Warum fährt eine Ex-Freiburgerin in "Feuchtgebiete" Longboard? 5 Antworten von Fee Bücheler

Martin Herceg

Ab morgen läuft in den Kinos die Verfilmung von Charlotte Roches Skandalroman "Feuchtgebiete". Darin werden auch die Beine der Ex-Freiburgerin Fee Bücheler zu sehen sein - auf einem Longboard, gleich zu Anfang. Wie's dazu kam, dass Fee in dem Schmuddelfilm mitspielt und was ihr bereits am Roman gefallen hat:



Liebe Fee, wie hast du's in die Verfilmung von "Feuchtgebiete" geschafft?


Fee Bücheler
: Das Produktionsteam und der Regisseur David Wnendt haben letztes Jahr eine Stuntfrau gesucht, die richtig gut Longboard fahren kann und deutsch spricht. Und da es nur wenige Frauen in Deutschland gibt, die das so gut können, bin ich wohl im Raster hängen geblieben, bekam den Anruf und habe mich riesig gefreut.
Hätte das die Hauptdarstellerin Carla Juri nicht selbst machen können? Die Schwierigkeit war, dass alles barfuß abging. Ich musste super nah am Shotmaker (Kamerawagen mit Krahn; Anm. d. Redaktion) dran skaten. Da gab es keine Ausweichmöglichkeiten. Der einzige Schutz, den ich hatte, war ein Helm.

Wenn man da jemanden ohne Erfahrung den Mehringdamm runterschickt, kann auch durchaus was Schlimmeres passieren. Mir ist zum Glück nichts passiert. Ich hatte nur unglaublich kalte Füße, weil im Oktober gedreht wurde und ich ja barfuß fahren musste. Aber die Filmcrew hat mir vier wunderbare Frauen zugewiesen, die meine Füße gepflegt und gewärmt haben.  
Wie lange musstest du durch Kreuzberg fahren, bis deine Szenen im Kasten war? Meine Szenen wurden an gerade einmal einem Tag abgedreht. Das hat insgesamt 14 Stunden gedauert und war ziemlich anstrengend. Tags drauf habe ich auch ganz gut Muskelkater gehabt. Aber die Filmcrew war echt super nett und die haben sich wirklich toll um mich gekümmert. Hab mich dort sehr wohl gefühlt.

Insgesamt war ich vier Tage involviert. Zwei Tage haben wir nur nach einer Location für die Skateszene gesucht. Dabei habe ich auch die Hauptdarsteller Carla Juri kennen gelernt. An meinem Drehtag hat sie auch ein paar Szenen abgedreht, und sie war wirklich sehr sympathisch - eine Frau, in die man sich verlieben kann.


Wie kamst du eigentlich zum Longboardfahren? Ach, das ist schnell erzählt. Ich hab schon früh mit dem Snowboardfahren angefangen und habe jedes Frühjahr extreme Depressionen bekommen, wenn der Winter vorbei ging. Vor circa 14 Jahren haben mich meine Freunde dann zum ersten Mal auf ein Longboard gestellt und gesagt: Da! heul jetzt nicht mehr rum und stell dich aufs Brett!

Mittlerweile mag ich den Sommer sogar mehr als den Winter. Das Longboard ist ein sehr individuelles Gerät, das du überall benutzen kannst.
In deinem Blog schreibst du, dass dir der Roman "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche auf Anhieb sehr gut gefallen hat. Eigentlich finden den doch alle eklig ... Charlotte Roche spricht ein Thema an, das in meiner Generation noch voll tabu ist. Beeindruckend fand ich zum einen die Situation, in der das Mächen steckt - also die Kombination aus Elternkonflikt und Trennungsgeschichte, die Roche sehr gut aufarbeitet. Zum anderen ist da das sexuelle Thema: Wir sind ja eigentlich alle doch noch total verstockt. Gleichzeitig schreit die Gesellschaft aber 'Sex Sells' – überall nur hübsche Menschen. Wie es tatsächlich ist, wird nach außen nirgendwo dargestellt.

Der Film wird das Thema treffen, denke ich. Man hat eben nur einen Körper, und mit diesem kann man auch ganz natürlich umgehen. Da braucht es kein Plastik drumherum und keine Verkleidung.

Feuchtgebiete - Trailer

Quelle: YouTube


Zur Person



Fee Bücheler, 31, lebte von 2004 bis 2011 in Freiburg. In dieser Zeit hat sie als Thekerin im Waldsee gearbeitet und nebenher den Longboard-Online-Shop Layback aufgebaut. Zwischendrinnen gründete sie das Longboard-Label Hügelherzblut. Nach ihren Freiburger Jahren war sie fast zwei Jahre lang zusammen mit ihrem Hund auf Reisen. In dieser Zeit nahm sie mit ihrem Longboard weltweit an Downhill-Skate-Events teil.

Seit Kurzem ist sie zurück in ihrer Heimatstadt Stuttgart und arbeitet in einem Skateboardvertrieb. Nebenher arbeitet sie als Freelancerin für freestyle.ch,gibt Workshops und Trainingscamps für Mädels, die das Longbordfahren erlernen wollen und schreibt das Weblog rundherum.

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[Fotos: Fee Bücheler]