Warum ein Leichenwagen mit zerstochenen Reifen vor dem KG 2 steht

Paul Kramer & Marius Buhl

Seit einer Woche steht er vor dem KG 2 - ein grauer Leichenwagen mit zerstochenen Reifen. Unistudenten rätseln, die Hausmeister wissen von nichts und auch die Polizei war anfangs ratlos. Inzwischen ist klar, was es mit dem Wagen auf sich hat:



Mausgrau steht er da, schräg geparkt, seit einer Woche unverändert: der Leichenwagen vor dem KG 2. Um ihn herum: rätselnde Unistudenten und Passanten, Stehenbleiber und Gaffer. Sie lugen durch die Scheiben, klopfen, laufen kopfschüttelnd weiter. Ein Mathestudent meint: "Hoffentlich liegt da keine Leiche drin. Das wäre verrückt." Sein Kollege meint: "Ne, das würde man riechen."


Es ist ein Mysterium, ein ungelöstes Rätsel. Warum stellt jemand einen Leichenwagen vorm KG2 ins Parkverbot, warum sind seine Reifen platt, und vor allem, was passiert nun mit dem Wagen?

Hier die Antworten:

1. Warum steht ein Leichenwagen vor dem KG 2?

Die einzigen Hinweise: Das Pforzheimer Kennzeichen, und eine inzwischen abgekratzte Aufschrift eines Musikgeschäfts auf der Seite: Wählt man die Nummer, bekommt man folgende Auskunft: "Ja der Wagen war mal unserer, der wurde aber längst verkauft." An wen, wissen sie dort nicht mehr.

Ruft man bei der Polizei an, kriegt man am Dienstagmittag noch keine Auskunft. Laura Riske, Pressesprecherin der Polizei Freiburg: "Wir wissen nichts von einem Leichenwagen, werden uns aber darum kümmern."

Recherche vor Ort. Der Leichenwagen steht auf einem Behindertenparkplatz, allerdings ist das Rollstuhlzeichen durchgestrichen. Auf seinem Dach steht eine Pylone. Die Reifen sind platt. Auf der Frontscheibe liegt eine Pforzheimer Zeitung, unterm Scheibenwischer steckt ein Strafzettel. 30 € kostet das Parkvergehen. Bislang.

Carlo*, 55, sitzt oft auf der Mauer vor der KG2-Wiese. Auch am Dienstagnachmittag. Er hat ein Bier dabei, redet aufgeregt mit seinen Kollegen. Er weiß, was es mit dem Wagen auf sich hat, er hat den Besitzer schon getroffen: "Der ist nicht von hier, das ist ein Obdachloser von weiter weg. Als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, hatte er einen rosa Cowboyhut auf. Ist bisschen verrückt der Mann."

Und was macht der Mann mit dem Leichenwagen vorm KG 2? "Den hat er sich gekauft, für tausend Euro", sagt Carlo, "und da schläft er jetzt drin. Kommt mal mit."

Listig schleicht er um den Leichenwagen, öffnet den Kofferraum und klappt den Deckel auf. Darin: Eine große Matratze, ein Schlafsack, daneben eine Kaffeekanne und Zeitungen."

Carlo weiß: "Da schläft der Mann, allerdings ist er tagsüber oft weg, auch heute wieder. Wo er ist, weiß ich nicht." Er schließt den Deckel.

Wo der Mann ist, weiß dann schließlich doch Laura Riske, Pressesprecherin der Polizei: "Der Halter und Fahrer des Fahrzeugs wurde am 1.7. aus akuten medizinsichen Gründen ins Krankenhaus gebracht. Wie lange er dort ist wissen wir nicht."

und der Leichenwagen?  "Es handelt sich nicht mehr um einen richtigen Leichenwagen. Früher war das zwar einer, inzwischen ist er aber nicht mehr als solcher registriert."

Warum sind die Reifen des Wagens platt?

Die Reifen wurden zerstochen. An jedem einzelnen sind daumenbreite Messereinstiche zu erkennen. Wer das war ist unbekannt. Carlo vermutet: "Das ist in der Nacht passiert; als ich am Abend weg bin, waren die Stiche noch nicht da. Als ich am Morgen kam schon. Ich will ja nichts vermuten was nicht stimmt, aber: Das könnten Studenten gewesen sein, die in der Nacht hier durch kamen."

Ein Zivilpolizist sagt: "Es ist sehr ungewöhnlich, dass jemand Reifen zersticht. Normalerweise passiert so etwas unter verfeindeten Gruppen, hier ist jedoch kein Anzeichen dafür zu sehen. Für einen nächtlichen Studentenstreich halte ich das aber auch nicht. Da würde man doch eher die Luft ablassen, aber zerstechen ist Sachbeschädigung. Wir gehen der Sache nach."

Was passiert mit dem Wagen?

Die Polizei lässt den Wagen erstmal stehen. Da es sich nicht um einen Leichenwagen im Dienst handele, sondern um einen ausrangierten, sei die Zuständigkeit der Polizei erstmal erloschen. "Was der Gemeindevollzugsdienst macht, wird man sehen, damit haben wir aber nichts zu tun."

Einen Strafzettel hat der Leichenwagen-Fahrer schon erhalten. Ein Herr vom Gemeindevollzugsdienst meint: "Der Fahrer erhält irgendwann einen grünen Punkt auf die Windschutzscheibe, dann hat er noch ca 4 Wochen Zeit. Dann schleppen wir ab. Dass der Fahrer im Krankenhaus liegt, hat darauf keine Auswirkungen."

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