fudder-Interview

Warum es in Freiburg bald Fortnite-Tanzkurse gibt

Antonio Jung

Tanzkurse zu den Tänzen eines Videospiels, in dem Kinder rumballern dürfen? Matthias Blattmann, Inhaber der Tanzschule Gutmann, bietet bald Tanzkurse zum Videospiel Fortnite an. fudder erklärte er seine Idee im Interview.

Herr Blattmann, mit Ihrer Idee, die Tänze von Fortnite in Ihrer Tanzschule aufzugreifen, wollen Sie Kinder, die ihre Freizeit oft mit Computerspielen verbringen, zu mehr Bewegung anregen. Wie sind Sie darauf gekommen?

Meine eigenen Jungs, zehn und zwölf Jahre alt, spielen selbst Fortnite. Sie sind von diesen sogenannten Siegertänzen total begeistert, lernen eifrig alle auswendig und probieren diese dann bei uns zu Hause aus.

Wie sieht Ihr Konzept dazu genau aus? Gab es schon eine Art Testlauf?

Wir hatten tatsächlich schon einen kleinen Testlauf mit Jungs zwischen elf und 13 Jahren. In Proben haben wir ein paar Tänze von Fortnite aufgegriffen und den Jungs jedes Mal einen anderen beigebracht. Sie waren sofort begeistert. Der offizielle Start ist nach den Herbstferien. Die Tanzkurse sind hauptsächlich für Jungs zwischen elf und dreizehn Jahren gedacht, da Fortnite überwiegend von Jungs gespielt wird und in unseren anderen Tanzkursen mit Kindern kaum Jungs vertreten sind. Sollten Mädchen doch Interesse haben, dann sind sie natürlich auch willkommen.

"Spiele wie Fortnite oder Serien wie Babylon Berlin sind fantastische Aufhänger."

Es geht bei diesen Tanzstunden also wirklich nur um Fortnite?

Natürlich sind diese Tanzstunden zu den Siegertänzen von Fortnite auch immer Technikstunden. Viele der Tänze des Videospiels sind einfach, es gibt aber auch anspruchsvollere Moves. Die Tänze sind auf die Technik im Hip Hop übertragbar, weshalb sie auch nützlich für andere Choreografien sein können. Dadurch erhoffen wir uns natürlich, auch bei den Kindern die Begeisterung am Tanzen zu erwecken. Durch die neue Serie Babylon Berlin ist das Interesse an Swing-Tänzen zum Beispiel auch deutlich gestiegen. Spiele wie Fortnite oder Serien wie Babylon Berlin sind fantastische Aufhänger.

Wie sieht ein solcher Siegestanz denn zum Beispiel aus?

Der bekannteste Move ist "The Floss". Zu deutsch Zahnseide, er wird deshalb auch Zahnseide-Tanz genannt. Hierbei wischt der Tänzer mit seinen Armen auf Hüfthöhe hin und her. Gleichzeitig bewegt er seine Hüfte mit gegenläufigen Bewegungen in die jeweils andere Richtung. Viele Menschen kennen diesen Tanz durch Nachahmungen von Kindern auf der Straße, wissen aber nicht, dass es sich dabei ursprünglich um ein Videospiel handelt.

"Fortnite ist ein bekanntes Spiel und das Thema Nummer eins auf dem Schulhof."

Haben Sie Ihre Tanzlehrer für die Realisierung solcher Tanzstunden zum Zocken nach Hause geschickt?

Da viele unserer Tanzlehrer zwischen 18 und 22 Jahre alt sind, sind sie über Fortnite informiert oder spielen es selbst. Ihnen machen diese Tanzstunden richtig viel Spaß.

Und wie ist die Reaktion der Eltern?

Die Eltern aus der Klasse meiner zwei Jungs zum Beispiel finden das super lustig. Sie sind froh, dass ihre Kinder dadurch mal rauskommen und sich bewegen.

Wie präsent ist das Thema Fortnite bei den Kindern und in der Familie? Wird wirklich so viel gezockt?

Ich glaube, es geht um Computerspiele und das Handy generell, da beide bei vielen Kindern leider dauerpräsent sind. Die Hausaufgaben werden nicht gemacht, weil man lieber spielt. Und statt mit den Eltern oder Freunden zu sprechen, wird lieber auf den Bildschirm gestarrt. Dadurch entsteht ein allgemeiner Kontaktabbruch, weshalb Computer und Handy ständig auch Themen innerhalb der Familie sind, weil zum Beispiel das ausgemachte Zeitlimit von den Kindern nicht eingehalten worden ist. Durch das Aufgreifen der Tänze eines bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebten Videospiels wollen wir die jungen Spieler dadurch zu mehr Bewegung anregen und begeistern.

"Durch ein Spielverbot wäre das Spiel für Kinder noch interessanter als sowieso schon."

Befürchten Sie, durch solche Tanzkurse jüngere Kinder, die davor mit Fortnite noch nichts zu tun hatten, zum Spielen anzuregen?

Nein. Fortnite ist so ein bekanntes Spiel und das Thema Nummer eins auf dem Schulhof. Sollte es wirklich jemanden geben, der von seinen Klassenkameraden noch nicht infiziert wurde, wird er sich auch nicht für unsere Tanzkurse interessieren.

Die USK hat Fortnite ab 12 freigegeben. Finden Sie die Altersfreigabe angemessen?

Man muss bedenken, dass es weitaus brutalere Shooter als Fortnite gibt, bei denen bei Gegnern das Blut nur so spritzt. Durch ein Spielverbot wäre das Spiel für Kinder noch interessanter als sowieso schon. Deshalb glaube ich, dass es besser ist, sie beim Umgang mit Computerspielen wie Fortnite zu begleiten, anstatt es ihnen komplett zu verbieten. Zudem waren zu meiner Zeit auch schon viele Computerspiele auf das Schießen ausgerichtet. Neben den ganz klar negativen Aspekten des Spiels wird aber zum Beispiel das taktische Denken der Kinder gefördert.

Sie sprechen vom "Begleiten". Medienpädagogen raten den Eltern, einfach mal mitzuspielen. Haben Sie schon einmal Fortnite gezockt?

Ich habe es ausprobiert. Man muss die Waffe wechseln, dann schnell eine Festung bauen. Fortnite ist anspruchsvoll. Das geht mir zu schnell und da bin ich dann auch zu schlecht. Dann wird einem wieder bewusst, wie schnell sich Kinder etwasmerken können.

Zur Person

Matthias Blattmann, 45, ist einer der drei Inhaber der Tanzschule Gutmann in Freiburg. Er ist ausgebildeter Tanzlehrer und war mehrmals Landesmeister von Baden-Württemberg in den Kategorien lateinamerikanische Tänze und Standardtänze.
Infos zum Kurs

  • Wann: ab der zweiten Novemberwoche montags 16 bis 17 Uhr und donnerstags 18 bis 19 Uhr
  • Wo: Ballhaus, Freiburg
  • Preise: 1x Tanzen/Woche 33 Euro/Monat, unbegrenzt 53 Euro/Monat

Infos zum Spiel

Spielprinzip

Spielprinzip von Battle Royale ist, dass hundert Spieler aufeinander schießen, bis nur noch einer übrig ist. Es fließt kein Blut: Die Getöteten verschwinden in einem blauen Lichtkegel. Bei Spielstart startet man zusammen mit 99 anderen Spielern auf einer Insel, die man erkundet, um möglichst gute Ausrüstung und Waffen zu sammeln. Der Spieler hackt zum Beispiel aus Bäumen Baumaterialien heraus, um Brücken und Verteidigungsanlagen bauen zu können. Diese werden strategisch gegen andere schießwütigen Gegner eingesetzt. Das Spielfeld wird immer kleiner, bis nur noch ein Spieler übrig bleibt.

Neben den gängigen Konsolen ist das Spiel seit Kurzem auch für Smartphones kompatibel.

Hype um die Tänze

Mittlerweile verfügt "Battle Royale" über Millionen von Spielern weltweit. Tanzbewegungen können für die Online-Charaktere im Comic-Design direkt im Spiel gekauft werden, wodurch Epic Games bereits die Milliardengrenze an Einnahmen knackte. Damit können die Zocker ihre Charaktere im Spiel beliebig tanzen lassen. Die Folge: Zahlreiche Kinder ahmen diese Tänze beim Spielen auf der Straße nach, Fußballstars wie Antoine Griezmann beim Torjubel - ein regelrechter Hype ist um die Tänze in Fortnite entstanden.