Warum manche Freiburger Ultras das Auswärtsspiel in München boykottieren wollen

Marius Buhl

Am Samstag spielt der SC Freiburg in München gegen den FC Bayern München. Für viele Fans ist das ein Pflichttermin. Doch die Freiburger Ultra-Fangruppe "Corrillo" boykottiert das Auswärtsspiel. Die Gründe legt Marius K., ein Sprecher der Gruppe, im fudder-Interview dar - und klärt auch die Frage, ob man als Freiburger eigentlich Bayern-Fan sein darf:



Warum boykottiert ihr das Auswärtsspiel des SC Freiburg in München?

Marius K: Es geht den Bayern nicht mehr vorrangig darum, viele Menschen für ihre Spielweise, für ihren Verein und ihre Werte zu überzeugen - sondern um maßloses wirtschaftliches Wachstum. Der FC Bayern München hat dem Fußballfan eine Absage erteilt, Marktanteile in Asien stehen nun oben auf der Agenda. Für eine lebendige Fankultur im Stadion ist da kein Platz mehr.

Der Spieltagablauf bei den Bayern wurde so optimiert, dass Fußball, wie wir ihn lieben, langfristig nicht mehr in den Fokus rücken wird. Da ist nun nicht mehr viel zu machen, wir wollen aber Aufmerksamkeit für die Problematik erregen und haben uns aus diesem Grund für einen Boykott entschieden

Fußball ist doch von Grund auf kommerzialisiert, auch der SC Freiburg trägt jetzt Trikots von Nike statt wie früher solche von Jako.

Jeder muss das Spiel mitspielen, muss wachsen. Der FC Bayern ist für uns aber die Speerspitze dieser Bewegung. Sie haben sich längst vom Fokus auf den Fußball verabschiedet und senden nun permanent Signale, dass sie keine Fans brauchen, weil die Allianz-Arena auch ohne Fans und Stimmung immer voll sein wird - und Kunden-, TV- und Sponsorgelder ihre Kassen füllen.

Als kleinerer Verein wie der SC Freiburg bist du aber natürlich noch grundsätzlich auch auf eine gute Fankultur angewiesen. In München spielt es keine Rolle mehr, ob Fans singen oder nicht.

Welche Rolle spielen Fans denn im Fußball?

Die Rolle der Fans hat sich verändert: Früher war er nur der Zuschauer, heute sind tausende Fans in Stadien und "Nullachtfünzehn"-Arenen, um diesen Atmosphäre einzuhauchen - sofern dies möglich ist.

Zudem muss der Fan heute aufpassen, was die Vereine, der DFB, die DFL, die UEFA und die FIFA machen. Es schließen sich überall Gruppen zusammen, die den kulturellen Wert des Fußballs schützen wollen und gemeinsam ihren Verein unterstützen. Ein Korrektiv zum ständigen Wachstum sein, auch das ist heute Aufgabe der Fans.

Hat man als Fan eine Chance sich gegen die Kommerzialisierung zu wehren?

Ja, man hat schon noch eine Chance. Im Stadion hat man eine gute Plattform und kann ganz gut auf die angesprochene Entwicklung aufmerksam machen. Gerade hier beim SC Freiburg hat man noch Chancen, Einfluss zu nehmen.

Kannst du Freiburger verstehen, die dennoch die Bayern lieben?

Ja, natürlich, das ist völlig in Ordnung. Wer da zum Spiel fährt, dem wollen wir nichts Böses. Trotzdem ist es gut zu wissen, dass der FC Bayern für sich schon lange entschieden hat, den Fußball als Produkt zu nutzen, um aus ihm möglichst großen Profit herauszuschlagen.

Wer das aber in Kauf nimmt, den Eintritt zahlt und Getränke für fünf Euro will, dem ist das natürlich sich selbst überlassen. Wir hoffen nur, dass es beim SC Freiburg nicht so weit kommt und wollen mit unserem Boykott am Samstag ein Signal setzen.

Anstatt nach München zu fahren gucken die Corrillos das Spiel gemeinsam in Freiburg: „Wir laden alle rechtherzlich am Samstag den 15. Februar 2014 in das Fanprojekt neben dem Uni-Stadion in der Schwarzwaldstraße ein. Ab 12 Uhr ist geöffnet und es gibt leckeres Essen.“ Weitere Infos:Corrillo Freiburg.

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