Warum Freiburg ein geheimer Ort ist

Madeleine Mayer

Freiburg Ende des 19. Jahrhunderts: Esoterische Buchläden, Spukbilder und Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten. Diese und andere Themen behandelt am Sonntag ein Stadtrundgang zum Thema Okkultismus in Freiburg:



Ist und war Freiburg tatsächlich ein ganz spezieller "locus occultus", also ein geheimer Ort? Dieser Frage will Geschichtsstudentin Judith Wittwer nachgehen. "Freiburg hat ja so ein bisschen diesen alternativen Touch", sagt sie. "Auch liest man oft, dass Freiburg diese Aura schon früher hatte."


Anfang des Jahres gab es bereits einen Stadtrundgang, der vollkommen unbekannte Facetten der Freiburger Lokalgeschichte in Hinblick auf Parapsychologie abarbeitete. Damals betrachtete man den Zeitraum 1880 bis 1945 näher. Nun folgt die Fortsetzung:

27 Studierende haben vergangenes Sommersemester die Stadt Freiburg als sogenannten 'locus occultus' untersucht, im Rahmen eines Hauptseminars des Historischen Seminars. Sie haben den öffentlichen Stadtrundgang in Zusammenarbeit mit dem Institut für Medienkulturwissenschaft, dem Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) sowie dem Freiburger Geschichtsforscher Günther Klugermann erarbeitet. Ausgangspunkt war ein Bericht aus dem Jahr 1986 mit dem Titel 'Freiburg - locus occultus'. Verfasser war der Journalist Albert Sellner, der Freiburg als Stadt mit einer blühenden Esoteriklandschaft beschrieb.

Die Jahre 1945 bis 1990 bilden bei diesem Stadtrundgang einen besonderen Schwerpunkt: Im Jahr 1950 gründete der Freiburger Professor Hans Bender das IGPP. Spätestens seit diesem Zeitpunkt galt die Stadt Freiburg als "Mekka der Parapsychologie". Doch auch darüber hinaus findet sich eine Reihe von Vereinen, Verlagen und Veranstaltungen in Freiburg, die sich mit "okkulten" Themen wie Hellsehen, Telepathie, Trancezuständen, Spuk etc. beschäftigen.

Die Referentinnen und Referenten verbrachten Wochen damit, Freiburger Archive zu durchstöbern. Sie haben Quellen wie Zeitungsanzeigen, Aushänge und Tagebücher ausgewertet und auf dieser Grundlage einen Stadtrundgang entwickelt. "Am spannendsten fand ich die Recherche nach den Traumtagebüchern von Christine Mylius", sagt Judith Wittwer. "Sie war der Meinung, Wahrträume zu haben und hat ihr Aufschriebe ans IGGP geschickt."

Beispielsweise wird der Stadtrundgang einen Halt am Peterhof machen. Dort war früher die Psychologie der Uni angesiedelt, wo Hans Bender lehrte und seine Vorlesungen hielt. Im Keller sollen die Besucher das Leben von Bender genauer kennenlernen.



Der Standort des ehemaligen Buchladens Labyrinth in der Gartenstraße ist eine weitere Station. Dies war ein esoterischer Buchladen, der auch eine eigene Zeitschrift hatte. Außerdem galt er als Anlaufpunkt für an der Esoterik Interessierte.

Der etwa zweistündige Stadtrundgang führt, vorbei am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, quer durch die Stadt. An verschiedenen Stationen werden die Studierende ihre Forschungsergebnisse vorstellen und den Orten in Freiburg eine neue Bedeutung geben.

Mehr dazu:

Was: Stadtrundgang "Freiburg – locus occulutus?" (1945 – 1990)
Wann: Sonntag, 5. Oktober 2014, 11 Uhr
Wo: Treffpunkt: Haupteingang Kollegiengebäude I (KG I), Platz der Universität 3   [Foto: Archiv des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene]