Kein Deal

Warum der Musiker Julian Philipp David ohne Plattenlabel glücklicher ist

Julian Schwizler

Julian Philipp David lebt seinen Traum als Musiker. Inklusive Plattendeal, Videodrehs und Festivalauftritten. Jetzt hat sich der Songwriter von seinem Plattenlabel getrennt. Für fudder schrieb er auf, wieso.

Julian Philipp David, 27, kommt aus Merzhausen-Au, zog dann nach dem Abi an der Freien Waldorfschule Wiehre nach Mannheim-Jungbusch, um an der Popakademie Mannheim zu studieren. Unter seinem Künstlernamen Julian Philipp David schreibt er Songs – für sich und für andere. In Freiburg trat er unter anderem mit Max Giesinger auf. Zu seinen Freiburg-Zeiten machte Julian ein Praktikum bei fudder. Mittlerweile lebt er von seiner Musik – auch ohne Plattenlabel.

Ich hatte die letzten Jahre ein Plattenlabel. Mein erstes zwar, dafür dann aber gleich das allergrößte auf der Welt. Da kamen dann Abgesandte aus Berlin nach Mannheim geflogen, um mich zu teuren Abendessen einzuladen und mir zu erzählen, dass meine Songs das nächste große Ding auf dem deutschen Musikmarkt werden könnten. "Mit deinen Melodien schaffen wir es ins Radio!"

Da habe ich nicht lange überlegt und direkt unterschrieben. Dann gab’s Vorschuss. Das erste Mal richtig viel Kohle auf dem Konto. Dass man das alles für eine Albumproduktion ausgibt, hat mir damals aber keiner gesagt. Und bis man das durch Plattenverkäufe (haha) und Streams (hahaha) wieder einfährt, steigt dein Schuldenkonto. Große und teure Videos und Shootings mit einem Starfotograf. Und all das nur, weil ich irgendwann in einem ungemütlichen Herbst ein paar helle Tage hatte, an denen eine Handvoll schöne Songs entstanden sind.

"Das war eine neue Welt für mich DIY-Boy. Alles ein bisschen viel auf einmal."

Ich hab mich danach oft gefragt, wie ich das überhaupt hinbekommen habe. Ich komm nicht mehr drauf. Aber ich glaube, ich hab nicht groß nachgedacht und einfach gemacht. Und jetzt war ich hier und hatte Meetings, bei denen ich mich bei den Empfangsmenschen in eine Liste eintragen, 20 Minuten warten und abholen lassen sollte. Um mich bei Latte Macchiato über den Dächern Berlins über die in meiner Studentenbutze zusammengeschusterten Demos zu unterhalten.

Ich wurde Mitarbeitern vorgestellt, die in Zukunft irgendwelche Dinge für mich tun würden, von denen ich nicht wusste, dass es sie gibt. Bis all die Namen, Positionen und Gesichter zu einem wirren Informationsstrudel verknäult durch meinen Kopf rauschten und mir ganz schwindelig wurde. War das jetzt die Assistenz der TV-Promotion oder die Spotify Key Account Managerin? Wow, so wird also am großen Rad gedreht. Welcome to Berlin. Das war eine neue Welt für mich DIY-Boy. Alles ein bisschen viel auf einmal.



Das mit dem Songs schreiben war dann plötzlich gar nicht mehr so einfach. Ich kämpfe ja sowieso schon heftig mit meinen eigenen Erwartungen, Ansprüchen an meine Musik. Seitdem ich damit vor 15 Jahren angefangen habe. Aber jetzt kamen da noch die Erfahrungswerte und Meinungen einer ganzen Abteilung dazu, die mir in Meetings um große Konferenztische und Flipcharts sitzend, zu erklären versuchte, dass der Text hier mal bisschen klarer oder da die Drums mal bisschen moderner klingen sollten. "Oder wir probieren es mal mit einem Feature!"

"Viele Songs habe ich mich dann nicht mal getraut zu zeigen, mir war eh schon klar, was ich hören würde."

Ich war nie mehr so unverkopft wie früher. Das ist nix Neues, das geht jedem so. Nur musste ich erst rausfinden, dass das vielleicht am Ende die wichtigste Eigenschaft als kreativer Mensch ist, die mir da irgendwo zwischen Telefonkonferenzen und Emailverteilern groß wie Fußballmannschaften verloren gegangen ist. Dass man sich das irgendwie bewahren muss. Unverkopft sein. Quer denken können, Dogmen durchbrechen. Viele Songs habe ich mich dann nicht mal getraut zu zeigen, mir war eh schon klar, was ich hören würde. So richtig glücklich wurde ich so nicht. Präziser ausgedrückt: Ich war dabei auf dem besten Wege, mir das, was mir am meisten Freude bereitet, so richtig kaputt zu machen.

Glücklich ohne Label

Jetzt habe ich kein Label mehr, bin mein eigener Chef und kann davon leben, dass ich erfolgreichen Künstlern dabei helfe Songs zu schreiben. Ich kann eigentlich wieder alles machen und lassen was ich will. Und das ist meine Musik, die die letzten Jahre viel zu kurz gekommen und noch häufig genug ein Struggle ist. Es gibt Phasen, da mache ich gar keine. In anderen sprudelt es. Und manchmal weiß ich schon beim Schreiben, dass ich den Song wahrscheinlich nie rausbringen werde.Weil er nicht passt, anders ist, nicht ins Gesamtbild passt.



Aber was ist das überhaupt? Ich bin halt weird, mache mal dies, mal das, aber selten das gleiche nochmal. Das ist Julian Philipp David. Schon immer gewesen. Aber jetzt mach ich es einfach.

Mir gehts nicht gut, mir geht es besser denn je.
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