Warum Flüchtlinge in Freiburg Äpfel pflücken

Sebastian Heilemann

Flüchtlinge haben es oft schwer, ihren Platz in der Gesellschaft und Arbeit zu finden. Ein Freiburger Projekt will ihnen dabei helfen: indem es ihnen Streuwiesen vermittelt, auf denen sie Äpfel ernten können.



Ein bunt bemalter Bus hält auf dem feuchten Gras einer Wiese in St. Georgen. Sechs Männer steigen aus und beginnen mit der Arbeit. Einer von ihnen klettert auf den Apfelbaum, neben dem der Bus geparkt hat. Der junge Mann schüttelt den Baum. Die reifen Äpfel regnen auf das Gras, die anderen beginnen damit, das Obst in Säcke zu füllen.


Die Männer sind Teil eines Projekts für Flüchtlinge des Projektverbunds Bleiberecht Freiburg. Der Sozialpädagoge Markus Fugmann leitet das Projekt. "Es ist wichtig, den Menschen eine Abwechslung zum tristen Alltag des Wohnheimes zu bieten", sagt er. Das Ziel sei es, die Flüchtlinge für eine Berufstätigkeit zu qualifizieren und ihnen den Einstieg in die Arbeitswelt zu ermöglichen.

Omar Dimbaga, 24, stammt aus Gambia in Westafrika. Vor acht Monaten floh er von dort nach Europa. Auf einem kleinen Boot mit 25 Menschen überquerte er von Marokko aus das Mittelmeer. Seine Reise führte ihn von Spanien, wo er auch schon als Erntehelfer arbeitetete, über Frankreich nach Deutschland. "Ich bin sehr froh, dass ich hier arbeiten kann", sagt er.

Einer der anderen Männer schultert einen großen Sack mit Äpfeln und lädt ihn auf eine Schubkarre. Aus solch einem Sack werden bis zu 20 Liter Apfelsaft gepresst. Der Saft wird dann verkauft und kommt dem Projekt zugute. Die Arbeiter bekommen dafür ein Essen und erhalten natürlich auch etwas von dem Saft für sich und ihre Familien.



"Die Männer sollen auch etwas vom Ergebnis ihrer Arbeit sehen", sagt Projektleiter Fugmann. Das würde die Männer bestätigen und motivieren. Außerdem erhalten die Männer eine Regiokarte, um zur Arbeit zu kommen. Der restliche Erlös bekommen die Flüchtlingswohnheimen in Freiburg. Davon werden Eintrittskarten in Schwimmbäder, Sommerfeste oder Sportgeräte finanziert.

Bastri ist 24 Jahre alt und kommt aus dem Kosovo. Er lebt seit vier Jahren in Deutschland - ohne Aussicht auf eine feste Anstellung. Er hat ein Praktikum gemacht und sogar eine Ausbildung zum Pflegeassistenten; einen Job bekam er nicht. Er hat eine Ehefrau und eine kleine Tochter, die schon in den Kindergarten geht. Er spricht nach vier Jahren gut deutsch und fühle sich integriert, sagt er. Auch zuhause mit seiner Tochter würde er vor allem Deutsch sprechen. "Zurück kann ich nicht, ich habe im Kosovo keine Zukunft", sagt er und beginnt wieder mit der Arbeit.

Die Äpfel gehören eigentlich Privatleuten, die ihre Bäume nicht selbst bewirtschaften wollen oder können und sie dem Projekt zur Verfügung stellen. Durch Zeitungsanzeigen hatte das Projekt dazu aufgerufen - mit Erfolg. "Es wäre schade, wenn das ganze Obst vergammeln würde", sagt Fugmann.
Der Projektverbund Bleiberecht, der vom Europäischen Sozialfond und dem Arbeitsministerium finanziert wird, ist in der zweiten Förderperiode. Die Fortsetzung ab 2014 ist daher noch ungewiss.

Wer den "fairen Saft" kaufen will oder selbst noch einen Apfelbaum zur Verfügung stellen kann, kann sich direkt an Markus Fugmann wenden.

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