Warum eine Harvard-Studentin Freiburger Schülern das US-Wahlsystem erklärt

Hanna Teepe

Im November haben die Amerikaner die Qual der Wahl: Präsident Barack Obama oder sein Herausforderer Mitt Romney? In der vergangenen Woche hat die Harvard Studentin Jihye Choi Schülerinnen und Schülern in einem Workshop erklärt, wie das US-Wahlsystem funktioniert, und warum es sich lohnt, auch als Europäer darüber Bescheid zu wissen.


„Wer von euch interessiert sich denn für Politik? Und wer für die USA? Was kommt euch als erstes in den Sinn, wenn ihr an Amerika denkt?“ Mit diesen Fragen eröffnet die 20-jährige Jihye Choi ihren Workshop zu den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen dieses Jahres. Dieser Workshop geht von der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) aus und richtet sich an Schüler der Sekundarstufe. Anja Gleißner, die mit Jihye zusammen ein Praktikum bei der LpB macht, unterstützt Jihye tatkräftig.


Die Antworten auf die einleitenden Fragen bleiben zurückhaltend. Bald stellt sich heraus, dass sich nicht viele für Politik und die USA –  und vor allem Politik in den USA – interessieren. Das möchte Jihye mit ihrem Workshop ändern. Gemeinsam mit Anja kam Jihye auf die Idee diesen Workshop zu halten und somit Schülern Einblick in die Wahlen aus der Sicht einer US-Amerikanerin zu bekommen.

Die zierliche Harvard-Studentin besitzt ein lockeres und souveränes Auftreten, was sofort sympathisch wirkt. Immer wieder bekräftigt sie: „Wenn ich zu schnell rede oder etwas nicht verständlich für euch ist, sagt mir sofort Bescheid!“ Denn Jihyes Vortrag findet ausschließlich auf Englisch statt. Da sie erst seit Januar in Deutschland ist, sind ihre Deutschkenntnisse noch nicht so ausgereift.

Jihye ist im Rahmen des ersten Austauschprogramms zwischen der Uni Freiburg und Harvard University für sechs Monate in Freiburg. Dieser Aufenthalt sieht auch ein Praktikum vor, das Jihye bei der landeszentrale für politische Bildung Freiburg absolviert.

Bevor sie die beiden wichtigsten Parteien – Demokraten und Republikaner – vorstellt, erklärt sie die Gründe, weswegen die Wahlen von Bedeutung sind. Die USA unterhalten viele Beziehungen zu europäischen Staaten. Sie sind Mitglied in vielen transatlantischen Gemeinschaften wie der NATO, der G20 oder der UN. Die Wahl eines möglicherweise neuen Präsidenten beeinflusst all dies. Und nicht nur das, auch die Weltwirtschaft wird Auswirkungen zu spüren bekommen.

Mit viel Ruhe erklärt Jihye, wie genau die Wahl zum Präsidenten verläuft. Vom „Announcement“. der Ernennung zum Präsidentschaftskandidaten, über die einzelnen Wahlgänge bis hin zur „Inauguration“, dem offiziellen Amtsantritt. Um die vielen Fachbegriffe auf Englisch besser verstehen zu können, haben Jihye und Anja ein Vocabulary Sheet für die Workshopteilnehmer angefertigt.

Am Ende des dreistündigen Workshops dürfen die Schülerinnen und Schüler selber ihren Präsidenten wählen und Gründe dafür angeben. 27 stimmen für Obama, vier für Romney und einer enthält sich. Gründe für diese Entscheidung sind zum Beispiel, dass Obama „cool sei“ oder „liberaler und offener“.

Das Feedback der Schüler ist unterschiedlich. Katharina sagt: „Ich finde den Workshop wirklich gut, Jihye hat das toll gemacht.“ „Ich interessiere mich allgemein nur nicht so sehr für Politik. Ich habe das Wahlsystem in den USA jetzt besser verstanden. Trotzdem ist mein Interesse nicht unbedingt gestiegen“, sagt Nathalie.

Auch wenn manche Schüler etwas zurückhaltend waren, ist Jihye zufrieden: „Es ist toll, wie aufmerksam alle während dieser drei Stunden waren und wie gut manche mitgearbeitet haben.“ Sie ist schon sehr gespannt auf ihre weiteren Termine. Denn bis Ende Juli, so lange sie noch in Deutschland ist, gibt sie noch sieben weitere Workshops in Freiburger Gymnasien. Vielleicht kann Jihye noch bei anderen Interesse wecken.

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[Bild 1: dpa; Bild 2: Privat/Sasha Mironov]