Diebstahlprävention

Warum in einem Supermarkt in Littenweiler Rucksäcke verboten sind

Hanno Müller

Einkaufen mit Rucksack ist im Edeka-Markt Blatter am Kappler Knoten in Littenweiler verboten. Der Grund: eine Zunahme von Diebstählen. Ein Test zeigt, dass der Ladenbesitzer das ernst meint.

Links befindet sich ein Backshop, rechts die Gemüseabteilung. An der Infotheke sollen die Kunden ihre Rucksäcke abgeben. Ich tue so, als sähe ich sie nicht und biege rechts ab. Die hüfthohen, automatischen Eingangsschranken öffnen sich, die Frau von der Infotheke ruft mir hinterher: "Entschuldigung!" Ich tue so, als hörte ich sie nicht.


Am Regal in der Gemüseabteilung hängt ein Ausdruck im Din-A4-Format: "Bitte Rucksäcke und Trolleys an der Infotheke abgeben. Danke". Das Plakat ist kaum zu übersehen. Was aber passiert, wenn man es ignoriert?

Seit der neuen Regel gäbe es weniger Diebstähle, sagt der Betreiber

"Entschuldigung", ruft die Frau erneut, die mir gefolgt ist. Ihre Stimme ist nun lauter. "Sie müssen den Rucksack abgeben", sagt sie. Auf mein fragendes Gesicht wiederholt sie: "Ja, hier müssen alle den Rucksack abgeben." Ich gebe mich schließlich als BZ-Mitarbeiter zu erkennen.

Der Grund für das Rucksackverbot seien steigende Diebstähle, erklärt Marktleiter Hermann Blatter. Das Verbot gelte bereits seit mehr als einem Jahr. Damit zerstreut er die Vermutung, es hänge mit dem Einzug von Flüchtlingen in die nahegelegenen Wohncontainer zusammen. Die 300 Menschen sind erst fünf Monate später eingezogen.

Seit dem Rucksackverbot, sagt der Marktleiter, seien die Diebstähle "selbstverständlich" zurückgegangen. Von Diebstählen betroffen sei beileibe nicht nur sein Geschäft, "aber wir haben die Konsequenzen gezogen." Weitere Auskunft möchte Blatter ebenso wenig geben wie die zentrale Pressestelle von Edeka.

Laut Polizei wurden in Littenweiler 13 Diebstähle im Jahr 2015 gemeldet – ein Spitzenwert. In den Jahren davor schwankt die Zahl zwischen 7 und 1. Im vergangenen Jahr, als die Flüchtlinge einzogen, wurden 9 Fälle registriert. Allerdings handelt es sich laut Polizeisprecher Dirk Klose nur um die angezeigten Straftaten.

Erklärungsbedarf gegenüber den Kunden

In seiner Kundeninformation, die im Markt ausliegt, nennt Hermann Blatter weitere Gründe für das Rucksackverbot: "Schon das Herumtragen birgt die Gefahr, dass Ware auf den Boden fällt." Und das "intensive Kontrollieren" von Rucksäcken sei "für die Kassenkraft eine nervenaufreibende Angelegenheit", bei der es schon zu Beleidigungen gekommen sei. Die Kunden sollten bitte Verständnis für das Verbot zeigen.

Doch nicht alle bringen das auf. Heidi Schuler aus Littenweiler findet das Verbot unmöglich. Sie wisse von einigen Kunden, die das als "Vertrauensbruch" empfänden und nun woanders einkaufen. "Da kommt man sich ja wie ein Dieb vor", ergänzt ihre Cousine Carola Schuler aus Kappel. Statt für die Entgegennahme von Rucksäcken sollte lieber jemand fürs Fegen der Parkplätze angestellt werden.

Auch Jaqueline Preiß aus Kappel gefällt nicht, dass die Kunden unter "Generalverdacht" gestellt würden. Unlogisch findet sie, dass zwar Rucksäcke verboten sind, Beutel und große Handtaschen hingegen nicht, in denen genauso Waren verschwinden könnte. Preiß hat schon überlegt, einen Beschwerdebrief zu schreiben, "aber das würde sowieso nichts ändern".

In den von Edeka selbst betriebenen Märkten gebe es kein Rucksackverbot, sagt Nina Schneider von der zentralen Pressestelle. Viele Supermärkte würden wie Edeka Blatter von selbständigen Kaufleuten geführt, die in eigener Regie entscheiden. Ob es sich also um einen Einzelfall handelt, könne sie nicht sagen.

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