Warum bei diesem Freiburger Theaterstück nur Frauen auf der Bühne stehen

Fabian Thomas

Wie verhalten wir uns ohne Einfluss von Gesellschaft und Erziehung? Die Theatergruppe Arts Liberated sucht mit "Lord of the Flies" eine Antwort auf die Frage. fudder sprach mit den Regisseuren über den komplett weiblichen Cast und Uni-Stress.

fudder hat mit den Regisseure Lukas Kretzschmar, Fenja Jahn und Lukas Wiehler

gesprochen

fudder: Ihr stellt gerade neben der Uni ein Theaterstück auf die Beine. Kommt ihr da noch zum studieren?

Fenja Jahn: Wir proben zweimal pro Woche für drei Stunden, und dazu treffen wir drei uns nochmal mindestens zwei Mal pro Woche …
Lukas Wiehler: … es ist also schon sehr zeitintensiv und man muss Prioritäten setzen können. Vor Allem muss man manchmal - so Leid es uns tut - das Theater vor die Uni stellen.
Lukas Kretzschmar: Tut es uns Leid?
Lukas Wiehler: Irgendwann schauen uns eben Leute zu. Mein Essay für die Uni ließt keine Sau, also investiere ich lieber ins Theater.

fudder: Warum habt ihr euch für Lord of the Flies entschieden?

Lukas Wiehler: Mir hat sehr gefallen, dass es am Anfang wie ein Abenteuerroman aufgebaut ist. Das hat mich total zurückversetzt, wie ich als Kind Abenteuerromane gelesen habe. Aber später entpuppt sich dann eine tiefere Bedeutung, weil Golding eine sehr philosophische Frage stellt: Wenn wir alle gesellschaftlichen Einflüsse weglassen, wie verhalten sich dann Menschen?

Golding hat für sein Stück Kinder gewählt, weil sie noch relativ ungeprägt von der Erziehung sind. Und seine Meinung ist sehr negativ. Er glaubt, dass es auf Dauer keine friedliche Koexistenz von Menschen gibt.

Fenja Jahn: Das ist auch ganz klar vom damaligen Kontext des Zweiten Weltkrieg beeinflusst. Es ist ein sehr impulsives Stück. Es geht viel um Emotionen und Dynamiken, die sich entwickeln. Auch dadurch, dass es eben Kinder sind, die durch einen Flugzeugabsturz auf einer Insel stranden.

fudder: Ist euer Theaterstück ähnlich brutal wie die Verfilmungen von Lord of the Flies?

Lukas Kretzschmar: Wir haben den Film tatsächlich alle noch nicht gesehen.
Lukas Wiehler: Das haben wir uns und unseren Schauspielerinnen verboten. Gewalt ist eine der wichtigsten Elemente dieses Stücks, da sie die Entwicklung klar macht, die die Kinder auf der Insel durchlaufen. Aber man darf das jetzt nicht so physisch erwarten, wie das in einem Film dargestellt wird.

fudder: Was habt ihr sonst noch an Lord of the Flies für eure Aufführung verändert?

Lukas Kretzschmar: Die wichtigste Veränderung ist, dass wir zehn Mädels dabei haben. Im Buch sind es zehn Jungs, die auf der Insel stranden.

fudder: Warum habt ihr euch für zehn weibliche Darstellerinnen entschieden?

Lukas Wiehler: In den meisten klassischen Stücken gibt es viel mehr männliche Rollen. Wie bei Shakespeare, wo es meistens nur irgendeine Magd als Nebencharakter gibt.
Fenja Jahn: Wir wollten nicht nur Männer auf der Bühne haben. Aufgrund der vielen Bewerbungen von Frauen - das Stück ist anscheinend bei Frauen sehr beliebt - ist es dann so passiert.
Lukas Wiehler: Es wurde schon kontrovers diskutiert, ob Goldings Aussage nur auf Männer zutrifft. Wir möchten das die Leute zuschauen und diese Frage vielleicht selber beantworten.
Lukas Kretzschmar: Hollywood verfilmt es jetzt auch mit nur Frauen auf der Insel.
Lukas Wiehler: Sie haben uns nachgemacht. Es hat aber noch kein Produzent angerufen und gefragt: Hey, können wir euch die Idee abkaufen?

Über die Theatergruppe

Arts Liberated ist eine englischsprachige Theatergruppe, die es seit dem Sommersemester 2017 gibt. Sie hat sich aus dem Studiengang Liberal Arts and Sciences heraus gegründet. Lukas Kretzschmar (21), Fenja Jahn (22) und Lukas Wiehler (22) sind für die Regie von "Lord of the Flies" verantwortlich.
Was: Arts Liberated spielen "Lord of the Flies" (auf Englisch)

Wann: 11., 12., 16. und 17. Februar um 20 Uhr

Wo: Theatersaal der Alten Uni, Bertoldstraße 17

Eintritt: 5 Euro (3 Euro ermäßigt)