Warum das Theater Freiburg am Freitag "Karlsson vom Dach" spätabends zeigt

Theresa Ogando

Das Junge Theater veranstaltet am Freitag eine Late-Night-Aufführung des Kindertheaterstücks "Karlsson vom Dach". Warum das für Erwachsene spannend ist, erzählt Michael Kaiser, Leiter des Jungen Theaters, im Interview.

 Astrid Lindgrens Streichemacher "Karlsson vom Dach" kommt mit seinem fliegendem Propeller ins Freiburger Theater und treibt sein Unwesen im Werkraum. Michael Kaiser, Leiter des Jungen Theaters Freiburg, erzählt, warum das Kinderstück spät abends läuft und was das so besonders macht.


Wird bei der Late-Night-Show die gleiche Aufführung gezeigt wie mittags den Kindern?

Ja, es ist die gleiche Aufführung und entgegen den Erwartungen bekomme ich oft die Reaktion zu hören: "Das zeigt ihr doch nicht den Kindern?" Die Kulisse ist nicht wie bei vielen "Karlsson vom Dach"-Inszenierungen - naturalistisch und voll mit Klischees über Schweden. Wir beginnen mit einem leeren Raum, der am Ende mit Schrottmaschinen gefüllt ist. Die Idee, mit der wir gearbeitet haben, ist, dass Karlsson selbst die Geschichte erzählt. Deswegen gibt es Köttbullar, Menschen, die Musik machen und eben die Idee, dass der Raum anarchisch überschrieben wird. Das alles wird von nur vier Performern in unterschiedlichen Rollen erzählt – der Raum selbst wird zur Kulisse.

"Viele haben die Sehnsucht, dem Stoff nochmal zu begegnen."

Wie kam die Idee zustande, Kindertheaterstücke spätabends zu zeigen?

Die Erfahrung, die wir letztes Jahr damit gemacht haben, dass wir "Die kleine Hexe" als Late-Night-Special gezeigt haben, hat uns sehr ermutigt. Das Schöne an "Die kleine Hexe" und "Karlsson vom Dach" ist, dass die Besucher sie aus ihrer Kindheit kennen. Viele haben die Sehnsucht, dem Stoff nochmal zu begegnen, aber wenn man selbst keine Kinder hat, geht man eher nicht in ein Kinderstück im Theater. Deshalb bieten wir die Late-Night-Aufführung an.

Es werden viele Kindertheaterstücke in Freiburg aufgeführt, warum wurde genau "Karlsson vom Dach" ausgewählt?

Das Besondere an der Figur Karlsson ist, dass er polarisiert. Manche fanden ihn klasse, andere scheiße. Die Meinung ist aber zum Großteil von dem Film aus den 70er Jahren geprägt. Diese Verfilmung ist ganz schrecklich und der Charakter furchtbar gezeichnet. Wenn man den Roman liest, merkt man, dass der Karlsson dort viel tiefschichtiger ist. Er ist nicht einfach blöd, sondern interessant und anarchisch. Karlsson erzählt, wie man durch das Leben gehen sollte, er überschreibt die Wirklichkeit mit Fantasie und ist damit eigentlich eine echt coole Figur.

"Die Begegnung mit Kinderfiguren ist sehr interessant für Erwachsene."

Denken Sie, dass Erwachsene das Stück anders auffassen als Kinder?

Für mich enthält eine gute Kinder- oder Familieninszenierung immer eine Ebene für Erwachsene und eine für Kinder. Für beide soll das Stück spannend und lustig sein. Die Kinder verstehen die gleichen Witze, eine gute Kinderinszenierung bietet dahinter aber eine Komplexität, die nur Erwachsene vollständig greifen können. Die Late-Night-Show bietet mit der unwirklichen Zeit (22 Uhr) und damit, dass nur andere Erwachsene im Publikum sind, eine besondere Begegnung und die Möglichkeit, nostalgisch in die Kindheit zurückzureisen. Die Begegnung mit Kinderfiguren ist sehr interessant für Erwachsene. Man fragt sich wieder: Wie war das damals? War ich eher der schüchterne Lillebror oder der Draufgänger Karlsson?
Michael Kaiser ist Leiter des Jungen Theaters. Der Theaterpädagoge und Dramaturg arbeitet seit 2006 am Theater Freiburg.


  • Was: Karlsson vom Dach Aufführung
  • Wann: 23. Februar 2018, 22 Uhr
  • Wo: Werkraum des Freiburger Theaters
  • Tickets: Normalpreis: 12 Euro, Reduziert: 8 Euro