Warum Heimkommen nach Freiburg an Weihnachten das Allerschönste ist

Paul Kramer

Heimkommen nach Freiburg an Weihnachten, das bedeutet: die alten Freunde treffen, die Familie umarmen, die Stille der Nacht genießen. Es lebt die Zeit auf, von der man dachte, dass man sie längst hinter sich hat. Ein Sehnsuchtstext:



An alle Von-Daheim-Weg-Müsser, Weltenbummler, Großstadtabenteurer, Horizonterweiterer, an alle Freiburg-Expats: Es beginnt die schönste Zeit des Jahres. Endlich wieder Freiburg, die Familie, die Freunde sehen, endlich Weihnachten. Je weiter die Ferne, desto größer die Freude. Willkommen zuhause!


Für mich heißt Weihnachten, zurückzukehren. Natürlich physisch, ich setze mich in den Zug, den ich fast verpasse, weil nicht alle Mitbringsel in den Koffer passen, ich umarme meine Eltern, meine Brüder, alte Freunde aus der Schule. Das ist Nachhausekommen, und es ist so schön, weil es so real ist: Sie sind alle noch da. Aber Weihnachten ist auch Zurückkehren, zurückfinden zu einer Version meiner selbst, die es den Rest des Jahres nicht gibt. Das Wiedersehen, der Zauber des Festes, die alte Kirche und die Lieder, die Geschenke unterm Baum, die heilige Stille der Nacht – all das erinnert mich an mich, als ich glaubte und träumte, als ich die Welt mit leuchtenden Augen sah, als ich staunte und alles immer besser wurde.

Älter werden und irgendwann erwachsen, das bedeutet, die Welt entzaubern. Wir werden groß, und alles wird kleiner. Wir werden anspruchsvoll, freuen uns weniger, lachen seltener, fordern mehr von uns und anderen. Alles muss besser, schneller, weiter sein, um uns zu beeindrucken. Wir feiern diese Rationalisierung, nennen sie Erfahrung oder Gelassenheit. Doch eigentlich werden wir stumpfer, matter, trüber. Wir denken und fühlen jeden Tag das Gleiche, und meinen wir verstünden was vom Leben.

Und dann kommt Weihnachten in Freiburg, und alles ist gut. Nicht, weil die übervolle Kajo im Gebimmel der Xmas-Superhits irgendwie schön wäre, oder der Weihnachtsmarkt authentísch. Nicht, weil ich die Klassenkameradin vermisst habe, die sich mit ihrer nervigen Stimme ständig meldete, und die beim Klassentreffen zu viel trinkt. Auch nicht, weil ich lange vergessenen Bekannten mal wieder erzählen will, was ich jetzt so mache im Leben.

Sondern weil dieser Ort und seine Menschen mich erinnern an andere Zeiten. Zeiten, die genau so manchmal schlecht und manchmal gut waren wie das Heute. Aber Zeiten voller Begegnungen, Erlebnisse, Abenteuer. Zeiten voller Leben. Zeiten, die man vergisst, wenn dann das echte Leben kommt. An Weihnachten fühle ich mich im Waldsee wieder wohl, im Schmitz Katze, oder welchen Ort auch immer der Zufall dieses Jahr für das Wiedersehen auserwählt.

Der Mannschaftskamerad aus dieser geilen Saison in der C-Jugend, der verschollene Weltrettungspartner, die hart verarbeitete Mittelstufenliebe, der verloren gegangene beste Freund.  Sie alle sind da, und wir fallen uns in die Arme: Das ist wieder unsere Zeit, unser Leben. Das ist unser Freiburg, es leuchtet, und es war nie weg. 

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[Foto: fotolia.com/oneinchpunch]