehen.

Gerne erinnere ich mich dagegen an das „4 Jahre Erntefunk“ mit DJ Rick Ski 2008 im E-Werk. Ich denke, dass das damals auch deshalb so gut lief, weil wir erstens die Unterstützung von fudder hatten und zweitens der DJ beziehungsweise dessen Band (LSD) damals gerade auf Spiegel-Online als die Erfinder des Sample basierten Hiphops beschrieben worden waren. Aber es kann auch sein, dass die Leute einfach da waren, weil an dem Abend nicht viel anderes war – man steckt da nie vollkommen drin. Man kann nur sein bestes geben und alles tun, damit es möglichst viele Leute mitbekommen ..."

Deniz Binay von Sinnestäuschung Eventmanagement

 


"Zuallererst muss zwischen Fremdveranstaltern und Clubs, die selbst Veranstaltungen durchführen, unterschieden werden. Promoter, die in Clubs Veranstaltungsreihen durchführen, sind auf die Einnahmen an der Eintrittskasse angewiesen, um DJs, Werbung, Grafiker, Kassen- und Sicherheitspersonal, eventuell Technik, Dekoration und so weiter zu bezahlen. Alles, was an der Bar umgesetzt wird, bleibt bei dem Location-Betreiber.

Genau so führen wir auch unsere Partys im Stinnes Areal, Harmonie Gewölbekeller und im Kamikaze durch. Beim Stinnes Areal haben wir neben den Kosten für die Gagen der Headliner, Agenturprovisionen, Hotels, Flüge, Transferfahrten und ähnlichem vor allem hohe Kosten für die Tonanlage. Da wir sehr viel Wert auf Tonqualität legen, werden hier Unsummen verschlungen, und das schlägt sich natürlich auch auf den den Eintrittspreisen nieder. Zusammen mit Werbung, Lokal-Gagen und vielen Kleinigkeiten, die sich summieren, kommt da schnell ein fünfstelliger Betrag zusammen, der ausschließlich über die Eintrittsgelder finanziert werden muss.

Der eventuelle Gewinn steht hier immer im Gegensatz zu dem möglichen Verlust, der natürlich trotzdem getragen werden muss. Eine Veranstaltung kann von verschiedensten Faktoren begünstigt oder gestört werden, das können andere Veranstaltungen, Wetter, Großereignisse oder auch dumme Zufälle sein. Wir buchen immer nach Leidenschaft und versuchen den Spagat zwischen Anspruch, Rentabilität und Innovation zu meistern. Das klappt mal besser, mal weniger gut. Aber den Booking-Prozess von wirtschaftlichen Interessen beeinflussen zu lassen, ist in unseren Augen nicht Sinn der Sache. Wir wollen lieber Qualität liefern."

Footloose

 


"Je nach Veranstaltungsort unterscheiden sich die Eintrittspreise in Freiburg deutlich. In den meisten Läden (Swamp, Slow Club, White Rabbit, Räng Teng Teng, KTS, My Way) empfinden wir die Preise als gerechtfertigt. Dort verdienen aber auch nicht zig Leute mit, wie vermutlich bei den oftmals sehr teuren Konzertläden. wie zum Beispiel dem Jazzhaus. Dort bekommt man für viel Geld meistens nichts Spannendes geboten.

Es ist uns ein Rätsel, warum das Jazzhaus noch subventioniert werden muss bei den Preisen. Hinzu kommt die unsympathische Hauspolitik, die Gäste nach einem Konzert für die anschließende Party nochmals abzukassieren. Das gibt es so wohl nirgendwo sonst und vermiest vielen Gästen die Laune. Dort hat man nicht das Gefühl es ginge um Kultur (die ja durch die Zuschüsse gefördert werden soll), oder wenigstens darum, den Leuten einen netten Abend zu bieten, sondern um Profit.

So was ärgert uns besonders, da an unseren Konzerten niemand verdient. Abzüglich der Ausgaben geht der Eintritt komplett an die Bands, die damit wiederum ihre Unkosten decken. Und wie wir müssen auch die nicht selten drauflegen. Bus-Miete, eventuell. Miete für Equipment, Flüge nach Europa, Benzin und so weiter. Im Schnitt hat eine US-Band auf Europatour tägliche Ausgaben von etwa 250 Euro.

An Wochenenden kommen die auch rein, aber auf einer Tour gibt's auch Sonntage, Montage, Dienstage und Offdays. Wir veranstalten Konzerte, weil wir die Bands selbst gerne sehen möchten (was vor lauter Arbeit während der Show leider oft gar nicht klappt), weil wir tollen Leute die Chance geben möchten aufzutreten. Und das ist nunmal mit Unkosten verbunden, die wieder rein kommen müssen. Mehr wollen weder wir, noch die meisten Bands.

Meist sind wir gar nicht in der Lage, zu kalkulieren, sondern können einfach nur hoffen, dass genügend Gäste kommen. Die meisten Bands, die wir buchen, kommen wie wir aus einem Do-it-yourself-Umfeld und versuchen, nur ihre Ausgaben zu decken. Meistens klappt das auch, zumindest Spritkohle konnten wir bisher allen geben. Bei anderen Bands ist von vornherein klar, dass man sie nicht mit 100 Euro abspeisen kann. Dann nehmen wir auch mal 10 Euro Eintritt, wie bei Maserati. Das Verhältnis muss einfach stimmen. Und wenn wir wissen, dass eine Band eine höhere Summe benötigt, versuchen wir eben eine möglichst "günstige" zweite Band, am besten aus der Nähe, dazuzupacken.

