Warum Du Dir einen Feinstaubsensor basteln solltest

Jana Luck

Ein bisschen nerdy ist es schon: Der Freiburger Sebastian Müller ruft zum Sensorbasteln auf. Damit will er die Feinstaubbelastung in Freiburg prüfen. Es gibt eine Online-karte mit vorhandenen Messwerten– und bald findet die nächste Bastelaktion statt.

Erkennbar sind sie von außen nicht unbedingt: Sensoren stecken in kurzen Regenrinnen, in Vogelhäuschen oder unter Ikea-Lampenschirmen. Schon zehn Feinstaubsensoren messen die Luft in Freiburg - und Sebastian Müller will, dass es noch mehr werden. Der 33-Jährige studiert Soziologie an der Uni Freiburg und organisiert am 5. Mai einen Bastelabend. Bei diesem kann sich jeder einen eigenen Sensor bauen – und somit helfen, die Feinstaubbelastung in Freiburg zu messen.


Karte: Feinstaubsensoren in Freiburg

(Erklärung: Jeder Sensor zeigt die Konzentration von Feinstaub in der Luft an. Dabei wird zwischen größeren Partikeln (PM10) und kleineren (PM 2,5) unterschieden. Die Zahl in der Tabelle gibt an, wie viele dieser Partikel sich in einem Kubikmeter Luft befinden. Der Grenzwert liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter. Dann werden die Kacheln in der Karte rot.)

Warum soll ich mir so einen Sensor an den Balkon hängen?

Jeder, der einen solchen Sensor hat, trägt zur Genauigkeit der Messergebnisse bei. Müllers Ziel ist es, dass ungefähr 30 Freiburger Haushalte an verschiedenen Standorten einen Sensor haben: "Dann könnte man das Gebiet schon ganz gut abdecken und stadtweite Messwerte ermitteln." Außerdem sei es spannend, wie die Werte vor dem eigenen Fenster sind.

Was will Sebastian Müller mit der Aktion erreichen?

Ziel der Aktion ist es, einen möglichst genauen Überblick über die Luftsituation in Freiburg zu geben. Die Situation hier ist natürlich nicht so dramatisch wie in Stuttgart. Müller geht es aber auch darum, über das Thema zu sprechen und die Aufmerksamkeit zu erhöhen. Der Soziologe möchte mehr Menschen sensibilisieren: "Zum Beispiel, dass man sich selber überlegt, wie sinnvoll man mit Mobilität umgeht oder auch dem Internet of Things."

Internet of Things, auf Deutsch Internet der Dinge - bezeichnet das Phänomen, dass Dinge im eigenen Haushalt plötzlich Daten erfassen und "mitdenken". Den Sensor betrifft das auch - wie sieht’s mit dem Datenschutz aus?

Der Sensor misst Werte, die dann über das WLAN gesendet werden. Müller betont aber: "Der Sensor misst keine sensiblen persönlichen Daten und gibt den Standort auf 150 Meter anonymisiert an. Und er nimmt zum Beispiel nicht auf, was jemand sagt oder wann man Zuhause ist."

Woher kommt die Idee für das Feinstaubsensor-Basteln?

In Stuttgart gibt es eine sehr aktive Bürgergruppe, die die Idee angestoßen hat. Sebastian Müller hat bei einem Feinstaubsensor-Basteln selbst mitgemacht und wünschte sich so etwas auch in Freiburg. Die Skills, die man für das Zusammenbasteln braucht, seien nicht besonders schwer zu lernen. Bei einem ersten Treffen im März in Freiburg kamen 30 Personen: "Viel mehr Leute, als ich dachte, es war zu wenig Platz und Material da", sagt Müller. Deshalb gibt es jetzt noch ein zweites Treffen.

Auf http://freiburg.maps.luftdaten.info kann man sehen, wie die Messwerte über Freiburg aussehen . Wie lese ich als Laie die Angaben und was bedeuten sie?

Die Sensor-ID ist die Kennzeichnung der einzelnen Sensoren. Daneben sind die Partikelarten aufgeteilt: PM10 sind die Partikel, die 10 Mikrometer Durchmesser haben, PM2,5-Partikel haben dementsprechend 2,5 Mikrometer Durchmesser. Der Durchmesser entscheidet, wie weit so ein Partikel im menschlichen Körper kommt: die PM10 kommen bis in die menschliche Lunge, die PM2,5 sogar noch tiefer und können bis ins Blut gehen. Außerdem kann man auf der Anzeige ablesen, wie viele Partikel gerade wo gemessen werden: wie viele Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

Woraus besteht so ein Sensor und wie funktioniert er?

Der Sensor besteht aus dem Gehäuse, einem Computer, der den Sensor steuert, dem Feinstaubsensor selbst natürlich, ein paar Käbelchen, einem WLAN-und Stromanschluss und, wer die Extra-Funktion mag, einem Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmesser. Der Sensor strahlt einen Laser aus, der in die Luft strahlt, die Partikel sieht und dann deren Anzahl hochrechnet.

Was kostet so ein Sensor? Wo bekomme ich die Teile?

Die Veranstalter bringen die Teile für den Sensor und auch Kleinteile zum Basteltermin mit. Das kostet für die Teilnehmenden 40 Euro. Wenn man die Teile selber bestellt, kostet es ungefähr 35 Euro, sagt Müller.

Kann so eine Aktion wirklich etwas bewirken?

50 µg/m3, das heißt 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter im Tagesdurchschnitt, gelten als Grenzwert. Wenn an mehr als 35 Tagen im Jahr der Grenzwert überschritten wird, müsste die Kommune aktiv werden und Maßnahmen zur Reduktion ergreifen. "Indem wir die Daten messen und online verfügbar machen, werden die Messwerte für alle einsehbar und im Zweifel kann dann an die Kommune appelliert werden", sagt Müller.
Was: Feinstaubsensor-Basteln.
Wann: Freitag, 5. Mai um 19 Uhr
Wo: Landeszentrale für politische Bildung, Bertholdstrasse 55, Freiburg
Kosten: 40 Euro für die Teile