Warum dieser Freiburger Feuerwehr und Polizei filmt - und die Videos auf YouTube stellt

Konstantin Görlich

Feuerwehr, Polizei, Rettungswagen: Bei jeder Gelegenheit filmt Jonny Schuler alles, was ein Blaulicht auf dem Dach hat - und zeigt seine Videos auf Facebook und YouTube. Was das soll:



Als er das Martinshorn hört, zückt er sein Smartphone, macht sich Aufnahmebereit. Im schwarzen Hoodie steht Jonny Schuler auf einer Verkehrsinsel, auf ein kleines Schild gestützt filmt er die herannahende Feuerwehr, zoomt heran, schwenkt hinterher, als der Wagen an ihm vorbeisaust. Fertig ist das Video.

Blaulicht
im Straßenverkehr zieht die Blicke auf sich. Das ist gut so, die Verkehrsteilnehmer sollen genau so reagieren. Wo kommt der Einsatzwagen her? Wo will er hin? Wie kann ich dafür schnellstmöglich "Frei Bahn", wie es die Straßenverkehrsordnung fordert, schaffen? Aber es gibt auch Menschen, für die entbehrt Blaulicht nicht einer gewissen Ästhetik, übt eine starke Anziehungskraft aus.


Einer davon ist Jonny Schuler, auf YouTube: Blaulicht-FR-Jäger, auf den ersten Blick einer der merkwürdigeren Freiburger YouTuber. Seine Videos ähneln sich: Erst hört man das Martinshorn, dann kommt von irgendwo ein Einsatzfahrzeug - oder mehrere - und fährt vorbei. Die meisten entstanden am Fuß der Opfinger Brücke, auf der Haslacher Seite. Der 36-Jährige wohnt ganz in der Nähe.

"Es gibt so viele verschiedene Sachen auf YouTube. Leute fotografieren Straßenbahnen oder außergewöhnliche Autos - und ich bin auf Blaulichtjagd", sagt Jonny, als in der Nähe ein Martinshorn ertönt. Sofort ist er hellwach und hat sein Smartphone längst im Anschlag, als ein Polizeiauto die Uffhauser Straße hochgefahren kommt, um über die Opfinger Brücke davonzujagen. "Hier kommt manchmal auch noch die Feuerwehr hinterher", sagt Jonny.



"Ich war schon als Kind von Feuerwehrfahrzeugen begeistert. Gigantische Fahrzeuge, die sich durch den Verkehr schlängeln. Blaulicht, es blinkt, alle machen Platz. Mit 13 bin ich dann zur Jugendfeuerwehr in Weil am Rhein und begann mit 18 die Ausbildung", erzählt Jonny von den Wurzeln seines Hobbys.

Wieder ertönt ein Martinshorn, diesmal aus der Carl-Kistner-Straße. "Das hört sich nach Feuerwehr an." Dann kommt tatsächlich ein Wagen der Feuerwehr und nimmt ebenfalls den Weg über die Opfinger Brücke, wird dabei von der Mittelinsel aus gefilmt.



Jonnys Leidenschaft ist offensichtlich heiß, obwohl oder gerade weil er nicht mehr selbst als Retter unterwegs ist, seit er 2010 nach Freiburg zog. Da fing er mit den Videos an. "Vor etwa einem Jahr hab ich eine Facebookgruppe gegründet mit inzwischen fast 250 Leuten aus der ganzen Region, die gerne die Fotos und Videos anschauen und teilen." Jetzt kam der YouTube-Kanal dazu, wegen der besseren Videoqualität, wie er sagt. Die meisten Videos stammen aus der gerade zurückliegenden Silvesternacht.



"Es gibt Leute, die reisen durch ganz Deutschland und warten vor Feuerwehrwachen auf Einsätze", erzählt Jonny. Er habe das auch schon mal gemacht, postiert sich aber lieber an Kreuzungen, wo er die Fahrzeuge im Verkehr filmen kann - und im öffentlichen Raum. Die rechtliche Seite ist ihm wichtig. "Ich weiß zum Beispiel, dass es die Polizei nicht so gerne hat, wenn man ihre Fahrzeuge ablichtet." Trotzdem ist er besonders stolz darauf, einen Geldtransport mit Polizeibegleitung in Freiburg gefilmt zu haben.



Derzeit kann er seinem Hobby nicht so richtig nachgehen. Eine seltene Krankheit schwächt seine Knochen. Jonny ist auf Krücken angewiesen, krankgeschrieben, und filmt nur, wenn ihm zufällig ein Einsatzfahrzeug begegnet. Je seltener das ist, desto besser. Die VAG hat auch Fahrzeuge mit Blaulicht, die er gerne mal im Einsatz filmen würde.

"Mein Traum ist es, mal den Feuerwehrkran der Berufsfeuerwehr auf Einsatzfahrt zu filmen, oder bei einer Übung." Schade sei nur, dass er nie wisse, wann eine stattfinde. Tipps bekomme er keine. "Ich weiß nicht, ob man mich schon kennt, und die Feuerwehrleute schmunzeln und sich denken 'ah, der schon wieder'", sagt Jonny.

Fahrzeuge, nicht Einsätze

"Mir ist es wichtig, die Fahrzeuge zu präsentieren und nicht, die beteiligten Menschen zu filmen." Nicht die Rettungseinsätze, sondern nur die Fahrzeuge. Mit dieser Differenzierung will er sich von Gaffern abgrenzen. "Bei jedem Film ist mir bewusst, dass da ein Mensch in Not ist." Angefeindet worden sei er noch nie. "Wir wollen ja nichts Schlechtes, sondern zeigen, was die Stadt für tolle Fahrzeuge hat und das mit Gleichgesinnten teilen."

Ist das ein bisschen verrückt? "Manche würden das sagen, ja. Aber jeder hat seine Leidenschaft, sein Hobby, fühlt sich zu irgendwas hingezogen. Und bei mir sind das eben hauptsächlich Feuerwehrfahrzeuge."

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[Fotos: Konstantin Görlich / Screenshot]