Warum eine Küche im neuen Stück der Maniacts eine enorm wichtige Rolle spielt

Julia Caspers

Es ist der Ort, an dem gekocht und gegessen, sich über Alltägliches ausgetauscht oder gestritten wird – und wo es die besten Partys gibt: die Küche. Um sie dreht sich alles in der neuen Aufführung der englischsprachigen Theatergruppe Maniacts.

Welche Rolle können 27 Toaster in einem Theaterstück spielen? Bei der neusten Aufführung der Theatergruppe Maniacts eine besondere – welche, sei an dieser Stelle allerdings nicht verraten. Nur so viel: Das ganze Stück spielt in einer Küche.


"Mich hat diese Idee der Küche als Rahmen für das Theater gereizt. Es ist ein alltäglicher und doch so zentraler Ort in unserem Leben, das macht es für mich umso interessanter", sagt Maria-Xenia Hardt. Sie ist für die Regie des Theaterstücks "American Kitchen" zuständig, das in den kommenden zwei Wochen aufgeführt wird. Es ist eine Kombination der Theaterstücke "True West" von Sam Shepard und "A Coupla White Chicks Sitting Around Talking" von John Ford Noonan.

Zwei unabhänige Stücke – mit verblüffenden Parallelen

"True West" handelt von den beiden Brüdern Lee und Austin, die das Haus der Mutter in ihrer Abwesenheit hüten sollen. Da beide Charaktere unterschiedlicher nicht sein könnten, birgt die Situation großes Konfliktpotential. Im Werk von John Ford Noonan wiederum drängt sich die gerade frisch zugezogene Hannah Mae ihrer Nachbarin Maude auf. Letztere reagiert zunächst skeptisch, bis sie feststellt, dass die beiden sich im Ringen um ihre Frauenrolle nicht so unähnlich sind.

Schon länger wollte Maria-Xenia Hardt "True West" auf die Bühne bringen. Der Tod des Autors Sam Shepard im letzten Jahr war schlussendlich der Anlass, mit der Umsetzung zu beginnen. Auf der Suche nach einem passenden Pendant mit weiblichen Darstellern, stieß sie auf das Werk von Noonan. Es sind zwei unabhängige Stücke mit verblüffenden Parallelen.

Die Geschichten spielen im Amerika der 70er

Die Regisseurin ist begeistert, wie gut sich die Werke ergänzen: "Die lustigen Stellen in "True West" würden ohne das Gegenstück nicht so schön zum Vorschein kommen und "A Coupla White Chicks Sitting Around Talking" wiederum hätte nicht dieselbe Tiefe."

Beide Geschichten spielen im Amerika der 70er Jahre und thematisieren über den Zeitraum einer Woche hinweg die Konflikte zweier Hauptfiguren. In unterschiedlicher Frequenz alternieren die Darbietungen auf der Bühne. "Der Wechsel ist das Schwierigste, aber gleichzeitig auch das Spannendste an der Inszenierung", sagt Christina Schlögl, welche die Figur der Maude verkörpert. Die Geschichten entwickeln sich parallel und unterbrechen einander, ohne dass die jeweiligen Schauspieler interagieren.

Die Küche bleibt der kleinste gemeinsame Nenner

Als kleinster gemeinsamer Nenner bleibt die Küche. Sie ist der ganze Stolz der Theatergruppe und mit viel Liebe zum Detail hergerichtet. Dabei dient sie nicht nur als Requisite, sondern kommt rege zum Einsatz. Es wird Kaffee gekocht, Kekse gebacken, Sandwiches geschmiert oder eifrig Weißbrot getoastet. Das ist unterhaltsam und sorgt zusätzlich für das ein oder andere interessante Geruchserlebnis.

Es soll eine Theaterproduktion werden, in dessen alltäglichen Geschehnissen man sich wiederfinden kann und gleichzeitig auch viel vom Lebensgefühl im Amerika der späten 70er Jahre erfährt. Nicht nur die schauspielerische Leistung, sondern auch die erfrischende Verflechtung zweier Handlungsstränge innerhalb eines Bühnenbildes versprechen einen gelungenen und unterhaltsamen Abend. In Küchen entstehen also nicht bloß die besten Partys, sondern auch grandiose Theaterstücke.
Was: Theaterstück "American Kitchen" (auf Englisch)
Wann: Donnerstag, 8.Februar, bis Samstag, 10 Februar, sowie Freitag, 16. Februar, bis Sonntag, 18. Februar, jeweils um 19.30 Uhr.
Wo: Theaterfistung, Friedrichstraße 39, Freiburg
Eintritt: 7 Euro (ermäßigt 5 Euro)
Web: Facebook-Seite Maniacts