Warum Leggings die besten Kleidungsstücke der Welt sind

Hengameh Yaghoobifarah

"Leggings sind keine Hosen!" - manche Menschen werden nicht müde, diesen Satz gebetsmühlenartig zu wiederholen. Diese Menschen liegen falsch, findet fudder-Autorin-Heng. Warum Leggings ihrer Meinung nach die ultimativen Kleidungsstücke sind:



Wisst ihr, was die Welt nicht braucht? Leggings-Hater. Sie degradieren Leggings zu Nylonstrumpfhosen (und dann auch noch die billigen aus dem Supermarkt). Sie machen sich über dicke Frauen in enger Kleidung lustig. Und wenn diese dann auch noch Leggings als Hosen tragen, tobt die Masse. Das regt mich auf so vielen Ebenen auf.


Angefangen bei der Fettphobie. Erst mal ziehe ich an, worauf ich Bock habe. Ob es ein schlabberig-zeltiges Shirt oder ein hautenges Kleid ist, entscheide ich. Wenn dann irgendwelche Leute – oft sind’s Typen – meinen, sie müssten die Körper anderer beschämen und Fotos von dicken Frauen in Leggings hochladen, um sich gemeinsam auf Facebook über sie lustig zu machen, dann kann ich darüber nicht hinwegsehen und stelle sie zur Rede. Argumente wie Ästhetik ziehen bei mir nicht. Vor allem dann nicht, wenn sie von Typen mit Fedoras in ausgebleichten und undefinierbar geschnittenen Jeans kommen.

Vorteilhaftes Kleiden? My ass! Menschen mit dem Privileg des Schlankseins sind sich vermutlich nicht bewusst, wie schwer es in dieser Gesellschaft ist, den eigenen Körper auch dann akzeptieren und lieben zu lernen, wenn er nicht in Größe 36 passt. Und glaubt mir, die wenigsten dicken Frauen, die ich kenne, kaufen sich gern diese nichtssagenden Kleidungsstücke in Übergrößen, deren einziges Ziel es ist, das Fett zu kaschieren, selten aber stilvoll sind.

Natürlich ist es okay, wenn jemand andere Körperteile als den Bauch oder die Oberschenkel betonen möchte, aber es ist eben auch völlig legitim, es nicht zu tun. Wer kam überhaupt auf die beschissene Idee, dass Hintern mindestens von Hosentaschen verdeckt gehören?

Hübsche Kleidungsstücke mögen „unvorteilhaft“ sein, aber na und? Wenn jemand eine unvorteilhafte Persönlichkeit hat, stelle ich die Person auch nicht bloß (außer bei sexistischen, rassistischen und anderen diskriminierenden Sprüchen). Und Leggings sind einfach die allerbesten Kleidungsstücke, die es gibt.




Sie können ganz dünn und semi-transparent, dick und warm, aus weichem Samt oder glitzirigen Pailletten, gepunktet oder mit Weltraummuster sein. Oder jeansmäßig als Jeggings. Sie können zu Kleidern, langen Pullis, kurzen T-Shirts, bauchfreien Tops, Röcken oder Hemden getragen werden.

Dank ihrer awesome Eigenschaften (Gummibund
Dann gibt es noch diese Spezies, die behaupten, Leggings seien billig und geschmacklos. Das letzte Mal, als ich Leggings gekauft habe, kann ich mich nicht daran erinnern, wenig Geld für sie ausgegeben zu haben. Geschmacklos werden Leggings erfahrungsgemäß auch nur von Leuten genannt, deren Modeverständnis irgendwo zwischen Otto-Katalog und H&M L.O.G.G. liegt.

Damit möchte ich keine Geschmäcker als gut oder schlecht bezeichnen, aber doch gern darauf hinweisen, dass es nicht gerade High-Fashion-Gurus sind. Noch nie was von Arabelle Sicardi gehört, selbst ganz unscheinbar gekleidet, aber Hauptsache anderen Menschen erzählen, was sie tragen sollen, was?

Mittlerweile habe ich gelernt, mit solchen Tipps umzugehen. Ganz nach dem Motto: Danke für deine Meinung, aber sie interessiert mich nicht.