Warum "FUCKAFD" schreiben jetzt nicht genug ist

Gina Kutkat

Die Bundestagswahlen sind gelaufen und die AfD ist mit 12,6 Prozent in den Bundestag gewählt worden. Deswegen in einen Schockzustand zu verfallen bringt nichts, findet fudder-Redakteurin Gina Kutkat und fordert: Aufwachen und aktiv werden.

Schaue ich mir die Feeds in den Sozialen Netzwerken an, hat gerade mein ganzer Freundes- und Bekanntenkreis kollektiv Bauchschmerzen und steht kurz vor der Ohnmacht. Ich lese vom "Schlag in den Magen", der eine ist "geschockt", die andere "erschüttert". Mir schreien #FCKAFD-Parolen entgegen, fleißig wird ein offener Brief an die AfD verbreitet und unter dem Hashtag #ichbin87Prozent gepostet.


Es geht, klar, um die Ergebnisse der Bundestagswahlen am Sonntag, bei denen die AfD bundesweit auf 12,6 Prozent gekommen ist – so zumindest das vorläufige Ergebnis. Damit sitzen bald wohl 94 Abgeordnete der Partei im deutschen Bundestag. Das ist schlimm, beängstigend und krass. Aber es war ein Ergebnis, mit dem man rechnen musste. Zumindest, wenn man sich vor den Wahlen die Prognosen angeschaut und in den letzten Monaten verfolgt hat, was in Deutschland so passiert.

Wütend sein ist nicht genug

Es ist löblich und richtig, seinen Unmut über eine Partei zu äußern, die rückwärtsgewandt und rechtspopulistisch ist. Die gegen Flüchtlinge hetzt, gegen Abtreibungen ist, aus der EU austreten will, den Klimawandel bezweifelt und gleichgeschlechtliche Ehen nicht anerkennen will. Ich verachte die AfD auch und finde es schlimm, dass in unserem Parlament jetzt wieder Rechtspopulisten und offen bekennende Rechtsextreme sitzen.

Allein: Es ist nicht genug, hysterisch, erschüttert und wütend zu sein. Wenn wir wirklich verhindern wollen, dass die AfD noch mehr Aufwind bekommt, wenn wir wollen, dass die Partei spätestens 2021 wieder aus dem Parlament verschwindet – dann muss jeder einzelne jetzt aktiv werden. Dafür muss man nicht gleich in eine Partei eintreten oder sich für eine NGO engagieren. Hier sind ein paar Ideen und Anregungen:

1. Bilden, diskutieren, gegen AfD argumentieren

Auch 7,9 Prozent der Freiburger haben AfD gewählt. Es kann also gut sein, dass man hier mal einem AfD-Sympathisanten über den Weg läuft. Und dann sollte man gut vorbereitet sein: Wer AfD-Wählern den Wind aus den Segeln nehmen will, muss Bescheid wissen, was los ist. Und das geht nur, wenn man sich informiert, Nachrichten konsumiert und mit anderen diskutiert. Wie soll man in einem Gespräch sonst gut und überzeugend argumentieren? Wenn jeder von uns einen AfD-Wähler überzeugt, dass die Partei nicht wählbar ist, ist doch schon was erreicht.

2. Sich für diejenigen engagieren, gegen die gehetzt wird

Viele "besorgte Bürger" haben wohl die AfD aus Angst gewählt. Aus Angst, dass sie in Deutschland nicht mehr sicher leben können und dass "die Flüchtlinge" ihnen die Jobs wegnehmen. Während wir uns noch darüber empören und uns über diesen pauschalisierten Schwachsinn aufregen, vergessen wir eines: Die Menschen, um die es geht. Wer sich für Geflüchtete einsetzen will, findet dazu in Freiburg viele Vereine oder Projekte, die unterstützenswert sind: Die Badische Zeitung hat im Dezember 2015 eine Übersicht über alle Freiburger Flüchtlingsinitiativen erstellt.

3. Gegen Rassismus auf die Straße gehen

Wann habt ihr das letzte mal für oder gegen etwas demonstriert? Eben. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, um gegen Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit und Behindertenfeindlichkeit zu demonstrieren. Gelegenheit gibt es dazu zum Beispiel heute: Um 18 Uhr findet eine Mahnwache für Solidarität und gegen Ausgrenzung auf dem Platz der Alten Synagoge statt.
4. Hasskommentare in den sozialen Netzwerken melden

Vielleicht – oder hoffentlich! – begegnet einem in der eigenen Timeline keine rechte Hetze. Aber es gibt Gruppen wie das Netzwerk Freiburg oder bestimmte Artikel (auch von fudder oder der Badischen Zeitung), bei denen durchaus rechte Hetzer zu Wort kommen. Nun gibt es kein Patentrezept, wie man Hasskommentatoren am besten begegnet. Der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen empfiehlt zum Beispiel: " Mal kann es richtig sein, das Gespräch zu suchen. Und manche Drohung wird einen vermutlich dazu bringen, sie bei Facebook zu melden oder aber die Polizei zu informieren."

Hier kann man Hasskommentare melden:
  • direkt auf Facebook: Bei einem Kommentar auf das Kreuz in der rechten Ecke klicken, dann kann der Kommentar direkt an Facebook geschickt werden.
  • Online-Strafanzeige: Auf Online-Strafanzeige.de können volksverhetzende Äußerungen und Mordaufrufe angezeigt werden
  • #hasshilft: Hass Hilft ist die erste unfreiwillige Online-Spenden-Aktion. Jeder menschenverachtende Kommentar wird zur 1-Euro-Spende für Flüchtlingsprojekte der "Aktion Deutschland hilft" und "Exit-Deutschland", einer Initiative gegen Rechts. Und das geht so: Wer einen Hasskommentar sieht, speichert den Link und sendet ihn per Nachricht via Facebook an Hass Hilft. Das Team prüft dann den Kommentar und "rubelt" Hass in Hilfe um, wenn es sich um einen Hasskommentar handelt.

5. Den Rechtspopulisten den Stecker ziehen

Man darf die AfD nicht ernst nehmen, schreibt die Journalistin Sieglinde Geisel in einem Beitrag für den Deutschlandfunk. Und ich finde ihre Vorschläge sinnvoll: Man solle Schluss machen mit dem Ernstnehmen inszenierter Tabubrüche, "indem wir alle darauf verzichten, die Aufreger weiterzugeben, auch wenn uns Medienjunkies das schwer fallen mag. Jeder Widerstand nährt das, wogegen er sich richtet. Warum den Rechtspopulisten nicht einfach den Stecker ziehen? Abwinken statt aufjaulen."

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