Warum haben wir Sex?

Johanna Schoener

Ja, wieso eigentlich? Wir könnten ja auch so geschaffen sein, dass wir uns geschlechtslos vermehren. Evolutionär gesehen sind sexuelle Wesen gegenüber geschlechtslosen Kreaturen jedoch eindeutig im Vorteil, sagt der Biologe Ricardo Azevedo von der Universität in Houston. Zudem ist wissenschaftlich erwiesen, dass Sex - abgesehen von Fortpflanzungsfunktion und Spaßfaktor ? alle möglichen positiven Nebenwirkungen haben kann.



Laut dem Internetmagazin Seedbefinden sich Evolutionsbiologen seit dem späten 19. Jahrhundert auf der Suche nach dem Sinn von Sex. Bisheriges Ergebnis: allein die sexuelle Vermehrung ermöglicht die Kombination verschiedener Gene. Auf diese Weise können sich Mutationen zwar verschlimmern, aber eben vor allem auch verbessern. Asexuelle Wesen dagegen müssen mit ihrem eigenen Genmaterial zurechtkommen: Wenn etwa in jeder Generation eine Mutation weitervererbt wird, die die Gesundheit um fünf Prozent verschlechtert, richtet sich das asexuelle Wesen innerhalb weniger Generationen selbst zu Grunde.

Geschlechtslose Wesen haben sich im Verlauf der Evolutionsgeschichte nie lange behaupten können
, so Azevedo im Interview mit Seed. Es ist also äußerst unwahrscheinlich, dass wir irgendwann von geschlechtslosen Klonen überrannt werden.


Abgesehen vom evolutionären Vorteil, hält uns regelmäßiger Sex in vielerlei Hinsicht fit und gesund. Einige Beispiele dafür kann man im Online-Magazin “The Register” nachlesen. Dr. Charnetski von der Universität Wilkes in Pennsylvania hat demnach nachgewiesen, dass Sex das Immunsystem stärkt, Orgasmen lebensverlängernd wirken können und Ejakulationen gut gegen Prostata-Krebs sind. Andere Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Sex schön macht: Menschen, die vier bis fünf mal pro Woche Sex haben, sehen im Schnitt 10 Jahre jünger aus.

Außerdem wirkt Sex stressreduzierend, schützt vor Midlife-Crisis, verbessert den Kreislauf, verringert den Cholesterinspiegel, setzt Endorphine frei und verbrennt Fett. Allen Ergebnissen gemein ist, dass es offenbar auf die Quantität ankommt.