Verwirrung

Warum Freiburger Ampeln grün zeigen, obwohl noch eine Straßenbahn die Kreuzung quert

Joshua Kocher & Oliver Huber

Wenn Straßenbahnen in Freiburg über die Kreuzung rollen, kann es vorkommen, dass Autofahrer schon grün haben – obwohl die Bahn noch auf der Straße steht. Die Erklärung ist nicht minder verwirrend.

Abends an der Kreuzung von Eschholzstraße und Carl-Kistner-Straße: Einige Autos stehen an der roten Ampel. Die springt um, doch die Fahrzeuge bleiben stehen: Von links überquert langsam eine Straßenbahn die vierspurige Straße. Wie kann das sein? Hat der Tramfahrer sein Stopp-Signal missachtet? Die Beobachter rechnen mit einem Einzelfall, doch eine Woche später wiederholt sich das Schauspiel. Morgens steht für die Autofahrer auf der Eschholzstraße alles auf Grün, doch auf der Kreuzung schleicht sich eine Tram heran – diesmal von der anderen Seite.


Das Rathaus kennt das Problem

"Diese Situation ist uns bekannt und besteht auch an anderen Kreuzungen mit der Stadtbahn", bestätigt Rathaussprecherin Martina Schickle. Den Grund hat sie nach Rücksprache ebenfalls parat. Bei der Berechnung der "Zwischenzeit", also der Zeit zwischen Stopp für die Straßenbahn und Grün für die Autos, werde lediglich eine Straßenbahnlänge von 15 Metern veranschlagt: "Das entspricht den Richtlinien für Ampeln und wird bundesweit so gehandhabt."

Nun ist der Stadtbahn-Typ "Urbos" stolze 42 Meter lang. Deshalb kann laut Schickle unter Umständen bereits Grün für querende Autos leuchten, obwohl noch Teile der Straßenbahn die Kreuzung blockieren. "Allgemein wird aber davon ausgegangen, dass niemand in ein gut sichtbares Fahrzeug fährt, das sich gerade noch in der Kreuzung befindet", so Schickle.

Vor Umstellung zeigte die Ampel zu lange Rot

Warum lässt man nicht einfach eine Länge von etwa 40 Metern in die Berechnung einfließen? "Auch bei einer Orientierung an 42 Metern Fahrzeuglänge kann es bei einer langsamen Bahn vorkommen, dass der übrige Verkehr bereits freigegeben ist, die Bahn die Straße aber noch nicht verlassen hat", so Schickle. Auch bei einer schnellen Bahn könne es passieren, dass der Verkehr bei verlängerter Zwischenzeit länger als notwendig gesperrt sei: "In der Vergangenheit, als die Ampel anders geschaltet war, gab es regelmäßig Rückmeldungen von Verkehrsteilnehmern, die Ampel zeige viel länger Rot als notwendig." In der Eschholzstraße bleibt es bei verdutzten Gesichtern.