Warum gehen Jugendliche wandern?

David Weigend

Am Donnerstag beginnt in Freiburg der Deutsche Wandertag, den dieses Jahr der Schwarzwaldverein ausrichtet. Thorsten Albrecht (26) und Eva Hildebrandt (18) sind ehrenamtlich in der Jugendarbeit des Schwarzwaldvereins aktiv und berichten, wie sie junge Menschen fürs Wandern begeistern wollen.



Die Gesprächspartner

 
  • Eva Hildebrandt (18), Schülerin am Kolleg St. Sebastian in Stegen
  • Thorsten Albrecht (26), arbeitet im Vertrieb von Peguform, Bötzingen

Thorsten, Eva, wie seid ihr zum Schwarzwaldverein gekommen?

Thorsten: Ich war schon als Kind in der Endinger Jugendgruppe, da bin ich so reingerutscht. Irgendwann habe ich diese Gruppe geleitet. Der Schwarzwaldverein war bei mir im Ort der einzige nicht-kirchliche Anbieter von Jugendaktivitäten. Jedenfalls abseits vom Sport- oder Musikverein.

Eva: Vor fünf Jahren stand in der Badischen Zeitung eine Anzeige für eine geführte Höhlentour im französischen Jura. Daran nahm ich teil und dann bin ich hängengeblieben. Der Verein hat Leiter für den Nachwuchs gesucht. Ich probierte es aus und es machte mir Spaß.

Was macht ihr im Schwarzwaldverein?

Eva: Ich leite kleinere Touren für Kinder, auch mal übers Wochenende. Vergangene Woche zum Beispiel eine Eseltour. Wir waren drei Leiter, zwei Esel und zwölf Kinder zwischen 10 und 14 Jahren. Von St. Märgen ging es zur Bockhornhütte. Wir machten ein Lagerfeuer und übernachteten dort.

Thorsten: Unsere Arbeit findet in zwei Bereichen statt. Zum Einen gibt es die Ortsgruppen, die eigene Angebote hat; zum anderen gibt es die offenen Veranstaltungen, zu denen können auch Nicht-Mitglieder kommen. Zum Beispiel: Wanderung mit dem Feldberg-Ranger, Kanutour oder Zeltlager.

Welche Tour hast du in den vergangenen Wochen geleitet?

Thorsten: Ich leitete gemeinsam mit einer Kollegin eine Freizeit für neun Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren: Fünf Tage Paddeln auf dem Ognon im französischen Jura. Es ging von Campingplatz zu Campingplatz.

Bist du für solch eine Aufgabe ausgebildet?

Thorsten: Es gibt einen allgemeinen Teil, in dem unsere Jugendleiter ausgebildet werden. Dazu gehört auch ein pädagogischer Grundkurs. Bei der Paddeltour hatten wir noch einen Kollegen von der Kanuschule dabei. Das war nötig für die Sicherheit auf dem Wasser.

Warum machst du das?

Thorsten: Ich finde es interessant, zu beobachten, wie sich die Teilnehmer auf solch einer mehrtägigen Tour entwickeln. Manche sind anfangs zurückhaltend, werden dann aber immer temperamentvoller.



Kamen für dich die Missbrauchsfälle in der Jugendfreizeit auf Ameland überraschend?

Thorsten: Wir beschäftigen uns schon seit anderthalb Jahren mit diesem Thema: Grenzverletzungen, wie geht man respektvoll mit den Teilnehmern unserer Freizeiten um?  Ich habe eigentlich immer gedacht, so was ist undenkbar und war schockiert, als ich von den Ameland-Fällen erfuhr. Meiner Meinung nach sind unsere Leute im Schwarzwaldverein so gut ausgebildet, dass wir solche Fälle ausschließen können. Im Feriencamp des Osnabrücker Sportbunds waren die Leiter der Freizeit ja anscheinend nicht richtig ausgebildet.

Was ist wichtig für deine Arbeit im Schwarzwaldverein?

Thorsten: Generell geht es um die Frage: Wie bringe ich jungen Menschen das Wandern nahe? Dazu gehört nicht nur das klassische Wandern, sondern eben auch eine Kanuwanderung. Klar machen wir auch traditionelle Wanderungen, etwa den Querweg von Konstanz nach Freiburg. Aber das interessiert eher die älteren Teilnehmer. Kinder reizt das weniger.

Wie kann man junge Leute für das Wandern im weiteren Sinne begeistern?

Thorsten: Es gibt ja inzwischen GPS, Geo-Caching und Geo-Ralleys. Für die Jugendlichen ist es gerade bei mehrtägigen Touren reizvoll, am Morgen nicht zu wissen, wo man am Abend sein wird. Mal übernachtet man in einem Gemeindesaal, mal in der Turnhalle, mal unter freiem Himmel. Das ist ein großer Unterschied zur Jugendherberge.

Eva: Bei 14-Jährigen geht das los, dass das klassische Wandern nicht mehr so verpönt ist. Bei den Jüngeren versuchen wir, das Wandern nett und spannend zu verpacken. Die mucken dann auch nicht, wenn es darum geht, ein paar Kilometer zurückzulegen. Das macht ihnen dann schon auch Spaß, wenn es nicht unbedingt Wandern heißt.

Wo geht ihr am liebsten wandern?

Thorsten: Am Kaiserstuhl, etwa die Strecke von meinem Heimatort Endingen nach Ihringen.

Eva: In der Feldbergregion oder auf dem Panoramaweg bei St. Märgen. Generell finde ich es spannend, auf unbekannten Wegen zu wandern. Sich ein Gebiet aussuchen, einfach drauflos ziehen und schauen, wie es da so ist.

Aber eine Karte hast du dann schon dabei, oder?

Eva: Nein. Ich bin nicht so der Kartentyp. Es gibt ja Schilder und Menschen, die ich fragen kann. Irgendein Dorf mit Busverbindung findet sich zur Not auch immer. Der Reiz liegt für mich im Ungeplanten und Spontanen.

Thorsten: Ein bisschen Planung gehört für mich schon dazu. Wenn ich zum Beispiel den Karlsruher Grat gehen will, lese ich mir einen entsprechenden Bericht durch und besorge eine passende Karte. Aber mehr auch nicht. Fotos mache ich unterwegs auch keine.

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