Warum hat die AfD Freiburg ihre Veranstaltung mit Jörg Meuthen wirklich abgesagt?

Daniel Laufer

Die Begründung auf der Webseite des Kreisverbands: Die Sicherheit könne nicht gewährleistet werden. Nun räumt der AfD-Freiburg-Sprecher aber ein: Es gibt einen ganz anderen Grund.


Jörg Meuthen

Warum hat die AfD Freiburg ihre Veranstaltung mit Jörg Meuthen wirklich abgesagt? Eigentlich sollte er an diesem Dienstag nach Freiburg kommen. Der Sprecher der AfD ist Spitzenkandidat für die Landtagswahl. Er sollte auf einer Veranstaltung sprechen und im Wahlkampf-Endspurt auch noch mal den hiesigen Kandidaten die Chance geben, Werbung zu machen. Dafür hatte die AfD die Mensa der Hebelschule im Stühlinger gemietet.


Am vergangenen Donnerstag sagte der Kreisverband die Veranstaltung dann ab. Auf seiner Webseite gibt er eine knappe Begründung ab: „Nach einigen Gesprächen mit den örtlichen Polizeibehörden, ist die AfD Freiburg zu dem Entschluss gekommen, dass die Sicherheit der Gäste nicht gewährleistet werden kann.“

Schon im Sommer hatte der Besuch des damaligen Parteichefs Bernd Lucke kurzfristig verlegt werden müssen. Unbekannte hatten zuvor den Veranstaltungsort mit Farbbeuteln beworfen, ein Hotel im Stadtteil St. Georgen. Im Internet hatte sich eine Gruppe namens „Antifa St. Georgen“ zu der Tat bekannt.

Keine Angst vor Feministinnen - und vor der Antifa schon mal gar nicht

Aktuell haben Freiburger Antifaschisten auf Facebook zur Demonstration gegen Meuthens Auftritt aufgerufen. Rund 230 Menschen haben zugesagt, etwa 570 sind an einer Teilnahme „interessiert“. Als Treffpunkt haben die Organisatoren den Stühlinger Kirchplatz angegeben. Er grenzt an die Hebelschule an. Zur selben Zeit ist außerdem eine antifaschistische Demonstration zum internationalen Frauenkampftag geplant.

Die Freiburger Polizei ist erstaunt bei Fragen nach Sicherheitsbedenken. Es habe in der Tat Vorgespräche gegeben, aber zur Koordination. „Wir haben nicht dazu geraten, die Veranstaltung abzusagen“, sagt Polizeisprecherin Jasmin Bohrer. „Wir hätten den Einsatz entsprechend koordiniert, um den Schutz zu gewährleisten.“

Jack Gelfort, Sprecher des Kreisverbands, bezeichnet das Polizeikonzept sogar als „sehr angemessen“. Vor Feministinnen habe seine AfD keine Angst, vor der Antifa schon mal gar nicht. „Mit Störungen wären wir fertig geworden. Wir haben nicht wegen der Sicherheit abgesagt. Der Hauptgrund war, dass wir nicht genügend Stühle bekommen sollten.“

„Wie wir das nun darstellen, ist unsere Sache“

Nur 90 statt der erbetenen 180, auch einen anderen Raum habe man nicht gekriegt. Also habe er die Entscheidung getroffen. Wenn nicht Sicherheitsbedenken ausschlaggebend waren und die Polizei zu keiner Absage geraten hat: Müsste der Kreisverband die Begründung auf seiner Webseite dann nicht ändern?

Gelfort findet: nein. „Wie wir das nun darstellen, ist unsere Sache.“ Die Stadt Freiburg stellt den Hintergrund der Absage noch mal anders dar. Am vergangenen Mittwoch habe die AfD die Mensa der Hebelschule besichtigt – gemeinsam mit Polizei und Hausmeister.

Um 200 Stühle hätte der Kreisverband gebeten, etwa die Hälfte davon stünde bereits in der Mensa. „Der Hausmeister hat dem AfD-Vertreter dann angeboten, die übrigen Stühle bei der Nachbarschule zu besorgen. Das hat er schon öfter gemacht“, sagt Rathaus-Sprecher Toni Klein.

Einen Tag später sei die Email gekommen. Darin sei die AfD vom Mietvertrag zurückgetreten. Diesmal ohne Angabe von Gründen.

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[Foto: dpa Picture Alliance]