Warum der Party-Kalender Subculture sich von seinem Monatskonzept verabschiedet

Alexandra Röderer

Das Magazin subculture wird nicht mehr monatlich, sondern nur noch alle drei Monate erscheinen. Zudem ist Reiff-Medien ausgestiegen. Wir haben bei subculture-Chef Thorsten Leucht nachgefragt:



Das Magazin subculture wird 2016 statt monatlich nur noch quartalsweise erscheinen – weil es sich nicht mehr lohnt?

Thorsten Leucht: Nö, dann hätten wir es ja ganz eingestellt, wenn wir es nicht mehr vermarktet bekommen. Dann hätten wir gesagt: ‚Es ist gut, machen wir den Deckel drauf.‘

Die Entwicklung war also stabil?

Wir sind ein General-Interest-Produkt im Nischenmarkt. Wir haben den großen Vorteil einer sehr homogenen Zielgruppe. Die Badische Zeitung hat zwar zum Beispiel die größere Auflage, aber auch mehr Streuverlust.

Das ist bei uns nicht so und das wissen auch die Werbekunden zu schätzen. Ja, wir reduzieren die Erscheinungsweise auf viermal im Jahr, aber das ist der internen Ausrichtung geschuldet.

Inwiefern?

Die Wahrnehmung ist fokussiert auf das Magazin, aber subculture ist eine Kreativagentur. Wir verstehen uns als Schnittstelle zur Jugend- und Popkultur. Wir haben verschiedene Produkte und Erscheinungsformen.

In den letzten 20 Jahren haben wir mehr als 200 Veranstaltungen gemacht, sind als Grafik-Agentur etabliert, machen da zum Beispiel die ganze Grafik für Sea You, Monkey Garden oder Nitebeat Events.

Hinzu kommen CD-Compilations, Busreisen, Ausstellungen, Lesungen, Workshops, Wandkalender, Buchbeiträge, Sticker, Poster… wir haben zig Aktivitäten und Erscheinungsformen. Das Magazin ist nur eine davon. Die Agentur hat im letzten Jahr einen Schub bekommen, hausintern haben sich so die Prioritäten verschoben.

Die Agentur wird also gestärkt auf Kosten des Magazins?

Das Magazin haben wir schon in den Anfängen selber gestaltet, sei es im Schlafzimmer oder Wohnzimmer. Aber wir haben auch schon die Veröffentlichung der ersten Ausgabe mit einer Veranstaltung begleitet und haben relativ früh Busreisen zu Festivals in der Schweiz angeboten. Da gab es immer eine Parallelität. Das eine ist mit dem anderen gewachsen.

Wir hoffen durch die Reduzierung der Ausgaben auch, dass wir Zeit bekommen, bestimmte Projekte umzusetzen, die wir schon lange geplant haben. Das ist auch ein Experimentierfeld. Online haben wir etwa ein paar neue Erscheinungsformen, die wir gerne ausprobieren wollen, wo wir auch Spaß dran haben.

Was bedeutet das inhaltlich für das Magazin?

Wir werden das Ganze entbündeln. Online wird unsere Fastfoodkomponente. Da werden eher die schnelllebigen, tagesaktuellen Themen stattfinden, zum Beispiel unsere Party-Kalender, oder News, für die ein Monatsmagazin zu träge ist. Print ist indes unsere Slowfoodkomponente.

Da werden wir thematische Schwerpunkte setzen, die Erstausgabe etwa ist überschrieben mit ‚Barkultur und Imbisstrends‘. Dazu wird es verschiedene Extensions geben, etwa einen Stadtplan im Posterformat oder für Online einen exklusiven Podcast. Wir möchten uns gerne crossmedial austoben.

Wie wird sich die Auflage verändern?

Die liegt derzeit bei 15.000. Damit gehen wir auch erst einmal in den Druck, wir müssen Erfahrungswerte sammeln. Je nach dem werden wir monatlich nachlegen. Das möchten wir ausprobieren.

Stemmen Sie das Ganze mit dem bestehenden Personal?

Wir sind derzeit zu siebt, haben aber noch diverse Freelancer. Aktuell stocken wir Personal auf, ein Praktikant wurde in die Festanstellung übernommen, wir suchen einen neuen Azubi zum Mediengestalter, ein anderer Azubi soll übernommen werden. Da passiert gerade viel.

Ist es richtig, dass Reiff-Medien ausgestiegen ist?

Ja, die waren exakt fünf Jahre lang Teilhaber, von 2010 bis 2015. Seit Mitte des Jahres bin ich Einzelunternehmer, da ist Reiff ausgestiegen.

Wieso?

Die haben sich unsere Ausrichtung eher in Richtung Verlagsbereich gewünscht, wir wollten aber das Agentursegment ausbauen, ohne aber die Verlagsgeschichte zu verlieren. Und so hat man sich gütlich geeinigt und getrennt.

Wir arbeiten aber nach wie vor zusammen, etwa bei dem grafischen Auftritt des Kamehameha-Festival in Offenburg. Für mich ist das eine neu gewonnene Freiheit gerade als Einzelunternehmer, die ich für mich nutzen möchte, um die Veränderungen so einzuleiten, wie ich sie mir wünsche.

Thorsten Leucht, 44, geboren in Freiburg. Creative Director: subculture - urban media

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[Foto: Frank Bale]