Warum fünf Jugendliche in Ettenheimweiler ein eigenes Café betreiben

Theresa Ogando

Ein Café, das von Schülern geführt wird? So etwas gibt es in Ettenheimweiler. Im Café Löwenz arbeiten fünf engagierte junge Leute, die noch viel vorhaben. fudder-Mitarbeiterin Theresa Ogando hat sie besucht.

Sobald man das Café Löwenz betritt, vergisst man, dass man sich in einem Teil der Montessori-Schule Löwenzahn befindet. Es ist viel los an diesem Sonntagnachmittag. Und nicht nur Schüler der Schule, sondern Eltern mit Kindern, Rentner und Paare füllen das Café. Modern eingerichtet, mit Stühlen im Vitra-Stil, Bildern vom Kaffee-Anbau und einem Ofen, bekommt man das Gefühl, man sei in einer Großstadt, nicht in Ettenheimweiler.


"Am Anfang sahen es die Leute als Schülerprojekt, jetzt ist es einfach ein beliebtes Café in der Umgebung", sagt Joscha Schaumann vom Team des Café Löwenz. Zusammen mit zwei anderen Schülern, Daria Weidner und Philippe Krause-Sparmann, betreibt Schaumann seit fünf Jahren jeden Sonntag das Café, von zwei weiteren werden sie unterstützt. Für sie bedeutet das: Jeden zweiten Samstag einkaufen und backen, sonntags kellnern und putzen. Daria Weidner ist von Anfang an dabei und sagt: "Es ist anstrengend, für uns ist es aber längst Alltag und macht Spaß."

"Am Anfang sahen es die Leute als Schülerprojekt, jetzt ist es einfach ein beliebtes Café in der Umgebung." Joscha Schaumann
Eröffnet haben die drei das Café als sie 13 Jahre alt waren. "Wir waren echt jung, dass es geklappt hat, wundert uns im Nachhinein auch manchmal", sagt der 18-jährige Joscha Schaumann. Angefangen hat alles damit, dass sie Kaffee, Kuchen und Bienenwachs auf Bauernmärkten verkauft haben. "So haben wir 7000 Euro verdient, die wir als Startkapital für das Café genutzt haben", so Schaumann. Den Raum hat die Schule gestellt und eine Lehrerin unterstützt die Café-Betreiber, wenn sie mal nicht weiter wissen. Ansonsten haben sie alles selbst auf die Beine gestellt, sogar die Theke haben sie eigenhändig gebaut.

Im Frühling 2017 wurde das Café vergrößert und diesen Frühling ist das Ziel, eine motorisierte, mobile Espressobar zu kaufen. "Wir wollen etwas schaffen, um zu den Gästen zu kommen", sagt der 18-jährige Café-Betreiber. Mit dem Wagen will das Café-Löwenz-Team Kaffee auf Festen verkaufen. Sie gehen zurück dahin, wo sie angefangen haben: Mit einem Stand unter die Leute.

Mit einer Crowdfunding-Aktion die Espressobar finanzieren

Dem Team fehlen allerdings 17.000 Euro, um ihren Traum von der mobilen Espressobar wahr werden zu lassen. Deshalb startet ab nächsten Sonntag eine Crowdfunding-Aktion, bei der man sich als Investor an dem Projekt beteiligen kann. Für eine Investition bekommt man ein Dankeschön. Bei einem Betrag von 99 Euro zum Beispiel ein Barista-Seminar vom Café-Löwenz-Team.

In ihren weinroten T-Shirts sind die fünf Café-Mitarbeiter an diesem Sonntag in der Küche beschäftigt oder damit, Kaffee zu kochen und zu servieren. Das alles machen sie ehrenamtlich – sie behalten lediglich ihr Trinkgeld. Der Kaffee schmeckt und sogar ein kleines Blatt aus Milchschaum ist auf jedem Kaffee zu finden. Diese Latte-Art haben die Café-Betreiber bei ihrer Barista-Ausbildung gelernt. Die drei Betreiber tragen die volle Verantwortung und versuchen, sich ständig zu verbessern. Eigenständig gehen sie auf Fortbildungen und Messen. "Gerade waren wir auf der Intergastra-Messe in Stuttgart und haben an Workshops teilgenommen", sagt Joscha Schaumann.

Leidenschaftlich erzählen sie von dem Ziel, dass sie mit Café und bald auch mit der Espressobar verfolgen. "Wir wollen andere Menschen anstecken, etwas für unsere Welt von morgen zu tun", sagt Joscha Schaumann. Im Café Löwenz werden nur Bio-Produkte verwendet und ein besonderer Kaffee serviert. Es handelt sich um Wildkaffee aus Äthiopien. Dieser stammt aus Kaffa, der Region, in der Kaffee entdeckt wurde. Die äthiopischen Bauern verdienen über das Doppelte als an handelsüblichem Kaffee. "Das schafft den Bauern eine Lebensgrundlage und schützt den Regenwald", erklärt Joscha Schaumann.

Die Kombination aus Nachhaltigkeit und Genuss wollen sie mit dem Espresso-Mobil weitergeben. "Wer sagt, er möchte für ein Fest guten Kaffee haben, der kann uns dann mieten", sagt Joscha Schaumann. Für die Zukunft hat sich das Löwenz-Team drei Ziele gesetzt: Die Qualität zu halten, vielen netten Menschen einen Ort für einen schönen Sonntagnachmittag zu bieten und nachhaltigen Genuss zu verbreiten. Im Herbst hoffen sie nach Äthiopien fliegen zu können, um sich selbst ein Bild von dem Kaffee-Anbau zu machen.

Wildkaffeemobil - Unterstütze uns jetzt auf Startnext

Ob sie nach der Schulzeit nochmal ein Café eröffnen werden, wissen Joscha Schaumann und Daria Weidner noch nicht. Sie konzentrieren sich erstmal voll und ganz auf das Café Löwenz und hoffen, dass auch in Zukunft engagierte Schülerinnen und Schüler das Projekt weiterführen werden.
Das Caféhaus Löwenz in der Montessorischule Löwenzahn hat jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Adresse

Stabhaltergässle 12, 77950 Ettenheimweiler
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