Warum ein Biologe mit Batcordern Freiburgs Fledermäuse erforscht

Linda Kurek

An Straßenlaternen in der Innenstadt hingen in der vorvergangenen Woche ungewöhnliche Meßgeräte: Batcorder. Mit den Geräten können Fledermausrufe aufgezeichnet werden. Aufgehangen hatte sie der Berliner Biologe Daniel Lewanzik. Was er mit seinen Messungen in Freiburg herausfinden will:



Daniel, Du hast an Freiburger Straßenlaternen sogenannte Batcorder aufgehängt. Was willst Du damit herausfinden?


Daniel Lewanzik:
Ich untersuche im Rahmen des Projekts "Verlust der Nacht", wie sich künstliches Licht auf Fledermäuse auswirkt. Die Batcorder sind Aufnahmegeräte, die mir dabei helfen, die Auswirkungen auf die Fledermäuse zu analysieren.

Heimische Fledermäuse ernähren sich hauptsächlich von Insekten, die wiederum von dem künstlichen Licht der Laternen aus der dunkleren Umgebung angezogen werden. An den Laternen finden Insekten fressende Tiere wie Fledermäuse folglich einen reich gedeckten Tisch, während in angrenzenden unbeleuchteten Gebieten unter Umständen nur noch wenig Insekten zu jagen sind. Also müssen die Fledermäuse an die Laternen, um sich ihre Nahrung zu holen. Da viele Fledermausarten aber allem Anschein nach Licht scheu sind, stellt sich ein Problem dar.

Fledermäuse orientieren sich mit der Echoortung – deshalb nehmen die Batcorder Ultraschallwellen auf, und zwar immer nur dann, wenn eine Fledermaus in der Nähe ist. Ist die Fledermaus wieder weg, stoppt die Aufnahme.

 



Welche Bedingungen brauchst Du für gute Messergebnisse?

Für meine Untersuchung brauche ich sechs regenfreie und möglichst windstille Nächte. Anhand der aufgenommenen Rufe möchte ich am Ende analysieren, welche Fledermausarten an den Freiburger Straßenlaternen ihre Nahrung holen. Die verschiedenen Arten unterscheiden sich in ihren Rufen; Sie haben unterschiedliche Frequenzen und Lautstärken - da gibt es ganz viele Charakteristika.

So kann ich anhand der Ultraschall-Aufnahmen analysieren welche Arten wie oft an den Laternen vorbei fliegen und ich kann mir sogar angucken, wie oft die Tiere im Bereich der Laterne ein Insekt erbeuten, da Fledermäuse unmittelbar bevor sie ein Insekt fangen eine charakteristische Rufsequenz aussenden.

In der Freiburger Innenstadt kommen vor allem die Zwergfledermaus und der Große Abendsegler vor. Besonders an lauen Sommerabenden kann man oft beobachten wie Zwergfledermäuse von einer Laterne zur nächsten fliegen und sich dort den Bauch voll schlagen; Zwergfledermäuse gehören nämlich zu den wenigen Arten, die recht tolerant gegenüber künstlichem Licht sind.

Außerdem möchte ich untersuchen, ob das Verhalten der Fledermäuse auch von der Art der Straßenlaterne beeinflusst wird. Ich habe schon 2011 an genau denselben Freiburger Laternen Messungen durchgeführt, damals gab es hier noch Quecksilberdampflampen. Mittlerweile wurde ja in manchen Straßen auf LED umgerüstet.

Wo genau hängen die Batcorder?

Ich habe in der Innenstadt sieben Batcorder aufgehängt – unter anderem auf der Kaiser-Joseph-Straße, in der Bertoldstraße und in der Herrenstraße. Besonders in der Herrenstraße ist in der Nacht richtig was los.

Zur Kontrolle hängen auch noch drei Batcorder in Ebringen,  denn die Aktivität der Fledermäuse schwankt nicht nur nach Tag und Wetter, sondern auch von Jahr zu Jahr - je nachdem, wie sich die Populationen entwickeln.

Warum erforscht Du ausgerechnet Fledermäuse?

Wenn man die Auswirkungen von künstlichem Licht auf die Fauna untersuchen möchte bieten sich besonders Fledermäuse an, da Fledermäuse aus gutem Grund nachtaktiv sind. Eigentlich sind Fledermäuse nur während der Dunkelheit außerhalb des schützenden Quartiers aktiv. So vermeiden sie Nahrungskonkurrenz mit Insekten fressenden Vögeln zum Beispiel und sie entgehen tagaktiven Raubvögeln.

Doch genau diese nächtliche Nische wird mehr und mehr durch künstliches Licht erhellt. Man spricht auch von Lichtverschmutzung. Es liegt daher nahe, dass sich Lichtverschmutzung auf das Verhalten von Fledermäusen auswirkt. Da alle heimischen Arten unter Schutz stehen und die Populationen der meisten Arten stagnieren oder sogar abnehmen, ist es sehr wichtig zu wissen welche Arten wie auf künstliches Licht reagieren.

Unabhängig von der Lichtproblematik sind Fledermäuse unglaublich interessant, da sie so wahnsinnig variabel in ihrer Lebensweise sind. Manche fressen Insekten und können der Landwirtschaft unter Umständen den Einsatz großer Mengen an Insektiziden ersparen, manche tropische Arten fressen sogar Frösche und Fische, es gibt aber auch Fledermäuse in den Tropen, die fressen Früchte und sind richtige Samenverbreiter und Bestäuber und spielen eine wichtige Rolle bei der Wiederbewaldung von gerodeten Flächen; manche trinken auch nur Nektar. Die Fledermaus ist toll!

Wie kann man der Fledermaus Gutes tun?

Eines der größten Probleme der heimischen Fledermäuse ist der Quartiermangel. Alte Bäume mit Astlöchern werden abgeholzt, Löcher in Dächern gestopft – da geht Fledermauslebensraum verloren. Es gibt fledermausfreundliche Dachziegel und Fledermauskästen, die sind ein bisschen so wie Vogelhäuschen. Leider werden sie nicht so schnell wie Vogelhäuser besiedelt – ich habe eins auf meinem Balkon, das ist auch nach zwei Jahren noch leer.

Zur Person


Daniel Lewanzik
, 30, ist Doktorand am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. Sein Forschungsvorhaben in Freiburg ist Teil seiner Doktorarbeit "Auswirkungen von künstlichem Licht auf obligat nachtaktive Säugetiere (Fledermäuse)", für die er auch in Delbrück, Rietberg, Coburg, Berlin, Schulzendorf und Velten Batcorder-Messungen durchführt.

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