Warum das Artik ab dem 1. März zumacht

Marius Buhl & Carolin Buchheim

Das Artik macht dicht: Vom 1. März an bleibt das Jugendkulturzentrum für einen Monat geschlossen. In dieser Zeit wollen die Artik-Aktiven über die Zukunft des Vereins beraten. Der Grund für die Schließung: Dem Artik fehlen für den Betrieb im laufenden Jahr rund 17.000 Euro.



Joe Evers, Mitinitator des Artik, hat keine guten Neuigkeiten dabei, als er am Donnerstag vor dem Kinder- und Jugendilfesausschuss des Gemeinderats der Stadt Freiburg Bilanz zur Arbeit des Artik zieht: „Der Stand jetzt ist, dass wir das Artik ab März zumachen, um für einen Monat über die Zukunft zu beraten.“


Gerade eben noch haben sie sich alle gemeldet, Gemeinderäte aus allen Fraktionen, um dem Artik zur hervorragenden Arbeit zu gratulieren; nun ist es ruhig geworden im Gemeinderatssaal. „Nachdem wir uns zusammengesetzt haben, um einen Finanzplan für das Jahr 2014 zu entwerfen, haben wir festgestellt, dass das Geld nicht bis zum Jahresende reichen wird“, sagt Evers.

Der Artik e.V. betreibt das Jugendzentrum in der ehemaligen Fußgängerunterführung unter dem Siegesdenkmal als Jugendkulturplattform. Bands, Theatergruppen und Tanzcrews nutzen an allen Wochentagen die Räumlichkeiten - für Teilnehmerinnen und Teilnehmer komplett kostenfrei. Außerdem gibt's Nachmittagsangebote für Schülerinnen und Schüler oder abendliche Diskussionrunden. An den Wochenenden finden im Artik Konzerte, Partys und Festivals wie das "African Kiss"-Festival statt.

42.000 Euro bekommt der Kulturverein jedes Jahr von der Stadt, knapp 60.000 Euro würden nach Ansicht des Vereins aber benötigt, um das Angebot im momentanen Umfang anbieten zu können. In den beiden vergangenen Jahren hatte der Verein zusätzliche Mittel zur Verfügung gehabt: 2012 einen Überschuss aus 2011, da das Jugendzentrum erst im Mai eröffnet wurde, 2013 einen Sonderzuschuss in Höhe von 12.000 Euro. "Nun müssen wir erstmals mit den 42.000 Euro auskommen", sagt Evers.

Den Vorwurf, der Verein sei bei der Finanzplanung gescheitert, lässt Evers nicht gelten. Das Artik biete für die seiner Einschätzung nach geringen Zuschüsse der Stadt ein unersetzliches Angebot für Freiburg Jugendliche. "Der Bedarf für Jugendarbeit unserer Art ist in Freiburg riesig, und wir haben viel, viel, viel angenommen und uns engagiert", sagt er. "Natürlich könnten wir weniger öffnen, uns weniger engagieren. Aber ist das wirklich gewünscht?"

Vom 1. März an wollen Joe Evers und die rund 80 Vereinsaktiven nun den Laden für einen Monat geschlossen halten, um in Klausur zu gehen und einen Plan für die Zukunft zu entwerfen. „Einerseits müssen wir uns überlegen, ob wir das Programm so verändern können, dass wir mit dem Geld hinkommen. Andererseits ist es unser Ziel, das Artik so erfolgreich wie bisher weiterzuführen. Da müssen wir jetzt überlegen, wo zusätzliche Gelder herkommen könnten", sagt er.

Die Gemeinderäte im Ausschuss zeigten sich am Montag dem Verein gegenüber nicht strafend, sondern hilfsbereit und sicherten Unterstützung zu. Bürgermeisterin Gerda Stuchlik sagt aber auch: „Der Haushalt für 2014 wurde von ihnen, liebe Gemeinderäte, beschlossen, daran ist nichts mehr zu ändern.“ Zusätzlich sagte aber auch sie ihre Unterstützung zu: „Ich habe mir bereits Leute notiert, denen ich zwecks einer Spende einen Brief schreiben möchte.“

In einer weiteren einmaligen Zahlung sieht Joe Evers aber nicht die Lösung: „Dann haben wir nächstes Jahr dasselbe Problem. Um das Artik entsprechend weiterzuführen, brauchen wir generell einen größeren Haushalt.“ Auch Tom Pannwitt, 2. Vorsitzernder von Artik e.V., sorgt sich um die Zukunft: „Momentan stehen wir am Anfang einer Debatte mit ungewissem Ausgang: Das Artik steht auf der Kippe.“

Neben den finanziellen Problemen sieht sich das Artik-Team derzeit aber auch noch mit ganz anderen Problemen konfrontiert. 2016 beginnt der Bau der neuen Stadtbahn, dann muss die Jugendkulturplattform der Tram weichen. Die Standortsuche hat bereits begonnen, ein so zentraler Ort wie die Unterführung am Siegesdenkmal wird aber wohl schwer zu finden sein. Weitere Herausforderungen sind ein anstehender Generationenwechsel im Vorstand sowie die zunehmend schwerer zu bewältigenden sozialen Bedürfnisse vieler Jugendlicher, die im Artik verkehren. „Mit den derzeitigen Mitteln können wir diesen Anforderungen nicht auf Augenhöhe begegnen. Dazu brauchen wir weitere Ressourcen“, sagt Evers.

Eine erfreuliche Nachricht hatte der Artik-Sprecher dann aber doch noch zu vermelden: „Wir haben uns bei der Aktion 'Gute Tat mit Plakat' der Website Spendenfreun.de beworben und sind unter die besten drei gekommen.“ Sollte das Artik die Online-Abstimmung gewinnen, würde die Wall AG in Zusammenarbeit mit Spendenfreun.de und einer Werbeagentur eine kostenlose Plakatkampagne unter dem Motto „Rettet das Artik“ in Freiburg starten. Evers würde sich darüber freuen: „Für uns wäre das ein erster Schritt hin zum Erhalt dieser so wichtigen Jugendkulturplattform.“  

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[Fotos: Marlene Wilkes]