Warum ein Freiburger Sänger sein Musikvideo in einer Londoner Kirche gedreht hat

Franziska Lorenz

Eine alte Kirche in London und ein Mikrofon: Der Freiburger Sebastian Hesselmann hat in England ein minimalistisches Musikvideo gedreht. Wir haben mit ihm gesprochen über das Video und warum es auf Englisch einfacher ist, über Liebe zu schreiben.

Der Freiburger Sebastian Hesselmann studiert Englisch und Geschichte auf Lehramt, nebenbei macht er Musik. Der 25-Jährige hat im Rahmen eines Praxissemesters für acht Monate in der Nähe von London gelebt, dort hat er auch sein neues Musikvideo gedreht. fudder hat mit ihm gesprochen.


Sebastian, wie kam es zu dem Video in der Londoner Kirche?

Sebastian: Bei meiner aller ersten Open Mic Session in einem Londoner Secondhandshop, habe ich Max kennegelernt . Er hat Fotos bei der Session gemacht und hat mir dann irgendwann erzählt, dass er auch Videos macht. Irgendwann hat er dann erzählt, dass er einen Deal mit dieser Kirche bekommen hat und dann habe ich natürlich sofort gesagt ich will auf jeden Fall diese Session machen.



Die Akustik in der Kirche war so unfassbar krass, den ersten Take habe ich total versaut weil ich so begeistert davon war. Dann habe ich gesagt, es wäre cool wenn wir noch einen deutschen Song machen könnten. Es war also tatsächlich Zufall.

Wie unterscheiden sich London und Freiburg musikalisch?

Ich finde Freiburg hat eine sehr familiäre Musikszene. Es ist so, dass man sich eben kennt, schätzt und unterstützt. Das finde ich wahnsinnig cool hier in Freiburg. In London ist das schon auf Grund der Größe nicht möglich. Meine erste Erfahrung war, dass ich in London auf Open Mic Sessions gespielt habe, davon gibt es täglich einige, und dort sind viele gute Musiker. In Freiburg ist das alles übersichtlich, da kennt man irgendwann die Szene aber das geht in London gar nicht.

Meine erste Open Mic habe ich in einem Secondhandshop im Schaufenster gespielt und von den 20 Leuten die dort aufgetreten sind, waren 19 unfassbar gut und man denkt sich so: "Oha, was ist hier los ?". Das ist einfach eine wahnsinnige Konkurrenz. Ein Freund von mir hat in London in einer renommierten Location gespielt und hat für den Auftritt mit seiner Band 150 Pfund bekommen. Das dann aufteilen auf fünf Leute, da kannst du nicht Leben und nicht Sterben von. Das ist in London schon sehr krass, da gibt es ein Hauen und Stechen um die Konzerte.

Wie kamst du zur Musik?

Ich mache eigentlich schon immer Musik, ich habe mit drei Jahren musikalische Früherziehung gemacht und mit sechs habe ich dann angefangen Horn zu spielen. Irgendwann habe ich mit dem Singen begonnen und wollte mich nicht mehr mit Karaoke begleiten. Also habe ich mir einfach die Gitarre beigebracht. So kam es irgendwann, mit 17 oder 18 fing ich an eigene Songs zu schreiben und dann entwickelte sich das immer weiter. Irgendwann kam das Bedürfnis damit aufzutreten und dann kam das Eine zum Anderen.

Du bist im Moment noch Student, willst du die Musik später zu deinem Beruf machen?

Also ich studiere Englisch und Geschichte auf Lehramt und mache die Musik so nebenher. Ich weiß ja selber, dass es schwierig ist mit Musik sein Geld zu verdienen, aber es wäre natürlich schön, wenn man damit mehr erreichen könnte. Deshalb mache ich das so professionell, wie es eben geht im Rahmen meiner Möglichkeiten und schaue dann mal was so passiert. Letztes Jahr habe ich meine EP veröffentlicht. Vielleicht kann man ja irgendwann eine CD veröffentlichen, also ein ganzes Album. Ich habe auf jeden fall ein paar Pläne für die nächsten Monate.

Woher bekommst du die Inspiration für deine Songs?

Ganz unterschiedlich, es sind eigentlich alle aus persönlichen Erlebnissen entstanden, mehr oder weniger biografisch von dem was ich so mitbekomme. Beispielsweise mein neuer Song "Dämme". Ein sehr guter Freund von mir studiert in Wien und spielt dort in einem Jazz-Trio. Von diesem Trio ist letzten Oktober der Schlagzeuger im Alter von 28 Jahren gestorben und das ist ja eigentlich ein Alter, in dem man nicht sterben sollte. Das fand ich sehr traurig.

Über Silvester habe ich dann meinen Kumpel getroffen und der hat mir erzählt, dass der Verstorbene wohl sehr einsam gewesen sein muss. Bei der Beerdigung haben die anderen Zwei dann erfahren, dass ihm die Band wohl wichtiger war, als es den Anschein hatte. Das fand ich sehr krass und habe darüber diesen Song geschrieben.

Wo hast du den Song dann geschrieben?

Den habe ich tatsächlich in England geschrieben, das war kurz nach Silvester, als mein Kumpel mir mehr über den Tod von seinem Band-Kollegen erzählt hat. Ich fand das Ganze sehr traurig und habe dann den Song geschrieben und auch in England aufgenommen.

Ich wusste aber nie genau was ich im Refrain schreiben soll, mir ist dann ein Zitat vom englischen Schriftsteller Thomas Moore eingefallen, er hat gesagt "The way to heaven is the same from all places". Ich habe den Schlagzeuger zwar nie persönlich getroffen, habe aber das Jazz-Trio von Beginn an mit begleitet. Ich habe sogar die erste CD von dieser Band, auf der alle drei unterschrieben haben. Das bedeutet mir wahnsinnig viel, weil es für mich etwas ist was bleibt.

Du schreibst auf Deutsch und auf Englisch, was gefällt dir besser?

Kommt ganz drauf an, also in letzter Zeit habe ich nur auf Deutsch geschrieben und das möchte ich so auch erst mal weiter machen. Ist gar nicht so einfach zu beantworten, weil ich mich im Englischen auch wohl fühle aber ich finde, dass man auf Englisch irgendwie anders schreibt. Zum Beispiel wenn man auf englisch über ein Thema wie Liebe schreibt, ist es einfacher als auf deutsch, weil man im Deutschen relativ schnell in Klischees rein rutscht. Ich mag aber beides sehr gerne.

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