Rad-Highway

Warum auf der Wiwili-Brücke nicht richtig gestreut wird

Kerrin Klüwer

Die blaue Wiwili-Brücke wird täglich von 9000 Radlern genutzt. Wegen des Schnees schieben nun viele. Eigentlich sollte die Strecke geräumt werden, doch das Wahrzeichen ist eine Besonderheit.

"Die Spur zu halten, ist nur etwas für Leute mit gutem Gleichgewichtssinn", sagt Judith Neumann. Sie fährt täglich Rad und täglich über die Wiwili-Brücke. Die Decke aus Eis und Schnee erschwere die Fahrt. Sie fragt sich, warum nur Splitt und kein Salz gestreut wird.


Splitt soll für Haftung sorgen

Zuständig dafür ist die kommunale "Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg GmbH" (ASF). Die Brücke werde kontinuierlich geräumt, sagt Geschäftsführer Michael Broglin. Zum einen würden die Fußgängerwege freigeschippt, zum anderen fahre ein Räumfahrzeug mit Schneewalzenbesen über den Radweg.

Doch anders als auf Straßen wird auf der Wiwili-Brücke nicht gesalzen, weshalb immer Schneereste übrig bleiben. Grund: Auf der Brücke gilt Salzverbot, um Rostschäden am Stahl zu verhindern. Stattdessen streut die ASF Splitt. Das taue zwar den Schnee nicht weg, aber sorge für die nötige Haftung der Reifen.

Das 130 Jahre alte Bauwerk wurde dreimal saniert

Die Vorgabe, kein Salz zu verwenden, gilt seit gut sechs Jahren, nachdem die Brücke für 6,6 Millionen Euro saniert wurde. Die Arbeiten waren nötig geworden, weil Rost und Wassereintritt die Verkehrssicherheit gefährdet hatten. Bei der Sanierung stellte sich zudem heraus, dass das Bauwerk mit Asbest verseucht war, was die Kosten in die Höhe trieb.

Schon 1972, als die Bundesbahn ihr Bauwerk von 1886 zum ersten Mal sanierte, war Rost entdeckt worden. Im Jahr 1989 – inzwischen im Besitz der Stadt – erfolgte eine Teilsanierung der Brücke. Auch dabei spielte Rost eine Rolle.

Schlittern statt Fahren

Heute schlittern und rutschen pro Tag 9000 Radfahrer und 3000 Fußgänger über die Wiwili-Brücke, die den Stadtteil Stühlinger und die Innenstadt verbindet. "Wenn man es wohlbehalten auf die andere Seite geschafft hat, wird man gezählt", meint Radlerin Judith Neumann ironisch.

Tatsächlich registriert diese Zählstelle Jahr für Jahr steigende Zahlen. Gut drei Millionen mal wurden Radler im Jahr 2015 gezählt, was eine Steigerung um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutete. Diese Marke wurde im Jahr 2016 bereits Ende November geknackt. Die Stadtverwaltung schätzte, dass bis Jahresende 3,33 Millionen Radler gezählt werden.

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