Einzelfälle

Warum brauchen manche Studierende länger?

Dora Volke

Pech, Praktika, Panik: Die Gründe, warum ein Studium an der Hochschule sich hinzieht, können sehr unterschiedlich sein.

Ganz verschieden sind die Gründe, warum Studierende länger brauchen als vorgesehen. Christian M. (31) beispielsweise hatte zehn Semester lang im Chemie-Bachelor studiert, bevor er zu Biologie wechselte und diesen Abschluss dann in fünf Semestern machte. "Das mit Chemie war einfach viel Pech und zum Großteil meine eigene Schuld. Das größere Problem habe ich jetzt mit meiner Masterarbeit: Die ist so angelegt, dass ich gar nicht in der Regelstudienzeit fertig werden kann." Am Ende müsse er ohne Bafög auskommen.




"Die Lehrpläne sind sehr unterschiedlich, da verliert man leicht ein Semester", glaubt Carolin Hochstuhl (23), die im dritten Semester Theologie auf Magister studiert. Sie hat schon einen Bachelor in Musikwissenschaft und Psychologie – doch nach dem Abschluss in der Regelstudienzeit von sechs Semestern merkte sie, dass sie bei der Theologie besser aufgehoben ist, und begann ein Zweitstudium. "Das war nicht leicht, weil gerade im außerakademischen Bereich das Verständnis relativ gering ist, warum man nicht einfach mit dem Abschluss, den man schon hat, in den Beruf einsteigt", erzählt sie.

Mehr Zeit fürs Auslandssemester

Verständnis für ihre lange Studienzeit erfährt die 25-jährige Annika L. durchaus. Sie ist im zehnten Semester ihres Bachelors Franko-Media und Kognitionswissenschaft. In diese Zeit hat sie nicht nur mehrere große Praktika, einen Nebenjob und ein Auslandssemester gepackt, sondern auch ein Vorstandsamt in einem Jugendverband. Anfangs habe sie sich noch Druck machen lassen, aber dann habe ein Dozent ihr geraten, sie solle nach ihrem eigenen Rhythmus studieren. "Man sollte sich gerade im Studium die Zeit nehmen, herauszufinden, wer man ist. Sonst verpasst man sich selbst – und das ist ziemlich traurig", findet sie.

Gescheitert an der Schreibblockade

Doch nicht alle Langzeitstudierende bleiben freiwillig so lange an der Uni: Martin Schaller (35) scheiterte wegen einer Schreibblockade am Magisterabschluss in Romanistik und Geschichte. Er fand trotzdem einen Job, merkte aber schnell, dass der ihn nicht zufriedenstellt – und strebt nun erneut einen Abschluss an, diesmal den Bachelor in Romanistik und Anglistik.

Von den ersten 19 Semestern konnte er sich nur wenig anrechnen lassen, wie der Student erzählt. Zwischendurch musste er sein Nebenfach wechseln, deshalb stehe er erst jetzt, im 9. Semester, kurz vor der Bachelorarbeit. Hinzu komme, dass er sich das Studium selbst finanzieren müsse, sagt Martin Schaller. "Man sieht bei Langzeitstudierenden schnell, ob jemand nur vor sich hinschlendert, oder ob er aufgrund seiner Lebensumstände länger braucht."