Wir buchen, was uns selbst gefällt. Also immer nach Leidenschaft, nie nach Geld. Nur manchmal bremst das Geld die Leidenschaft. Eine völlig unbekannte Band an einem Sonntag im Hochsommer ist einfach nicht machbar, da kommt niemand. Vor ein paar Jahren wäre uns das wahrscheinlich noch egal gewesen. Aber man wird älter und realistischer. Und man hat gelernt: Freiburger wissen gute Bands oft nicht zu schätzen. Was der Durchschnitts-Freiburger nicht kennt, schaut er sich auch nicht an. Auch wenn wir damit jetzt vielen Musikinteressierten unrecht tun … Wir würden aber nie ein Konzert veranstalten, weil wir damit Geld verdienen könnten. Haben wir nie und werden wir nie, weil es einfach nicht unser Beweggrund ist.

Die jeweiligen Kosten kommen sehr auf die Band und den Veranstaltungsort an. Im Idealfall, wie zum Beispiel in der KTS, hat man nur Ausgaben für Werbung (Plakate, Flyer) und Essen für die Bands. Je nach Anzahl der Beteiligten sind das etwa zwischen 60 und 200 Euro. Der Rest geht komplett an die Band. Daher kann man es dort auch mal riskieren eine unbekannte Band zu veranstalten. In anderen Läden, oder wenn die Band GEMA-Mitglied ist, kommen Ausgaben für die Anlage, den Mischer, die GEMA und ein Anteil für den Laden hinzu. Oftmals müssen wir dann ganz schön schlucken, wie wenig am Ende noch für die Band übrig bleibt.

Die Nörgeleien an der Kasse über zu hohe Eintrittspreise sind teilweise sehr nervig. "Was? 7 Euro für drei Bands?" - "Aber wir sind zu dritt, da gibt's doch sicher 'nen Gruppenpreis!" - "Wann wird's denn billiger, die ham doch schon 'nen Song gespielt?" - "Soviel? Auch für Studenten?" - "Lasst mich halt für 3 Euro rein. Sonst geh' ich wieder, dann habt ihr gar nichts." Es folgen die ewig gleichen Erklärungen, dass wir nun mal die Bands nicht ohne Geld heimschicken können, Ausgaben hatten, nichts daran verdienen und so weiter.

Natürlich sind nicht alle Konzertbesucher so. Viele bezahlen ohne mit der Wimper zu zucken, freuen sich auf die Band und bedanken sich für einen tollen Abend. Aber es gibt eben so Kandidaten, die einem echt die Laune verderben können. Die angeblich keine 6 Euro für den Eintritt haben, dann aber sicher 20 Euro für Bier, Schnaps und Kippen ausgeben. Oder am nächsten Tag für die coole Studi-Party im angesagten Club mit lokalem DJ locker die besagten 6 Euro hinlegen.

Der traurigste Reinfall war bisher wohl Little Gold in der KTS an einem Sonntag. Sonntage sind eh kritisch, und die Band war recht unbekannt. Aber mit etwas mehr als den drei zahlenden Gästen hätten wir dann doch gerechnet. Im positiven Sinne hat die Kalkulation bei Des Ark und Les Trucs im vergangenen Herbst in der KTS nicht funktioniert. Wir haben zwar mit einem gut besuchten Konzert gerechnet, aber die 300 Leute die uns innerhalb kürzester Zeit die Bude eingerannt haben, waren nicht eingeplant. Aber nach schnellem Umzug in den großen Raum war auch das ein zwar sehr, sehr stressiger, aber auch toller Abend.

Es gibt auch Veranstaltungen, bei denen klar ist, dass genug Leute kommen werden. So war es zum Beispiel bei Maserati. Solche Abende sind entspannt, da einem nicht die Angst im Nacken sitzt, aus der eigenen Tasche drauf zahlen zu müssen. Wir haben ja keine Rücklagen oder so was, wie Veranstalter, die schlecht besuchte Shows mit gut laufenden ausgleichen können.

Ein Problem ist, dass man Konzerte nicht zu früh am Abend beginnen lassen kann. Es ist uns ein ganz großen Anliegen, die Konzerte früher anfangen zu lassen, besonders unter der Woche. Aber eine Show kann nun mal erst starten, wenn auch Publikum da ist. Wir haben verschiedene "Erziehungsmaßnahmen" versucht. Billigerer Eintritt vor 22 Uhr, die ersten Gäste bekommen ein Freigetränk und natürlich fett gedruckte und mit Ausrufezeichen versehene Anfangszeiten auf Flyern und Plakaten. Aber keine Chance. Der typische Freiburger Konzertgänger taucht einfach nicht vor halb elf auf. Und man will natürlich keine Band verheizen und vor fünf Nasen auftreten lassen. Also ein Teufelskreis … Uns selbst ärgert das auch, da wir nicht direkt nach der Show ins Bett können, meist muss noch abgebaut, weggefahren und aufgeräumt werden. Und auch die Bands müssen am nächsten Tag oft früh raus und los in die nächste Stadt."

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