Warum Fußballfans sind, wie sie sind - Interview mit Fan-Forscher Gunter A. Pilz

Soccerblogger

"Gesunde Rivalitäten gehören zum Fußball dazu", sagt Gunter A. Pilz. An der Leibniz Universität Hannover forscht er zu Fankultur im Fußball. Die Fan-Redaktion der Soccerblogger hat mit ihm gesprochen:



Was für Arten von Fans gibt es?

Gunter A. Pilz: Man unterscheidet zwischen konsumorientierten, fußballzentrierten und erlebnisorientierten Fans. Konsumorientierte Fans sind diejenigen, die ein schönes Spiel sehen wollen - egal, wer gewinnt. Das Wichtigste ist, dass sie unterhalten werden. Dazu gehören auch die Leute, die Fußball als Event sehen.

Bei fußballzentrierten Fans steht der Verein und dessen Sieg im Vordergrund. Dazu zählen beispielsweise Ultras oder Kuttenfans. Unter erlebnisorientierte Fans [also Gruppierungen, die Fußballspiele für gewaltsame Ausschreitungen nutzen; Anm. d. Red.] fallen auch ein Teil der Ultras und vor allem Hooligans.

Sind Sie selbst auch Fan?

Ja, meine Lieblingsvereine sind Bayern München und Hannover 96, wobei ich ein größerer Fan von Bayern bin.

Wie stehen Sie persönlich zu Rivalitäten zwischen den Fans zweier Vereine?

Gesunde Rivalitäten gehören zum Fußball dazu. Wenn es diese nicht gäbe, wäre der Fußball ziemlich langweilig. Es muss aber auch eine Grenze geben und wenn diese Grenze überschritten wird, im Hinblick auf Geschmack, Gewalt und Diskriminierung, dann wird es ärgerlich.

Haben Sie schon Auseinandersetzungen zwischen Fans miterlebt?

Ja, genügend. Früher bin ich regelmäßig mit ins Stadion gefahren. Dort habe ich viele Auseinandersetzungen beobachtet und mitbekommen. 20 Prozent davon sind übelste Schlägereien. Diese sind brutaler und hemmungsloser als früher geworden.

Hängen Fanfreundschaften mit Fanrivalitäten zusammen?

Bei den Ultras gibt es ein sogenanntes Beduinensyndrom, das heißt der Freund eines Freundes ist automatisch mein Freund, egal, ob ich ihn kenne oder nicht. Auch der Feind eines Freundes ist automatisch mein Feind und der Feind eines Feindes ist mein Freund.

Warum zerbrechen Fanfreundschaften?

Heute können sich in der Szene schon kleine Auseinandersetzungen verselbstständigen, wenn andere Fans miteinbezogen werden. Dadurch kann es zu einem Ende der Freundschaft kommen. Außerdem kann man auch im Stadion nicht mehr gemeinsam im Block stehen, das erschwert das Ausleben von Fanfreundschaften zusätzlich.