Umweltfreundlich

Warum Du beim nächsten Grillen den Einweggrill meiden solltest

Julia Stulberg

Sommer, Sonne, See und Grillen – vier Dinge, die für viele Menschen unzertrennlich sind. Doch viele greifen beim spontanen Grillen zu Einweggrills. Dabei sind diese sehr umweltschädlich und Alternativen gibt es einige.

Es ist Samstag. Die Sonne brutzelt schon am frühen Morgen. Ein perfekter Sommertag zum Grillen. Aufs Rad schwingen, auf dem Weg zum Seepark am Supermarkt durch, Dinge kaufen, die der eigene Vorrat nicht hergibt: Bier, Getränke, Snacks – und einen Einweggrill. Das schlechte Gewissen macht sich bemerkbar. Es ist kein Geheimnis, dass Einweggrills die schwarzen Schafe des Grillerlebnisses sind – salopp gesagt. Aber warum?


Mithilfe von Umweltreferentin Verena Bax des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), Tobias Eckmann der Freiburger Feuerwehr und Verena Laumer von Paulinchen e.V. der Initiative für brandverletze Kinder klärt fudder diese Frage.

Aus was bestehen Einweggrills?

Einweggrills bestehen zumeist aus einer Grillschale mit Metallgitter gefüllt mit Holzkohle. Schale und Gitter sind aus Aluminium, da dieses gut formbar und vor allem leicht ist. Jedoch ist die Herstellung von Aluminium alles andere als umweltfreundlich. "Aluminium geht mit einer großen Umweltbelastung einher. Angefangen vom Rohstoff bis zum Abbau", sagt Verena Bax vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Denn es wird nicht nur ein hohes Maß an Energie gebraucht, um Aluminium herzustellen, sondern dadurch entstehen verschiedene Abfallprodukte.

Wie umweltschädlich sind Einweggrills tatsächlich?

Ein Abfallprodukt bei der Herstellung von Aluminium ist zum Beispiel Rotschlamm, auch Bauxitrückstand genannt. Nur ein geringer Teil davon kann weiterverwendet werden, wohingegen der Großteil des Rotschlamms unbrauchbar ist und in einem undurchdringbaren Lehmboden deponiert werden muss. "Was aber noch viel schlimmer ist, sind die Naturkatastrophen, die teilweise bei der Aluminiumherstellung entstehen", sagt Verena Bax. Als Beispiel spricht sie hier von dem Kolontár-Dammbruch in Ungarn im Jahr 2010. Bei diesem Chemieunfall überschwemmte der ätzende Rotschlamm ein Gebiet von geschätzten 40 Quadratkilometern. 7000 Menschen waren von der Naturkatastrophe betroffen, zehn Menschen starben dabei. Flora und Fauna, sowie landwirtschaftliche Flächen verwüstet.

Doch auch schon direkt während der Nutzung des Einweggrills, am heimischen See, können negative Auswirkungen auf die direkte Umwelt wahrgenommen werden: Die Einweggrills müssen für die Benutzung direkt auf dem Boden platziert werden. Da das Standbein meist zu kurz, oder gar nicht vorhanden ist, trifft das Aluminium direkt auf den Untergrund. Findet das Grillerlebnis auf einer Wiese statt, wird meist nicht nach einer Ausweichmöglichkeit gesucht – der Einweggrill auf der Grünfläche abgestellt. Das Gras darunter und drum herum ist spätestens nach dem Grillerlebnis komplett abgebrannt. "Darunter wächst erstmal nichts mehr", sagt Verena Bax.

"Von der NABU-Seite aus sagen wir, dass es keine Möglichkeit gibt Einweg umweltfreundlich zu nutzen." Verena Bax

Kann man Einweggrills auch umweltfreundlicher nutzen?

Ein hoher Rohstoff- und Energieaufwand kann durch eine lange Nutzung gerechtfertigt werden. "Das Problem bei den Einweggrills ist natürlich, dass sie nicht dafür gebaut sind, mehrfach genutzt zu werden", sagt Verena Bax. Denn, wie der Name schon sagt: Ist der Einweggrill einmal angezündet, Kohle verbrannt, Metallgitter verkohlt, gibt es nur noch den Weg in die Tonne. "Von der NABU-Seite aus, sagen wir, dass es keine Möglichkeit gibt Einweg umweltfreundlich zu nutzen", sagt Verena Bax und rät zu Kugelgrills. Diese sind genauso leicht zu transportieren wie Einweggrills.

Sind Einweggrills gefährlicher als andere Grills?

Die Gefahren sind bei Grillerlebnissen jeder Art dieselben, erklärt Tobias Eckmann von der Feuerwehr Freiburg. Ob mit Kugel- oder Einweggrill, ein sicherheitsbewusster und vorsichtiger Umgang ist immer wichtig – Einweggrills sind nicht gefährlicher als andere. Da jedoch ein Standbein fehlt, birgt das Abstellen des Grills auf dem Boden Gefahren. Es braucht die richtige Unterlage dafür: "Sie muss geeignet sein, sollte nicht entflammbar und eben sein", so Tobias Eckmann. Auf dem Boden können Einweggrill schnell übersehen werden und zu einer Stolperfalle werden.

Die Einweggrills werden nach der Nutzung nicht immer fachgerecht entsorgt, werden oft einfach umgedreht und mit Sand oder Dreck bedeckt. "Für krabbelnde Babys und Kleinkinder ist das eine große Gefahr – die Kohle bleibt tagelang noch glühend heiß", erklärt Verena Laumer vom Verein Paulinchen, der sich für brandverletzte Kinder einsetzt.

Auf den meisten Verpackungen von Einweggrills werden Tipps zur fachgerechten Entsorgung angegeben: Die Grillschale, der Rost und der Ständer gehören zum Altmetall und die Holzkohle in einen Abfallsack. "Man sollte es abkühlen lassen und mit Wasser ablöschen", rät Tobias Eckmann, um Brände in Mülleimern zu vermeiden. Lange nach dem Grillerlebnis kann jedoch die Unterlage zu Verletzungen führen. Die Ablagefläche sollte, genauso wie der Grill, mit Wasser abgelöscht und somit gekühlt werden.

Grillerlebnis: Nicht nur Einweggrills sind problematisch

Klar, die Nutzung eines Einweggrills ist alles andere als umweltfreundlich. Jedoch ist der Austausch nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zum nachhaltigeren Grillerlebnis. Neben der Anschaffung eines mehrfach nutzbaren Grills, sollte auch auf Einweggeschirr oder Alugrillschalen verzichtet werden. Bei letzterem sind, laut NABU und einer Erhebung der Gesellschaft von Verpackungsmarktforschung, im Jahr 2017 4500 Tonnen Müll durch Einweggrillschalen bei privaten Feiern und Haushalten angefallen. Ganz schön viel unnötiger Abfall, nicht wahr? Wie nachhaltiges Grillen funktioniert, hat der NABU zusammengefasst. Beispielsweise sollte kein Tropenholz verwendet werden oder klimafreundliche Briketts zum Anzünden nutzen. Mehr zum Thema: